Weniger Babyboomer als anderswo

von Redaktion

In Grassau entspannt sich die Lage bei Ganztagsbetreuung von Kindern – Nachwuchs bleibt aus

Grassau – Zum Thema Kindertagesstätten beauftragte der Markt Grassau eine Analyse zur Bedarfsplanung in den kommenden Jahren. Ausführlich und anhand vieler Diagramme zeigte Dr. Herbert Tekles vom „Ingenieurbüro Demosplan“ die derzeitige Versorgungslage wie auch die künftige auf und verglich diese mit der demografischen Entwicklung der Gemeinde. Aufschlussreich war dies für den Marktgemeinderat, denn nach dieser Analyse reichen auch künftig die Betreuungsplätze aus.

„Es wird eine
Delle geben“

In den vergangenen Jahren, so Bürgermeister Stefan Kattari, wurden zwei weitere Kinderbetreuungsstätten errichtet, der Kindergarten in der Gänsbachstraße wie auch der Waldkindergarten in Rottau. Laut Tekles seien demografische Zahlen die wichtigste Grundlage, um Prognosen erstellen zu können. Die Alterspyramide sehe in Grassau anders aus als üblich, denn die Babyboomer seien nicht so markant vorhanden. Die Bevölkerungsentwicklung in den unterschiedlichen Altersstufen sei viel ausgewogener und harmonischer als in anderen Gemeinden. Dies sei eine Folge eines jahrzehntelangen Wanderungsgewinns, mit einer Ausnahme: den Kindern zwischen null und einem Jahr. Hier gebe es einen Einbruch. Aber auch diese massiven Geburtenrückgänge seien typisch. Es handle sich dabei um die Enkelkinder der Babyboomer und diesen Enkelkinderberg gebe es nicht. Dies, so Dr. Tekles, sei eine Reaktion auf ungünstige Entwicklungen, bedingt durch die Sorge vor einer ökonomisch ungünstigen Zukunft aufgrund der Arbeitsplatzsituation und Lebenshaltungskosten.

Diese aufgeschobenen Geburten werden aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, so der Experte. Das habe Konsequenzen für die Kindertagesstätten und Ganztagsbetreuung. „Hier wird es eine Delle geben“, prophezeite er. Und dies sei positiv, denn es schaffe Luft, die Ganztagsbetreuung zu regeln. Interessant war zudem die Untersuchung der Herkunftsgebiete der Grassauer Bevölkerung. Mit einer Ausländerquote von 14,5 Prozent liege Grassau im mittleren Bereich, wobei die meisten ausländischen Bürger aus dem osteuropäischen Raum stammen.

Eine große Zunahme der Bevölkerung gab es bei Menschen über 65 Jahren, eine Verdoppelung, betonte der Experte. Aber auch damit stehe Grassau im Landkreis nicht allein. Die Region sei attraktiv für ältere Menschen. Zur demografischen Entwicklung erklärte er, dass es zu Beginn der 1960er-Jahre doppelt so viele Geburten wie Sterbefälle gab. Nun sei es genau umgekehrt. Bei einer Geburtenrate über 2,1 pro Frau würde die Bevölkerung wachsen, darunter gebe es einen Bevölkerungsrückgang. Bei 1,3 bis 1,5 Geburten gebe es derzeit einen Rückgang. Bei diesem Stand würde die Kindertagesbetreuung zu hoch angesiedelt, allerdings ohne Zuzüge. „Ohne Wanderungsgewinne wird es in Grassau rückläufige Einwohnerzahlen geben. Wie ein Tsunami baut sich derzeit die Bevölkerungszahl der künftigen Babyboomer-Rentner auf und wird 2032 ihren Höhepunkt erreichen. Das Rentnerniveau wird hoch gehalten bis 2038 und erst danach stellt sich langsam eine Entspannung ein. Diese Gruppe macht zwar Arbeitsplätze frei, jedoch keine Wohnungen“, erklärte Tekles das Spannungsfeld. Dr. August Trimpl (CSU) interessierte, ob in diese Prognosen die Planung für das Körtingelände, Gewerbepark eingerechnet sei, was Bürgermeister Stefan Kattari bejahte.

Jährlich, so Experte Tekles, ziehen zwischen 600 und 700 Personen zu und auch wieder ab. Damit komme es faktisch alle zehn Jahre zu einer Umschichtung der Bevölkerung, der harte Kern bleibe. Zudem werde enorm viel gependelt, was sich anhand der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer erkennen lässt. Hoch sei auch die Quote der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Bürger mit ausländischer Staatsbürgerschaft. „Man könne sich die Konsequenz, wenn man viele dieser Arbeitskräfte verlieren würde, vorstellen“, gab Tekles zu bedenken.

Tekles stellte zudem einen Zusammenhang mit hochgeschossigem Wohnungsbau und Arbeitslosenquote her und empfahl, bei Neuausweisungen von Wohngebieten pro Bauplatz nicht mehr als sechs Wohneinheiten zuzulassen. Größere Bauten führten zur Anonymität.

Zurück zu den Betreuungsplätzen informierte er, dass derzeit im Krippenbereich eine Betreuungsquote von 38 Prozent vorliege, die auf 50 Prozent steigen wird. Das bedeute, dass 38 Prozent der Ein- bis Dreijährigen derzeit einen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen. Auch künftig wird die Kommune gut mit ihrem Angebot auskommen. Gut ausgestattet sei sie auch bezüglich der Betreuung für die drei- bis sechsjährigen Kinder. Zum Teil sei es derzeit noch knapp. Doch aufgrund der demografischen Lage wird sich das schnell ändern. Aber dennoch sollte kein Rückbau erfolgen. Im Fazit bedeute dies, dass eine gute Situation vorliege und es bei der Nachfrage an Plätzen keine großen Sprünge geben werde, außer es werde viel neu gebaut.

„Wir haben alles
richtig gemacht“

Mit dem Bedarf an Kindergartenplätzen habe man sich in den vergangenen Jahren befasst und große Anstrengungen unternommen, um alle Kinder unterzubringen. Gut zu wissen sei, dass eine bauliche Erweiterung von Betreuungsplätzen nicht geboten ist, betonte der Rathauschef. „Wir haben bisher alles richtig gemacht“, fasste Daniela Ludwig (CSU) zusammen. Bürgermeister Kattari fügte hinzu, dass die Gemeinde durch das Schulhausprojekt mit Neubau in der glücklichen Lage ist, für die Ganztagsbetreuung attraktive Räume anbieten zu können.

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