Übersee – Einziger Tagesordnungspunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung war der Antrag des Arbeitskreises (AK) Klimaschutz auf Errichtung eines Trinkwasserbrunnens in der Nähe der Beste Wiese in der Ortsmitte. Wie Bürgermeister Herbert Strauch informierte, begründete der AK seinen Antrag damit, dass die Gemeinde bei hohen Temperaturen für die Möglichkeit einer kostenlosen Trinkstation sorgen sollte. Vor allem ältere Menschen, Kinder, solche mit Vorerkrankungen und Schwangere würden während der heißen Tage leiden. Auch für Touristen sei es ein Mehrwert, wenn sie ihre Trinkflaschen an zentralem Ort mit Trinkwasser auffüllen könnten. Die Verwaltung habe für einen Trinkbrunnen, der den Anforderungen an öffentliche Trinkwasserbrunnen entspricht, Preise von 15.000 Euro ermittelt, berichtete Strauch. Ausgesucht worden sei ein Brunnen aus Edelstahl, der regelmäßig selbst automatisch spült, damit auch bei Regentagen kein Standwasser im Brunnen zurückbleibe. Da noch weitere Kosten für den Anschluss an das öffentliche Netz anfallen, zum Beispiel ein öffentlicher Anschluss in Brunnennähe, Zuleitung zum Wasserzähler, Fundament mit Ablaufgitter sowie Akku oder Netzanschluss für die Intervallspülung könnten insgesamt geschätzte Kosten bis zu 23.000 Euro gerechnet werden. Allerdings gäbe es ein Förderprogramm bis 2028 für Trinkwasserbrunnen, bei dem 90 Prozent der Kosten, maximal 10.000 Euro, gefördert werden, wenn der Brunnen mindestens 12,5 Jahre betrieben werde, so Strauch (Freie Bürgerliste, FBL). Eine genauere Abklärung dieser Fördermittel sei erst möglich, wenn der Gemeinderat grundsätzlich der Errichtung zugestimmt habe. Auflage sei auch eine Informationstafel. Nicht gefördert würden Wartung, Unterhalt und Reparaturen – diese müsste die Gemeinde übernehmen. Er erläuterte, dass bei einem Betrieb des Brunnens von April bis Oktober alle vier Wochen Kosten für die Beprobungen des Wassers anfielen, in etwa 1.300 Euro pro Jahr in 2025. Außerdem kommen wöchentliche Kontrollen auf Verschmutzungen durch den Bauhof hinzu, im Winter für die Abdeckung des Brunnens.
Zweite Bürgermeisterin Margarete Winnichner (Grüne) erläuterte aus Sicht der Klimagruppe, dass die Gemeinde diese Chance mit Fördergeldern unbedingt nutzen sollte. Das Klimaziel von 1,5 Grad Erderwärmung sei bereits überschritten worden und man werde künftig mit noch mehr heißen Tagen rechnen müssen. Ein AK-Mitglied habe errechnet, dass der Brunnen während der Laufzeit jeden Einwohner 0,50 Cent pro Jahr kosten würde. Wunsch der Gemeinde und des Tourismus sei es ja, dass neben dem See und dem Chiemsee-Strand auch die Ortsmitte mehr belebt werden solle. Hier sei das ideale Projekt, dieses Ziel zusammen mit dem bestehenden Bolzplatz, der Boulebahn, dem Bücherschrank und dem Spielplatz weiterzuverfolgen.
In der anschließenden Diskussion lobten Gemeinderäte aller Fraktionen die wertvolle Arbeit des AK Klimaschutz. Dennoch wurde das Projekt von der Mehrheit der Räte kritisch gesehen. Im Ort gebe es andere Möglichkeiten, an Trinkwasser zu kommen, zum Beispiel an Waschbecken, in der öffentlichen Toilette, der nahen Eisdiele und bei Edeka. Die Unterhaltskosten seien nicht zu unterschätzen, und der Bauhof werde mit Aufklebern auf dem Brunnen, Kontrollen, An- und Abdrehen im Frühjahr und Herbst gut beschäftigt sein. Dazu sei die Nutzung nur von einer sehr begrenzten Zahl von Einheimischen und Touristen gegeben. Insgesamt lehnten zwölf Gemeinderäte den Antrag ab, acht, einschließlich des Bürgermeisters, waren dafür. gi