„Absolute Zumutung und völlig unakzeptabel“

von Redaktion

Übersees Bahnhof soll modernisiert und barrierefrei werden. Doch im Zuge des Umbaus soll die komplette Bahnsteigüberdachung wegfallen. Stattdessen plant die Bahn, vier Wetterschutzhäuschen zu errichten. Im Gemeinderat gibt es dazu heftige Kritik.

Übersee – In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Übersee informierte Bürgermeister Herbert Strauch (Freie Bürgerliste, FBL) über den aktuellen Sachstand zum Umbau und der Modernisierung zu einem barrierefreien Bahnhof in Übersee.

Nach den Plänen der Deutsche Bahn (DB) Netz AG soll die Bahnstrecke zwischen Freilassing und Rosenheim im Jahr 2027 voll saniert sein. Im kommenden Jahr gibt es deshalb bereits probeweise einen Schienenersatzverkehr, bei dem die Passagiere mit Bussen transportiert werden sollen.

Aufzug
statt Rampe

Die Bahnhofsplanung sei inzwischen weitgehend abgeschlossen, informierte der Bürgermeister. Seitens der Bahn sei es beschlossene Sache, dass die komplette Überdachung der Gleise entfällt und stattdessen zum Schutz der Passagiere vor Regen und Unwetter insgesamt vier Wetterschutzhäuschen aus Glas errichtet werden.

Auf eine Länge von 330 Metern muss der Bahnsteig erhöht werden, damit er barrierefrei werden kann. Ursprünglich war dafür eine lange Rampe geplant, aber aus wirtschaftlichen Gründen sei jetzt ein Aufzug geplant. Damit gebe es keine Schwierigkeiten mit Traglasten mehr. Auch die beiden Stufen vom Bahnhofsvorplatz aus sollten wegfallen und das Gebäude ebenerdig betreten werden können, so der Bürgermeister.

Für Übersee sei der seit vielen Jahren geplante Umbau des sehr viel genutzten Bahnhofs eine große Chance, weil auch das gemeinde-eigene, historische Bahnhofsgebäude in die Planung und die finanzielle Förderung mit einbezogen würde. Das alte Gebäude könnte in sein ursprüngliches, historisches Aussehen mit Pfetten und anderen Details wieder hergestellt werden, verbunden mit der zeitgemäßen Nutzung, so Herbert Strauch. Im Zuge der Gleissperrungen müsse sich die Gemeinde auf das Gebäude konzentrieren und sich überlegen, was verändert werden sollte. Erfolgversprechend sei in dem Zusammenhang auch der Arbeitskreis (AK) Ortsentwicklung, der sich schon mehrfach mit dem Bahnhof und seinem Umfeld auseinandergesetzt habe, sagte der Bürgermeister. Bis Anfang Dezember sollte eine „Bedarfsanmeldung“ bei der Bahn vorliegen.

Bürgermeister Herbert Strauch betonte, dass die Gemeinde außerhalb der Grundstücksgrenzen generell wenig zu sagen habe, weil das gesamte Bauvorhaben die DB plant und bezahlt. Der Bau solle im Jahr 2027 beginnen, sodass ab Mitte 2027 auch mit Streckensperrungen zu rechnen sei.

In der Diskussion der Gemeinderäte stieß vor allem die fehlende Überdachung der Wartebereiche an den Bahngleisen auf starken Widerstand. Als „völlig inakzeptabel und eine absolute Zumutung“ bezeichnete Stefan Haneberg (Gemeinsam für Übersee, GfÜ) die von der Bahn AG erneut abgelehnte Überdachung der Gleise, die von der Gemeinde mehrfach gefordert worden war. Haneberg schilderte als Beispiel eine Grippewelle und strömenden Regen, bei der sich die Reisenden in kleinen Häuschen aneinandergedrängt aufhalten sollen. Gegenüber den Bahnkunden sei das eine „Unfreundlichkeit sonders- gleichen“, die man nicht hinnehmen dürfe.

Auch Hans Thullner (Grüne) fand die versprochene Barrierefreiheit sehr erfreulich, hielt es aber für einen „Schildbürgerstreich“, die „damals von den Großvätern durchgesetzte Bahnüberdachung“ nicht mehr zu erneuern. Nicht nur zu Stoßzeiten gäbe es in Übersee pro Gleis oft mindestens 60 bis 100 Wartende. Höchstens zehn Leute würden aber in so ein Glashäuschen passen.

Der Bürgermeister erklärte, dass die gesamte Überdachung vom Unterhalt her für die Bahn weit aufwendiger wäre und bayernweit eine Überdachung von Bahngleisen nicht mehr gemacht werde. Aber auch er meinte, dass der „Servicegedanke am Kunden“ damit hinten runterfiele. Man könne einen Bahnhof in Gebirgsgegenden nicht mit einem x-beliebigen Bahnhof einer Stadt vergleichen.

„Bahnhofsdialog“
am 20. November

Zweite Bürgermeisterin Margret Winnichner (Grüne) fragte, ob die Überdachung nicht eine Frage des Denkmalschutzes sei und man auf diese Art zum Ziel kommen könnte. Abschließend hieß der Beschluss, der Gemeinderat habe den Bericht des Bürgermeisters zur Kenntnis genommen, aber wegen der Bahnhofsüberdachung solle er unbedingt nachverhandeln.

Einen öffentlichen „Bahnhofsdialog“ veranstaltet der AK Ortsentwicklung am Donnerstag, 20. November, um 19 Uhr im Kulturverein „Freiraum“, Bahnhofstraße 32. Alle Bürger sind eingeladen. Auch Bürgermeister Herbert Strauch wird anwesend sein und dann von einem Mitte November angesetzten erneuten Treffen mit Vertretern der Bahn AG berichten.

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