Bernau – „Die Kosten haben mich vom Hocker gehauen“, bekannte Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Seit Langem beschäftigt sich das Gremium mit dem Bahnhofsumfeld und der anstehenden Streckensanierung. Ein im Gremium und von Bürgerseite vielfach geäußerter Wunsch war unter anderem ein Fahrkartenautomat auf der Bahnsteigseite Richtung München.
Verlagerung
ins Digitale
Einen weiteren Fahrkartenautomaten brauche es nicht, so die Regiobahn in ihrer Rückmeldung, denn die BRB trage mit dem vorhandenen Automaten den vertraglichen und wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung. Seit der Einführung des Deutschland-Tickets im Mai 2023 und der MVV-Verbunderweiterung zum Januar 2024 sei der Umsatz am bestehenden Automaten um gut 50 Prozent zurückgegangen, ein Phänomen, das laut BRB an vielen Standorten zu beobachten sei.
Zudem gebe es „eine grundsätzliche Verlagerung weg vom konventionellen Vertrieb (Verkaufsstelle, Automat) zu digitalen Vertriebskanälen (App, digitales Deutschland-Ticket). Aus Sicht der BRB ist der aktuell in Bernau verfügbare Automat ausreichend und verfügt zudem noch über genügend Potenzial, was zusätzliche Verkäufe betrifft. Auch bestehe sowohl mit dem Verkehrsvertrag „E-Netz Rosenheim“ mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft als auch mit dem neuen Verkehrsvertrag „Rosenheimer Kreuz“ mit Beginn Dezember 2029 die Aufgabe, einen Fahrkartenautomaten vorzuhalten. Sollte die Gemeinde aber dennoch einen weiteren Automaten wünschen, dann komme man diesem Wunsch entgegen.
Auch die Kosten wurden erwähnt. Ein neuer Automat ab voraussichtlich Herbst 2029 inklusive Beschaffung und Aufstellung kommt auf rund 40.000 Euro. Ein bereits vorhandener im Übergangszeitraum ab Ende der Umbauarbeiten, also von 2027 bis 2029, kostet inklusive Bereitstellung und Aufstellung rund 10.000 Euro. Dazu kommen jährlich 3.500 Euro an Kosten für den laufenden Betrieb des Automaten wie Strom, Mobilfunkanbindung, Kartenzahlung, Bargeldlogistik, Fahrscheinpapier, Instandhaltung, Reinigung und Softwarewartung.
Franz Praßberger (FW/ÜWG) merkte an, dass er immer wieder Kritik zu hören bekomme, dass Bahnkunden beim Fahrkartenkauf je nach Sonnenstand geblendet werden. Er schlug deshalb vor, den Automaten besser zu positionieren. Sascha Klein (WMG) meldete, dass er gehört habe, dass oftmals innerhalb der Familie die Fahrkarten gekauft würden, eben weil man mit dem vorhandenen Automaten nicht zurechtkomme. Martin Pollinger (SPD) sagte, dass die BRB gewinnorientiert sei. Einen zweiten Automaten anzuschaffen, sei sehr teuer. Von daher befürworte auch er den Vorschlag, den vorhandenen zu modernisieren und/oder zu überdachen.
Josef Genghammer (Grüne) erklärte: „Der Bahnverkehr ist die Zukunft“, aber dafür müsse der Automat funktionieren. Die Bahn müsse genügend Dienstleistung zur Verfügung stellen. Katrin Hofherr (SPD) stellte die Frage: „Warum müssen wir als Gemeinde das Fahrkartenpapier zahlen?“ Jakob Müller (CSU) schlug vor, im Rahmen der Sanierung der Bahnstrecke Leerrohre einzuziehen, um gegebenenfalls aufrüsten zu können.
Votum für eine
Modernisierung
Bürgermeisterin Biebl-Daiber beendete die Debatte. Für den positiv formulierten Beschlussvorschlag, einen weiteren Fahrkartenautomaten aufzustellen, fand sich keine Stimme im Gremium. Er wurde mit 0:17 abgelehnt. Dem zweiten Beschlussvorschlag, den vorhandenen Fahrkartenautomaten zu erhalten und zu modernisieren und die Verlegung von Leerrohren im Rahmen der Bahnsanierung zu berücksichtigen, hingegen erteilten die Gemeinderäte mit 17:0 grünes Licht.