Spatenstich für die Ortsumfahrung Prutdorf

von Redaktion

Historischer Moment: 50 Jahre wurde an der 1,2-Kilometer-Strecke geplant

Prien – Ein Bagger ist schon angerückt, die ersten Quadratmeter Wiese sind beiseite geschoben: Die Ortsumfahrung Prutdorf wird umgesetzt. Es war eine kleine Runde bei ungemütlichem Wetter zwischen den Priener Ortsteilen Bachham und Prutdorf, die der Einladung der Marktgemeinde zum Spatenstich folgte. Dafür waren es ziemlich viele Spaten – 14 an der Zahl. Gemeindevertreter wie Priens Bürgermeister Andreas Friedrich und dessen Stellvertreter Michael Anner waren anwesend, das staatliche Bauamt Rosenheim mit Leiter Dr. Hermann Streicher, Menschen aus dem Planungsbüro, der Baufirma und der ehemalige Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner.

Kosten liegen bei
2,7 Millionen Euro

Bei der Begrüßung sagte Bürgermeister Friedrich, Stöttner sei es gewesen, der das Projekt der Ortsumfahrung Prutdorf lange begleitet habe. Schon bei der Bürgerversammlung Mitte November teilte der Rathauschef mit, dass die Arbeiten vergeben seien, worauf es viel Applaus gab. 50 Jahre gebe es die Überlegungen der Ortsumfahrung des Ortsteils Prutdorf schon. Mit Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger wurden die Überlegungen konkreter, Friedrich inzwischen der vierte Ortschef. „Das liegt aber nicht an dem Elan meiner Vorgänger“, stellte Friedrich beim Spatenstich klar, genauso wenig am Freistaat Bayern, eine Umfahrung sei einfach schwierig in der Planung.

1,2 Kilometer wird die Umfahrung von Prutdorf lang werden. Von Bachham kommend, wird es kurz nach dem Abzweig Mühltal/Duft, etwa 150 Meter vor dem Prutdorfer Ortsschild, links um das Dorf mit rund 250 Haushalten herumgehen. Auf Höhe der Christkönigskirche Wildenwart und des neuen Kindergartens führt die Ortsumfahrung vor dem Kreisverkehr wieder auf die Staatsstraße 2093. Kosten wird es die Gemeinde Prien rund 2,7 Millionen Euro netto. Plus Grundstückskäufe. Mit insgesamt acht Eigentümern musste sich der Markt Prien einigen. Vor zwei Wochen fehlten laut Friedrich noch drei Unterschriften, auch zum Baubeginn sei noch nicht alles unter Dach und Fach, aber er sei sehr optimistisch.

Ausschlaggebend für die guten Gespräche mit den Eigentümern der Flurflächen seien Begegnungen auf Augenhöhe und sachliche Kommunikation gewesen, wie ihm von der gegenüberliegenden Verhandlungsseite auch rückgemeldet wurde. Dass trotz unvollständiger Unterschriftenmappe die Bauphase eingeläutet wurde, liege am Planfeststellungsbeschluss, der Baurecht verschaffe. „Das ist quasi unsere Rückfallebene“, erklärt Friedrich. Schon Ende nächsten Jahres soll die Umgehungsstraße fertig sein – wenn nichts Gravierendes dazwischen komme.

Ein Beispiel, worauf bei dieser Baustelle alles geachtet werden muss: Der Aushub beziehungsweise die Abtragung der Erde und Wiese müsse exakt auf die Fläche der Eigentümer abgelagert werden, von denen die Erde auch komme. „Da darf nichts vermischt werden. Wenn da jetzt ein Biolandwirt dabei ist, dann darf der nichts von seinem Nachbar bekommen, der kein Biolandwirt ist“, erklärt Friedrich. Wetter und Witterung, gerade jetzt im Winter mit viel Niederschlag, seien weitere Herausforderungen. „Ich bin sehr erleichtert, dass es jetzt endlich losgeht“, freut sich der 37-Jährige.

Hermann Streicher, Baudirektor und Bereichsleiter Straßenbau beim staatlichen Bauamt Rosenheim, erklärt vor Ort der Chiemgau-Zeitung, welche allgemeinen Herausforderungen ein Ortsumfahrung mit sich bringe: „Wir müssen eine Trasse finden, die mit Natur- und Umweltschutz und den Anwohnern übereinkommt. Das ganze Baurecht muss geschaffen werden, es ist eine große Gemengelage, die einige Jahre dauert, damit wie jetzt heute der Spatenstich gefeiert werden kann.“ Das Besondere an der Ortsumfahrung Prutdorf sei, dass eine Sonderbaulastvereinbarung geschlossen wurde. Es sei zwar eine Staatsstraße, aber durch die Sonderbaulast führt die Gemeinde Planung und Bau durch. Dafür bekomme sie Förderungen, muss aber noch einen Eigenanteil stemmen.

Dass es zu dieser Maßnahme kam, lag auch an Klaus Stöttner, der bis 2023 20 Jahre im bayerischen Landtag saß. „Damals war die Umfahrung in der zweiten Dringlichkeit. Das heißt, es wäre erst Richtung 2028 geplant gewesen“, so Stöttner beim Spatenstich, der sich sehr über die Einladung Friedrichs freute. Der Haushalt sei damals für zwanzig Jahre ausgeschöpft gewesen, was danach passiert wäre, völlig offen. „Die Sonderbaulast habe ich beim Staat durchgesetzt und diese wurde dann auch genehmigt“, sagt der ehemalige Landtagsabgeordnete. Jeder Bürgermeister seit 2008 habe sich die Umsetzung auf die Fahne geschrieben, Petitionen und Beschwerden hätten das Projekt immer wieder verzögert. Der Planfeststellungsbeschluss sei dann noch bei Gericht durchgegangen, aber da war Stöttner schon nicht mehr im Landtag.

Petitionen und
Beschwerden

Die Ortsumfahrung um Prutdorf ist nur der erste Bauabschnitt. Im ersten Abschnitt stehe die Entlastung der Anwohner im Vordergrund, durch Prutdorf gehe an der viel befahrenen Staatsstraße kein durchgängiger Gehweg, „die Straße liegt sehr nah an den Häusern“, so Friedrich. Während Teil zwei sollen Geh- und Radwege von Bachham kommend angegangen werden, „eine ganz wichtige Verbesserung für alle Verkehrsteilnehmer.“ Dafür sollen bereits im kommenden Januar die Ausschreibung und dann gleich anschließend eine zügige Vergabe erfolgen.

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