800 Euro für ein „kleines Kabuff“

von Redaktion

In Prien stehen viele Geschäfte leer – Offenbar sind die Mieten zu hoch

Prien „Man sieht im Ort immer öfter Leerstände, zum Teil auch längere“, so lautet die Kurzdiagnose von Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG). Tobi Huber, Leiter Wirtschaft und Tourismus im Priener Rathaus, bestätigte in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Tourismusausschusses, dass die Leerstände gefühlt zunehmen, „wenn auch nicht in dem Maß wie in anderen Gemeinden und Städten“. Wundert Kersten Lahl (BfP) nicht: „Wir haben hier vergleichsweise viele Touristen, die einkaufen.“

Hohe Mieten als
Problem identifiziert

Eine Chance, die andere Kommunen nicht haben. Aber, fügte Lahl an, es müssen sowohl die Wege ins als auch die Geschäfte im Zentrum attraktiv sein. Nicken von Huber, der sagte, dass sich nachweislich das Konsumverhalten von „Bedarf“ zu „Erlebnis“ verschiebe und die „Bummelkultur“ vor allem bei Frauen nachlässt – gut 40 Prozent geben bei einer Befragung durch das IFH-Institut Köln für eine Studie an, heute weniger gerne bummeln zu gehen als noch vor fünf Jahren. Huber nannte auch das uneinheitliche Erscheinungsbild von Fassaden und Schaufenstern im Priener Ortskern als Ursache für die schwindende lokale Bummelkultur.

Nun kann die Marktgemeinde zwar an der Attraktivität der Wege ins Zentrum arbeiten, andere „äußere Bedingungen entziehen sich unserem Einfluss“, so Huber. Bei Online-Käufen, Mieten, Lager- und Personalkosten oder Nachfolgermangel kann die Marktgemeinde schlicht nicht eingreifen. Einem „Neuling“ Mietzuschuss als Starthilfe geben? Da stehen vermutlich bald auch andere Geschäftsinhaber auf der Matte und wollen Unterstützung.

Die hohen Mieten als Grund für Leerstände wurden mehrfach genannt, auch von Michael Anner (CSU). Gaby Rau (Die Grünen) fragte nach, ob die Gemeinde denn nicht auf Eigentümer einwirken könne, die viel zu hohe Mieten fordern. „Da ist der Laden schnell wieder leer.“ Da könnten Politik und Verwaltung nur versuchen, in Einzelgesprächen Überzeugungsarbeit zu leisten, so der Bürgermeister. Erscheint nach einem Bericht von Rau in manchen Fällen sinnvoll: Sie erzählte, dass sie Einblick in den Mietvertrag für ein „kleines Kabuff“ hatte, für das 800 Euro zu zahlen sind. Auch nach einer Geschäftsaufgabe, bis ein Nachmieter gefunden ist – „Was soll so etwas? Ein Laden wird doch nicht wegen Reichtums geschlossen!“, so Rau empört.

Einige Vermieter sehen das Problem der Mieten offensichtlich auch. Donat Steindlmüller, Geschäftsleiter im Rathaus, erwähnte einen Laden, der über die Straße in deutlich größere Räume zog, weil dort die Miete günstiger ist. „Der Laden läuft“, so Steindlmüller.

Huber hatte recherchiert, welche Branchen deutschlandweit noch gut gehen. Dazu gehört alles, was zum täglichen Bedarf gehört, ob Lebensmittel oder Drogerie, dazu unter anderem Friseure, Physiotherapien, Kosmetikstudios, Cafés, Eisdielen, Floristen, kleine Gastro mit guter Atmosphäre, Optiker, Hörgeräteakustiker, Sanitätshäuser, Fachhandel und sogenannte Concept Stores, also Läden, die eine manchmal ungewöhnliche Kombination von Produktgruppen für einen gewissen Lebensstil bieten. Er nannte hier den „Amon Store“ als positives Beispiel. Gut geht es meistens auch den Händlern, die Laden und Onlinehandel parallel betreiben. Ulrich Steiner (Die Grünen) fragte, ob man nicht gezielt nach entsprechenden Läden suchen könne. Für die Verwaltung sehr schwierig, bekam er zur Antwort. Eigentlich eher Sache der Vermieter.

Was kann die Marktgemeinde tun? Vor allem Impulse setzen, so der Bürgermeister: Akteure verbinden, Zwischennutzungen leerer Läden vermitteln oder selbst zwischennutzen, einen digitalen Marktplatz anschieben. „Die Marktgemeinde kann Plattformen zum Netzwerken und Kommunizieren bieten, keine direkte Förderung“, stellte Gunther Kraus (CSU) fest. Zu all dem zählte Huber auch die finanzielle Unterstützung der „PrienPartner“, damit der Verband der Gewerbetreibenden seine Bemühungen und Maßnahmen sinnvoll anpacken kann. Vielleicht kann dann auch die Internetseite „Chiemsee Shopping“ vom reinen Schaufenster zum regionalen Onlinehändler werden. Das scheiterte bisher daran, dass die vertretenen Geschäftsleute nach eigener Aussage die Pflege ihres Angebotes und ihrer Bestände nicht schafften.

Vorschläge für
schnelle Gegenmittel

Vorschläge für kurzfristig umsetzbare Aktionen hatte Huber auch im Angebot: Standortvideos mit Priener Unternehmern, Erfolgsgeschichten erzählen und das alles gezielt auf verschiedenen Kanälen veröffentlichen. Dazu die Zwischennutzung von Leerständen zum Beispiel mit Kunst. Leer stehende Läden könnten dennoch freundlich gestaltet sein und sei es mit attraktiven Folien in den Fenstern und ein wenig Licht – das verbessere auch die Aufenthaltsqualität im Ortszentrum. Eines sei klar: Ohne radikales Umdenken aller Beteiligten sei es nicht möglich, den veränderten strukturellen Rahmenbedingungen zu begegnen, so Hubers Resümee. Sonst drohten immer kürzere Lebenszyklen der Geschäfte. Sein Appell: „Es sollte nichts unversucht bleiben.“

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