Der tägliche Wahnsinn vor der Franziska-Hager-Schule schockiert in vielerlei Hinsicht: Da wären zum einen die Eltern, die ihren Kindern einfachste Aufgaben, wie den Rucksack aufsetzen, abnehmen. Zum anderen die Masse an Autos, die routiniert im Halteverbot vor dem Schulhof ihre Kinder absetzt, damit diese keinen Schritt zu viel am Morgen machen müssen. Und als Gipfel die Gleichgültigkeit, mit der viele Eltern meinen, ihren Kindern etwas Gutes zu tun, aber andere Kinder damit gefährden. Das zeigten zumindest einige Reaktionen der Elterntaxler, angesprochen auf ihr Fehlverhalten.
An Regeln halten? Ja, aber ist doch jetzt hier nicht ganz so schlimm. Sind sich die Eltern bewusst, welche fatale Rolle sie als Vorbild ihrer Kinder einnehmen? Schulleiterin Claudia Decker ist das Problem bekannt, sie bittet die Eltern regelmäßig um Rücksicht, schlägt Alternativen wie andere Parkplätze oder die Begleitung vom Parkplatz zum Eingang zu Fuß in Elternbriefen vor. Erste wichtige Schritte, aber das wird kaum reichen. Vor allem nicht, wenn sich Gemeindeverwaltung und Polizei teilweise machtlos zeigen.
Es müssen größere, komplexere Lösungen her
Nur Kontrolle und Appell werden nicht reichen, es müssen größere Lösungen her. Dabei sollte vor keinen komplexeren Möglichkeiten zurückgeschreckt werden. Die Verkehrsführung vor der Schule besteht schon mehrere Jahrzehnte, das Verhalten der Eltern und auch die Größe der Autos haben sich aber geändert. Dass es größere Lösungen geben kann, beweisen eine Stadt und eine Schule im baden-württembergischen Ludwigsburg: Seit diesem Schuljahr gilt ein striktes Durchfahrtsverbot für Autos von 7 bis 15.30 Uhr in der Straße direkt vor der Schule.
Das löst nicht alle Probleme und ist nicht eins zu eins auf Prien übertragbar. Aber es ist konsequent und ein entscheidender Schritt, der zeigt: Wir wollen die Sicherheit der Kinder erhöhen. Mit dem Auto direkt vor die Schule zu fahren, muss lästig und unbequem für Eltern werden – oder unter besseren Rahmenbedingungen geordneter ablaufen. Die von Schulleitung und Eltern vorgeschlagene „Kiss-and-Drive“-Zone wäre ein Umdenken. Nur so wird nachhaltig eine Verhaltens- und Bewusstseinsänderung ablaufen können. Dieser Wille für eine umfassendere Lösung des Problems ist in Prien zumindest bei der Polizei und Verwaltung nicht vollends erkennbar. Im Sinne der Kinder wäre er aber nötig.