Unterwössen – Das „Wirtshaus Schmiedbräu“ an der oberen Hauptstraße hat unter neuer Führung wiedereröffnet. Mit Alicia Maas übernimmt eine erfahrene Köchin die traditionsreiche Gaststätte – und bringt ein Konzept mit, das für frischen Wind sorgt. Maas setzt auf altbayerische Wirtshausküche, auf Gerichte, die fast in Vergessenheit geraten sind. Maas sagte gegenüber der Chiemgau-Zeitung: „Ein Gasthaus im altbayerischen Stil mit besonderem Charme, das Miteinander an großen Wirtshaustischen und meine Küche – so gehört es zusammen.“
Lehrmeister war
Heinz Winkler
Maas ist nicht irgendeine. Das Kochhandwerk lernte sie in der „Fünf-Sterne-Residenz Heinz Winkler“ in Aschau im Chiemgau. Sie gewann den zweiten Platz beim Kochwettbewerb um den Rudolf-Bierbichler-Preis der Berufsschule Rosenheim und war beim bayerischen Achenbach sehr erfolgreich. Nach der Lehre stieg sie zur Sous-Chefin der Residenz Winkler auf und gehörte zum engsten Küchenteam von Heinz Winkler. Zuletzt war sie Küchenchefin im Gasthaus und Hotel „Zur Linde“ auf der Fraueninsel. Jetzt tritt sie auf eine neue Bühne, in die enge, ehrliche Wirtshausküche mitten im Dorf.
Damit verfolgt sie das Ursprungskonzept des „Schmiedbräu“. „Ich will bayerisch kochen, aber richtig. Nicht das Übliche, sondern das, was man kaum noch bekommt. Das G’selchte, das Bruckfleisch, der Saure Lüngerl“, so Maas. Die Zutaten dafür bezieht sie aus der Region. Auf der Speisekarte steht, wer was geliefert hat. Vom Preisniveau soll ihr Angebot so sein, dass es sich ein jeder leisten kann. „Die Gäste erwartet eine sehr gute Ware zu einem fairen Preis“, sagte Alicia Maas. Alicia Maas möchte nachhaltig arbeiten, ihr Ziel ist es, die bezogenen Lebensmittel insgesamt zu verwerten. Nichts soll in die Tonne.
Das „Wirtshaus Schmiedbräu“ passt zu dieser Haltung. Kleine Räume, große Tische, kein Schnickschnack, dafür viel Charakter. Maurermeister Martin Färbinger, der es 2017 eröffnete, steckte zuvor über Monate viel Liebe und Handwerkskunst – auch fast vergessene – in das Gebäude. Alte Mauern, liebevolle Details, Handwerkerzeug, das Geschichten erzählt. Später setzte Färbinger ein Salettl im ursprünglichen Stil an die Gebäudefront und im Sommer gibt es einen ansprechenden Biergarten. Alicia Maas will das alles nicht verändern, sondern weiterführen. Sie sagt: „Das Haus lebt von der Nähe. Man sitzt hier zusammen, kommt ins Gespräch. Ich möchte, dass die Leute wieder miteinander reden.“ Und weiter: „Allein einen Tisch, das funktioniert hier nicht. Hier muss man zusammenrücken. Hier kommt man zusammen, hier lernt man Leute kennen und kommt dann wieder.“
Ihr Anspruch an die Küche ist hoch. „Ich bin meine strengste Kritikerin. Wenn’s mir schmeckt, schmeckt’s jedem“, sagt sie. Die Karte bleibt bewusst klein, dafür soll alles frisch und mit Hand gemacht sein. Ihr Bier kommt vom Hofbräuhaus Traunstein. Auch der Stammtisch soll wieder seinen Platz finden. Nicht nur als Platz im Wirtshaus, sondern als Herzstück des Miteinanders.
Seit dem 1. Oktober ist sie Pächterin. Die Zeit bis zur Eröffnung nutzt sie, um die Küche einzurichten, die Abläufe zu planen, Lieferanten zu finden. Zeit auch, um den Übergang gut zu gestalten. Denn mit Martina und Thomas Speicher, die zuletzt die Gaststätte führten, geht ein Kapitel zu Ende. Aus gesundheitlichen Gründen gaben sie die Pacht zurück. Gemeinsam mit den Hauseigentümern, den Brüdern Stephan und Florian Fuchs, fiel die Entscheidung für einen Neuanfang.
Ratschen
und Speisen
Jetzt liegt viel Erwartung in der Luft. Die Gemeinde kennt das Wirtshaus, viele haben dort gefeiert, geratscht, gegessen. Mit Alicia Maas kommt eine neue Handschrift – leise, aber bestimmt. Wer wissen will, wie altbayerisch heute schmecken kann, sollte vorbeischauen. „Und wer sich eine zünftige Weihnachtsfeier wünscht? Ich bin dabei. Einfach einen Termin vereinbaren unter Telefon 0152/24231197“, erklärt die Wirtin.