Bernau – Mit großer Mehrheit stimmte der Bernauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung für einen Bauantrag zur Errichtung einer Agri-Photovoltaikanlage. Diese soll im Bernauer Moos neben der A8 Richtung München installiert werden, sagte Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU).
Artenschutz ist
kaum beeinträchtigt
Ob ein solches Vorhaben zulässig ist, sei laut Stellungnahme der „Kumandra Energy GmbH“ vom 9. Oktober diesen Jahres zwar gemäß Art. 57 BayBO nicht verfahrensfrei, aber gemäß § 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB privilegiert zulässig. Dem Antrag habe der Antragsteller, die „Solarenergie Südbayern UG & Co KG“, einen artenschutzrechtlichen Fachbeitrag beigefügt, sagte Biebl-Daiber. Demzufolge seien „die projektbedingten Wirkfaktoren und -prozesse so gering, dass die ökologische Funktion der betroffenen Fortplanungs- und Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang gewahrt wird und eine Verschlechterung der Erhaltungszustände der lokalen Populationen nicht entsteht.“
Geschäftsführer Maximilian Waldert und Projektleiter Stefan Waldenburg gingen näher auf das Vorhaben ein. Zuerst erklärten sie, was überhaupt eine Agri-PV-Anlage ist. Agri-PV sei eine Technologie, die darauf abzielt, landwirtschaftliche Flächen sowohl für die Pflanzenproduktion als auch für die Gewinnung elektrischer Energie zu nutzen. Bei ihrem System werde nichts versiegelt und es brauche kein Fundament, „denn wir rammen nur die Pfosten ein“, so Waldenburg. Die Agri-PV-Anlage soll auf einer 2,3 Hektar großen Fläche neben der Autobahn installiert werden. Die PV-Module werden so aufgestellt, dass eine Bewirtschaftung der Grasflächen weiterhin möglich ist. Die landwirtschaftlichen Maschinen können also durch die Reihen fahren, das Gras mähen und ernten. Mithilfe von sogenannten Trackern wandern die Solar-Panels mit dem Sonnenstand.
Zusätzlich sollen Batterie-Speicherlösungen am Mittag erzeugten Strom speichern und abends ins Netz abgeben können. Waldert fügte hinzu: „Wir werden die Anlage selbst betreiben. Das hat für die Gemeinde und die Bürger von Bernau den Vorteil, dass wir ein langfristiger Partner aus der Region für die Region sind, der selbst Interesse an einer nachhaltigen Symbiose von effizienter Stromproduktion und naturverbundener Landwirtschaft hat, ohne das Landschaftbild von Bernau zu beeinträchtigen.“
Insgesamt ist eine Leistung von etwa zwei Megawatt geplant. Damit könnte man ein Drittel aller Haushalte in Bernau mit regionalem Strom das ganze Jahr mitversorgen. Noch liefen dazu Gespräche mit dem Bayernwerk.
Rathauschefin Biebl-Daiber ergänzte, dass zur kommenden Sitzung auch ein Vertreter des Bayernwerks dazu Stellung nehmen werde. Sie erinnerte auch daran, dass sich das Gremium auf einer Klausurtagung grundsätzlich dafür ausgesprochen habe und wenn eine solche Anlage kommen soll, dann an der A8.
Auf Sascha Kleins (WMG) und Jakob Müllers (CSU) Nachfragen bestätigte Waldert, dass das Vorhaben viel Potenzial biete und dass die Stromversorgung unter der Regie Bayernwerke und deren Tochterfirma erfolgen soll.
Peter Pertl (CSU) erkundigte sich, ob es schon Langzeiterfahrungen mit einer solchen Agri-PV-Anlage gebe. Das Verfahren sei relativ neu, sagte Waldenburg. Die geplante Fläche sei Grünland, eine Bewirtschaftung sei relativ unproblematisch: „Die Paneele kann man senkrecht stellen.“ Mäharbeiten seien also möglich.
Sitzung mit dem
Bayernwerk geplant
Ulla Zeitlmann (Grüne) erkundigte sich bezüglich finanzieller Auswirkungen. Die Gemeinde bekomme auch etwas vom Kuchen ab, so Bürgermeisterin Biebl-Daiber. Sie verwies noch einmal auf die kommende Sitzung mit einem Vertreter der Bayernwerke.
Nachdem keine weiteren Wortmeldungen kamen, stellte Bürgermeisterin Biebl-Daiber den Beschlussvorschlag, dem Vorhaben das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen, zur Abstimmung. Der Beschluss wurde mit 13:4 angenommen.