Grassau – Wie schwierig sich die Suche nach einer neuen Vorstandschaft gestaltete, berichtete die ehemalige Vorsitzende Susi Speckbacher in der Jahresversammlung des Frauen- und Müttervereins im kleinen, sehr gut besuchten Heftersaal. Sie und auch die anderen Vorstandsmitglieder wollten nicht erneut antreten. „Bei uns ist nach über 22 Jahren einfach die Luft raus“, sagte sie. Gerade einmal eine Woche vor der Auflösung des Vereins mit fast 300 Mitgliedern kam dann die Wende. Zwei junge Grassauerinnen, Vanessa-Vivien Eder und Lilian Pavlak, stellen sich der Herausforderung und der neuen Aufgabe als Vorstandsvorsitzende. Sie wurden einstimmig gewählt.
Viel wird im Frauen-
und Mütterverein geboten
Zunächst informierten die Abteilungsleiterinnen über das Angebot. Rosi Noichl berichtete von den wöchentlichen Nordic-Walking-Touren, an denen im Durchschnitt 15 Frauen teilnehmen. „Wir gehen Winter wie Sommer und es macht uns großen Spaß“, beschrieb sie die eineinhalbstündigen Touren. Im kommenden Jahr feiert die Abteilung ihr 20-jähriges Bestehen.
Ähnlich viel Freude an der Bewegung haben auch die Line-Dancer, die von Sonja Kunert geleitet werden. Auch diese über 15 Leute starke Gruppe trifft sich wöchentlich. „Tanzen ist ein gutes Gehirntraining“, wusste Sonja Kunert.
Die Geburtstagsgratulationen waren Aufgabe der Zweiten Vorsitzenden Regina Petermüller. Sie besuchte 23 Mitglieder zu runden Geburtstagen. Die Wanderfrauen, immer zwischen 15 und 20 Wanderinnen, sind einmal monatlich mit Kathi Huber, die sich stets neue Wege überlegt, unterwegs. Weit über 30 Jahre besteht die Gruppe.
Letztlich berichtete Karin Jany über die erfolgreichen Kinderkleidermärkte, die einen Erlös von 1300 Euro erzielten. Der Erlös sowie auch die Erlöse aus den anderen Kinderkleidermärkten wurden gespendet.
Schließlich informierte die Vorsitzende Susi Speckbacher über die Aktivitäten des gesamten Vereins, darunter die Kosovo-Sammlung und den Weihnachtsausflug zum Tegernsee. Auch bei der 900-Jahr-Feier der Gemeinde beteiligte sich der Verein mit einem Retro-Stand und bot Toast Hawaii an. Die Maiandacht wurde abgehalten und das Kräuterbuschenbinden durchgeführt.
Parallel lief die lange und vergebliche Suche nach einem neuen Vorstand, so Susi Speckbacher. „Wir alle hatten ein schlechtes Gewissen, aber nach so langer Zeit muss einfach einmal Schluss ein“, sagte sie. Sie erinnerte an Gespräche mit dem Bürgermeister, der vermitteln sollte, ebenfalls ohne Erfolg. „Wichtig war uns immer ein Generationswechsel“, sagte sie. Der Verein brauche neuen Schwung und neue Ideen. Dann kam die Nachricht, dass die 23-jährige Vanessa Eder übernehmen wolle. Doch allein lässt sich kein Verein führen, und so trafen sich die Vorsitzenden mit der jungen Frau, die bereits weitere Kolleginnen im Boot hatte, zum Gedankenaustausch. In nur wenigen Tagen gelang es, eine komplett neue Vorstandschaft zu präsentieren. „Und nun können wir eine neue Vorstandschaft wählen und müssen den Verein nicht auflösen“, sagte sie erleichtert. Vor der Wahl legte Marina Pfaffinger noch ihren letzten Kassenbericht vor und die Vorstandschaft konnte entlastet werden.
Ehrenvorsitzende Kathi Huber nutzte die Gelegenheit, die lange Geschichte und Tradition des Vereins, der bereits über 100 Jahre alt ist, in Erinnerung zu rufen. 1982 wurde sie von Pfarrer Paul Voggenauer gebeten, den Verein wieder zu beleben, und sie wurde gewählt, übte das Amt 22 Jahre aus und übergab 2004 an Susi Speckbacher.
„Mich freut es, dass es weitergeht“, betonte Bürgermeister Stefan Kattari. Gerade in Zeiten, in denen sich die Gesellschaft ändere, sei der Zusammenhalt wichtig. Hierfür brauche es Strukturen, und diese biete der Verein. „Es war am Ende ein richtiger Krimi mit gutem Ausgang“, so der Rathauschef, der die Wahl übernahm. Vorgeschlagen wurde zur Vorsitzenden die 23-jährige Informatikstudentin Vanessa Eder. Sie betonte in ihrer Antrittsrede, dass sie bestehende Strukturen erhalten wolle, den Verein aber vor allem für jüngere Mitglieder gemeinsam mit dem Team öffnen und attraktiv gestalten wollte. Vorstellungen, wie dies mit weiteren Angeboten möglich sein kann, bestehen bereits. Sie freue sich auf die Aufgabe, dankte für die tolle Chance und das Vertrauen. Einstimmig wurde sie gewählt. Als Zweite Vorsitzende wurde die 22-jährige Lehramtsstudentin Lilian Pavlak vorgeschlagen. Vereine tragen erheblich zum gesellschaftlichen Leben in einer Gemeinde bei und so freue sie sich auf schöne Veranstaltungen, die gemeinsam geplant und durchgeführt werden können, sagte sie. Für das Amt der Schriftführerin wurde einstimmig Ersin Cetinbas gewählt. Ein ebenfalls einstimmiges Votum erhielt als Kassenführerin die 35-jährige Kathi Schatz. Die junge Mutter kennt den Verein aus frühester Kindheit und freut sich ebenfalls im Team mitzumachen.
In den Beirat gewählt wurde Sue Benedict für den Bereich Kinderkleidermarkt. Sie kennt sich bereits aus und kann auf ihr Team zählen. Neu im Beirat ist die 27-jährige Juristin Alicia Martinez Garcia, zuständig für rechtliche Fragen. Weiter im Beirat vertreten sind: Rosi Noichl (Nordic Walking), Sonja Kunert (Line-Dancer), Kathi Huber (Wanderfrauen) und Tamara Eder (Pressewart). Damit ist die Vorstandschaft komplett.
Neue Ideen
werden gesammelt
Mit einem Schnaps, angeboten von Bürgermeister Kattari, wurde der Fortbestand des Vereins gefeiert. Er sicherte zudem die Unterstützung der Gemeinde zu. In den nächsten Monaten sollen der Verein modernisiert, die Homepage erneuert und Ideen gesammelt werden. Von Workshops bis zu Flohmärkten, Ausflugfahrten und Festen ist alles möglich. Wer Ideen hat, kann sich gerne an die Vorsitzenden wenden. Im Frühjahr soll eine weitere Versammlung einberufen werden, in der dann die Ideen vorgestellt werden.
Irmgard Nagele verwies abschließend auf die Kosovo-Sammlung, die mittlerweile 34. Weihnachtshilfsaktion „Albanien-Kosovo-Bosnien-Ukraine“. Gesammelt wird am Samstag, 29. November, von 9 bis 11 Uhr im Pfarrheim Grassau. Es wird gebeten, die Spenden in Bananenschachteln abzugeben. Besonders gefragt sind Teppiche, da in armen dörflichen Gebieten die Menschen auf dem Lehmboden schlafen und eine wärmende Unterlage gut wäre.