Grabenstätt – Die ehrenamtlich betriebene Igelhilfe Grabenstätt im Ortsteil Winkl platzt zu Beginn der kalten Jahreszeit aus allen Nähten. In diversen Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Hauses, ob im Igelzimmer, auf der Toilette oder im Gang, aber auch in der Garage, türmen sich die Schachteln und Kisten, in denen jene stacheligen Vierbeiner ein neues Zuhause gefunden haben, die wegen Krankheiten, Parasitenbefall, Verletzungen oder Untergewicht derzeit nicht ihren üblichen Winterschlaf antreten können. Fast rund um die Uhr werden die Tiere von den „Igel-Mamas“ Elisabeth Hüller und Monika Freimuth behandelt und mit gesundem und nahrhaftem Futter wie Mehlwürmern und Ei versorgt.
Hüller meint, dass die im Spätsommer auf die Welt gekommenen Igel früher einfach schneller an Gewicht zugelegt hätten, während sie gerade einen „neuen“, nur 350 Gramm schweren Igel mit unzähligen Flöhen und Zecken behandelt. Igel müssten ihr zufolge mindestens 800 Gramm auf die Waage bringen und gesund sein, um sorgenfrei in den Winterschlaf gehen zu können. Hüller und Freimuth sagen, dass es leider kaum noch gesunde Igel gebe, da deren Immunsystem, auch wegen des unzureichenden natürlichen Nahrungsangebots, stark angegriffen sei und sie deshalb kaum körpereigene Abwehrkräfte hätten.
Die Igel hätten aber nicht nur mit Flöhen, Zecken, Milben und Pilzen zu kämpfen, sondern auch mit Innenparasiten wie Würmern. Freimuth meinte, dass die Lungenwürmer lebensbedrohlich seien und man sie trotz intensiver Behandlung oft nie ganz wegbekomme. Auch ein stacheliger „Durchfall-Patient“ macht ihr derzeit Sorgen, denn obwohl er Unmengen frisst, nimmt er leider nicht zu. Alles wird von Hüller und Freimuth tagtäglich fein säuberlich in den Igel-Krankenakten dokumentiert.
Dass das Ganze kostspielig ist, liegt auf der Hand. Hüller sagt, dass ein halbwegs gesunder Igel früher einen Euro pro Tag kostete, er mittlerweile aber mit zwei bis drei Euro zu Buche schlage. Die Kosten für einen Igel, der teure Medikamente oder Antibiotika benötige, seien noch höher, von Tierarztbesuchen ganz zu schweigen. Aus diesem Grunde ist man dringend auf Spenden angewiesen. Wer glaubt, dass es in diesem Sommer in der Igelstation deutlich ruhiger war, der irrt, denn da sind die „Igel-Mamas“ von früh bis Abend mit der Behandlung von verletzten Igeln beschäftigt. Die Verletzungen sind meistens auf Bisse und Rasentrimmer zurückzuführen. Freimuth und Hüller sagen, dass heuer auch die hohe Anzahl von Igeln mit Tumoren auffallend sei. „Das ist für uns schon sehr belastend, denn man spürt ja, dass die Tiere weiterleben möchten“, so Freimuth. Auch wenn man es kaum übers Herz bringe, müsse man diese Tiere in der Regel von einem Tierarzt einschläfern lassen, um sie vom Leid zu erlösen.
Nicht nur die Igelstation in Grabenstätt, sondern auch deren Außenstationen in Bernau und Engelsberg sind aktuell eigentlich schon voll belegt. Doch einen Aufnahmestopp, wie ihn andere Igelhilfen zu verhängen, gibt es nicht. „Wir können die Leute mit ihren verletzten, kranken oder unterernährten Igeln nicht einfach wegschicken“, so Hüller und Freimuth, die auch ambulante Behandlungen durchführen. Gartenbesitzern raten sie, den Igeln auch jetzt im November noch Katzenfutter und Wasser anzubieten, da diese um diese Jahreszeit kaum noch Insekten finden würden.
Wer die ehrenamtliche Igelhilfe Grabenstätt unterstützen will, kann dies am Samstag, 22. November, und Sonntag, 23. November, an deren Stand beim Adventsmarkt des Gnadenhofs Chiemgau in Sondermoning als freiwilliger Helfer für das Igel-Team tun. Interessierte können auch eine Igel-Patenschaft übernehmen. mmü