Bringdienst mit Risiken

von Redaktion

Elterntaxis an Priener Hager-Schule schaffen Gefahrenlage

Prien – Vor dem Eingang zur Franziska-Hager-Grund- und Mittelschule ist zwischen Straße und Vorhof ein parkplatzbreiter Streifen. Allerdings mit einer deutlichen weißen Zickzack-Linie versehen – Halteverbot. Zwischen der Ampel Richtung Seestraße/Discounter und dem Halteverbotsstreifen ist Platz für ein, vielleicht auch zwei kleine Autos. Ausgeschriebene Parkplätze sind dagegen Richtung Gleise Chiemseebahn um die 20 bis 30. Der nächste größere Parkplatz ist an der Kreuzung Jensenstraße/Franziska-Hager-Straße. Fußweg zum Eingangsbereich der Schulen: 140 Meter laut Navigationssystem.

Es dauert nicht lange, bis vor Schulbeginn auf den weißen Streifen die ersten Autos halten. Für die meisten wirkt der Stopp im Halteverbot routiniert. Manche Kinder springen aus dem Auto, schnappen sich ihre Tasche und gehen in die Schule, ohne dass ein Elternteil das Auto verlässt. Andere Eltern steigen mit aus, helfen teilweise den Kindern, den Rucksack aufzusetzen. Wieder andere bleiben so lange im Halteverbot stehen, bis ihre Kinder die 30 Meter über den Hof zum Eingang der Schule überquert haben und die Tür hinter ihnen schließt.

Ausreden der Eltern
und freche Gegenfrage

Damit konfrontiert, ob sie denn wüssten, dass sie hier im Halteverbot stehen, bejahen alle befragten Eltern. „Ist ja nur kurz“, es gebe keine anderen Parkplätze oder „ich habe keine Zeit“, sind die beliebtesten Antworten über die Ordnungswidrigkeit, die ein Bußgeld von knapp 50 Euro oder sogar mehr nach sich zieht. Denn Autos, die dort stehen, versperren auch die Feuerwehrzufahrt. Die Zusatzfrage, warum die Eltern andere Kinder durch ihren Haltevorgang möglicherweise gefährden könnten, wird ignoriert oder mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen. Ein Vater, der zwei Tage in Folge das Halteverbot ignoriert, stellt die Gegenfrage: „Habt ihr nichts Besseres zu tun?“. Die Gefahr für Kinder auf dem Schulweg ist also erst auf dem Schulhof gebannt.

Das Thema ist nichts Neues für Grundschulleiterin Claudia Decker: „Tatsächlich bereitet auch uns die Verkehrssituation vor unserer Schule ständige Sorge, was wir auch der Gemeinde gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Ferner war es schon mehrfach Thema der Lehrerkonferenz und Gegenstand bei Elternbeiratssitzungen.“ Treffen mit dem Ordnungsamt, Vertretern der Feuerwehr, des Bauhofs, der Schulleitung und Sicherheitsbeauftragten der Schule, den Hausmeistern und Elternvertretern habe es im vergangenen Schuljahr gegeben. Erreicht wurde, dass die Zufahrt zum Pausenhof durch eine Absperrung durch Poller eingeschränkt wurde und während der Pause keine Fahrzeuge auf dem Hof erlaubt sind. Keine Änderung gab es zum Parken auf dem nicht zum Parken gedachten Seitenstreifen. Der Bereich solle aber vermehrt durch eine Polizeistreife überprüft werden, erklärte Decker.

„Der Vorschlag, eine „Kiss-and-Drive“-Zone als Einbahnstraße in der gegenüberliegenden Ringstraße auszuschreiben und für die Ampel Eltern als morgendliche Schülerlotsen zu gewinnen, konnte noch nicht genügend Befürworter finden“, so Decker weiter, verkehrstechnisch sei die Idee „als nicht durchführbar und wenig zweckmäßig eingestuft“ worden. Die Schulleiterin habe im ersten Elternbrief des Schuljahres auf diese Verkehrssituation hingewiesen und die Eltern um dringende Rücksichtnahme gebeten. „Es sind aber doch einige Eltern so in Sorge um ihr Kind, dass sie lieber im Halteverbot stehen und ihr Kind direkt vor der Schule aussteigen lassen, auch wenn sie dadurch selbst wieder zum Risiko für andere werden.“

Dabei ist die Situation in Prien keine Seltenheit in Deutschland, wie eine Studie des Auto-Club Europa (ACE) aus dem Herbst feststellt: In 41 Prozent der unter die Lupe genommenen Elterntaxis gab es Verstöße gegen die Verkehrsregeln. Das Parken im Halteverbot betraf jedes fünfte Elterntaxi. „Noch immer starten viele Kinder ihren Tag in einem Umfeld, das für sie schlicht zu gefährlich ist“, wird der Vorsitzende Sven-Peter Rudolph zitiert.

Wie sieht die Priener Verwaltung die Situation? „Es kommt immer wieder punktuell zu Kontrollaktionen, sei es vom Zweckverband oder der Polizei“, erklärt Donat Steindlmüller von der Hauptverwaltung der Marktgemeinde und fügt hinzu: „Wir können aber nicht jeden Tag jemanden hinstellen.“ Klingt nach Resignation. „Wenn wir die finanziellen Mittel hätten, würden wir jeden Tag jemanden hinstellen. Aber teilweise resigniert man natürlich vom Fehlverhalten unserer Gesellschaft“, gibt der Geschäftsführer zu. „Was dagegen zu tun, scheint dann oft unverhältnismäßig. Unsere ganzen Vorschriften entstehen doch nur aufgrund des Verhaltens unserer Bürger.“

Wie oft die Polizei an der Franziska-Hager-Schule kontrolliert, kann der auf der Priener Wache für den Verkehrsbereich zuständige Beamte nicht sagen. Der stellvertretende Dienststellenleiter Sebastian Wegscheider sagt der Chiemsee-Zeitung: „Die Elterntaxis sind ein immer wiederkehrendes Thema, das uns Probleme bereitet.“ Die Franziska-Hager-Schule sei dabei nicht die einzige Schule, Aus Polizeisicht sei der Schulweg am besten mit dem öffentlichen Verkehr zu bewältigen, „letzten Endes ist es natürlich den Eltern überlassen, wie sie ihre Kinder zur Schule bringen“, so Wegscheider.

Immer wieder
Infoveranstaltungen

Es gibt eine Infoveranstaltung der Priener Polizei für die neuen Eltern der Erstklässler zum Thema Schulwegsicherheit. Darin wird auf die vielen Gefahren auf dem Schulweg hingewiesen. „Die letzte Vorbereitung für den Schulweg liegt bei den Eltern. Die Gemeinde und die Polizei können Gefahren minimieren, erörtern und vielleicht auch entschärfen, gegebenenfalls auch überwachen“, so Wegscheider. Es sei aber nicht möglich, dass keinerlei Gefahrenquellen vorhanden sind.

Weitere Berichte zum Themenschwerpunkt „Leben und Lernen“ finden Sie unter ovb-online.de.

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