Riskanter Weg zur Grundschule

von Redaktion

Eltern kritisieren Situation als „untragbar“ und fordern Verkehrsberuhigung

Prien – Als Lukas und Leni von den Einfahrten ihres Zuhauses in die Hochfelln-straße einbiegen, staunen beide nicht schlecht: Der Himmel brennt, würde Wolfgang Petry sagen – in leuchtendem Orange schimmert der Morgenhimmel über Prien. Heute ein positives Staunen bei den beiden. Denn für den Erstklässler und die Viertklässlerin lauert die erste Gefahr auf dem morgendlichen Weg in die Franziska-Hager-Grundschule schon beim Betreten der Straße. In der Hochfellnstraße gibt es keinen Gehweg – aber Autos dürfen mit 50 Kilometern pro Stunde durch die Einbahnstraße fahren.

Für Lukas ist der Weg noch recht neu, erst seit September macht er sich auf den Trip in die Schule. Zunächst begleitet von Vater oder Mutter, nicht weil Lukas das wollte, sondern weil seine Eltern den rund einen Kilometer langen Weg schlicht für zu gefährlich halten.

Vielbefahrene
Straße überwinden

Das liegt hauptsächlich an einer Stelle, später dazu mehr. Da Nachbarin Leni den Weg schon länger bestreitet und gerne mit dem City-Roller fährt anstatt zu laufen, hat sich Lukas das schnell abgeschaut und seine Eltern überzeugt, mit ihr zu fahren. Ohne Gehweg in der Hochfellnstraße fahren die beiden auf der Straße, Autos würden ihnen Richtung Hochriesstraße entgegenkommen.

Auf der Hochriesstraße – zwischen 6 und 20 Uhr an dieser Stelle auf 30 Kilometer pro Stunde beschränkt – fahren die beiden Grundschulkinder zunächst auf der linken Seite auf dem Gehsteig. Um zur Schule zu kommen, müssen sie aber die morgens viel befahrene Straße queren. Einen Zebrastreifen oder eine andere Überquerungshilfe gibt es Richtung Ortsmitte aber erst wieder auf Höhe des Postwegs vor der Miedl-Filiale am Bahnhof.

In die andere Richtung gibt es bei der Unterführung/Höhe Spitzsteinstraße einen Zebrastreifen. Lukas und Leni fahren so weit wie möglich auf der linken Seite Richtung Bahnhof, wollen schon vor der Hochplattenstraße auf die andere Seite, um dann über die Parkplätze hinter dem Sparkassengebäude weiterfahren zu können.

Das Gefährliche an der Querung, und warum Lukas’ Eltern ihn in seinen ersten Schulwochen zumindest bis hierher begleiteten, sind die parkenden Autos. Diese sind in den vergangenen Jahren wegen SUV und Co. immer höher geworden. Keine Chance für Kinder, über diese hinwegzusehen. Dazu kommt, dass die Straße in Richtung Zentrum einen leichten Linksknick hat. Das erschwert es für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, „um Autos herumzuschauen“. Die beiden Roller-Kids wissen um die gefährliche Stelle, bisher sei es aber zu keinen Vorfällen gekommen.

Das ändert sich an diesem Tag: Sie wollen gerade über die Bordsteinkante auf die Straße gehen, werden aber im letzten Moment gewarnt – ein leises E-Auto rauscht kurz darauf vor ihrer Nase vorbei. Danach ist die Straße frei, ohne Sorgen geht es über den ruhigen Parkplatz Richtung Bahnhof. Hier mischt sich das Duo unter viele Bahnreisende, die meisten davon Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Schule. Manchmal nehme er den Aufzug, verrät Lukas, heute sei es aber zu voll. Also tragen die beiden ihre Roller die Treppen runter.

Auf der anderen Seite besteht die Option eines Aufzugs nicht, also wieder hoch die Treppen – mitsamt Roller. Danach nur noch fix über die Gleise der Chiemsee-Bahn und vor der Schule über die Ampel. Geschafft, ab in den Schulalltag.

Einen Tag früher beginnt der Tag ähnlich idyllisch oben im Priener Ortsteil Ernsdorf. Lucia und ihre Mutter Leonie von Bomhard satteln ihre Räder und machen sich auf den Weg in die Schule. Lucia fährt mit ihrem neuen Rad auf dem Gehweg, ihre Mutter im Lastenrad daneben – vorn in der Ladefläche des Lastenrads sitzt Lucias Bruder, der nach dem Schulstopp in den Kindergarten gebracht wird.

Die Drittklässlerin fährt bedacht und umsichtig den Berg hinunter. Zweimal gibt es auf dem Gehweg Hindernisse durch andere, die in die entgegengesetzte Richtung wollen. Auf der anderen Straßenseite ist nämlich kein Fußweg. Kurz vor der Schule dann die Schlüsselstelle auf dem Weg von Lucia: Die Vorfahrtstraße, der Ernsdorfer und später Jensenstraße, endet an der Kreuzung Franziska-Hager-Straße/Jensenstraße, direkt am Verkehrsübungsplatz und dem Busparkplatz.

Dafür ist ab dort Tempo 30, von rechts haben die Verkehrsteilnehmer aber hier Vorfahrt. Gitterketten verhindern, dass vom Fußweg direkt an der Kreuzungsmitte die Straße betreten werden kann. An diesem Tag kommen Lucia und ihre Mutter ohne Probleme über die Kreuzung und sind nur wenige Meter später an den Radstellplätzen vor der Schule. „Es ist schon jeden Morgen eine gewisse Anspannung. Noch schwieriger ist der Rückweg, wenn es nur auf der linken Seite einen Gehweg gibt“, sagt Lucias Mutter vor der Schule.

Sie ist auch stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende der Franziska-Hager-Grundschule. Gemeinsam teilt der Elternrat der Chiemsee-Zeitung mit: „Die unübersichtliche und zum Teil sehr enge Straßenführung sowie das hohe Verkehrsaufkommen mit zudem zu hohen Geschwindigkeiten bergen derzeit ein großes Unfallrisiko für unsere Kinder.“

Elterntaxi
als Alternative

Auch auf das hohe Gefahrenpotenzial von der Kreuzung Franziska-Hager-Straße/Jensenstraße, die von sehr vielen Kindern auf ihrem Schulweg überquert werden muss, weisen die Eltern hin: „Diese Stelle ist unter anderem durch parkende Fahrzeuge, häufige Missachtung der Vorfahrtsregelung und Unübersichtlichkeit äußerst riskant. Hier kam es auch in der Vergangenheit bereits zu Unfällen mit Schulkindern.“ Der gemeinsame Wunsch der Eltern an die Entscheidungsträger lautet: „Diese derzeitige untragbare Situation jetzt anzugehen und gemeinsam Lösungen zu finden. Eine Verkehrsberuhigung insbesondere zu den Schulzeiten ist dringend notwendig, damit unsere Kinder sicher in die Schule kommen.“

Vor der Schule fällt dann noch etwas anderes auf: Eine große Anzahl von Elterntaxis, von denen viele im Halteverbot stehen.

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