Geplanter Anbau „zerstört Charakter einer Alm“

von Redaktion

Siegsdorfer Räte lehnen Bau einhellig ab – Gemeinde übernimmt Defizite von Kiga und Kita

Siegsdorf – Einer Bauvoranfrage zum Anbau an ein bestehendes Wohnhaus in der Maria-Eck-Straße konnte der Gemeinderat Siegsdorf nicht zustimmen. Bürgermeister Thomas Kamm erläuterte die planungsrechtliche Situation des Gebäudes, das erstmals 1954 errichtet und 1958 durch einen Anbau erweitert wurde. Im Jahr 2014 folgten ein weiterer Anbau an das Wohnhaus und die Errichtung eines Nebengebäudes mit Garage und Technikraum.

Das Grundstück im Außenbereich ist teilweise biotopkartiert, und das Haus besitzt zudem den Charme und Charakter einer Alm. Die Besitzer beantragten nun einen Anbau mit einer Fläche von 108 Quadratmetern und wollten das Gebäude zudem auf dem gesamten Bestand um 95 Zentimeter anheben. Der geplante Anbau soll mit großen Fensterflächen ausgeführt und die Fassaden mit teils stehender, teils liegender Holzschalung versehen werden.

Der Platzbedarf wurde mit dem Wunsch begründet, für die Schwiegermutter und vier erwachsene Kinder Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen sowie Arbeitsflächen (Büro und Ateliertisch) für die Gebäudenutzer zu erhalten. Der gemeindliche Bauausschuss stufte das Vorhaben in der Vorprüfung als sehr problematisch ein, da der Anbau mit 108 Quadratmetern im Verhältnis zur bestehenden Wohnfläche von 164 Quadratmetern deutlich zu groß erschien.

Nach Ansicht des Gremiums würde zudem die moderne Gestaltung des Anbaus durch zu große Fenster ohne Teilung den „Charakter einer Alm zerstören“.

Der Zweite Bürgermeister Manfred Guggelberger (BfS) zweifelte ohnehin den Status des Erstwohnsitzes an und sprach sich für eine Ablehnung des Antrags aus. Ludwig Geisreiter (UW) betonte, dass eine Zustimmung aufgrund von zwei Vergleichsfällen in den vergangenen Wochen ohnehin nicht möglich sei. Auch Willi Geistanger (Grüne) sah dies ähnlich und wunderte sich zudem über die Einschätzung des Kreisbauamtes, das bei einem Beratungsgespräch mit dem Bauherrn im Landratsamt das Vorhaben als vertretbar angesehen hatte.

Einstimmig mit 19:0 Stimmen übernahm der Gemeinderat den Vorschlag der Verwaltung, der Anhebung des Gebäudes um 95 Zentimeter zwar zuzustimmen, die geplante Grundflächenerweiterung jedoch abzulehnen. Dabei wurde auf zwei kürzlich aus ähnlichen Gründen zurückgewiesene Anträge in Reuten und in der Haindl-straße verwiesen. In einem weiteren Tagesordnungspunkt genehmigte der Rat einstimmig die voraussichtlichen Finanzdefizite der Kindertageseinrichtungen St. Marien, der Kinderkrippen St. Josef und Josefine Siegsdorf sowie des Betriebskindergartens Brückner für das Haushaltsjahr 2026. Die Kindergärten hatten ihren prospektiven Haushalt für 2026 mit dem zu erwartenden Finanzdefizit eingereicht.

Der Haupt- und Finanzausschuss hatte dazu in seiner Sitzung am 23. Oktober die vorgelegten Planungen geprüft und dem Gemeinderat empfohlen, die Übernahme der Finanzdefizite in Aussicht zu stellen. Berücksichtigt sind dabei Tarifsteigerungen um 2,8 Prozent ab dem 1. Februar 2026.

Allgemein begründeten die Einrichtungen die Erhöhung des Defizits auch mit gesteigerten Haus- und Grundstückskosten sowie Personalveränderungen. Im Bereich der staatlichen Förderung nach Bayerischem Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) werden noch positive Veränderungen erwartet, da der Basiswert BayKiBiG im Januar jährlich angepasst wird.

Der Siegsdorfer Gemeinderat genehmigte daraufhin ohne Diskussion die vorgelegten Haushaltspläne und stellte die Übernahme des zu erwartenden Defizits in Aussicht. Franz Krammer

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