Kanal und Wasser werden teurer

von Redaktion

Unterwössen beschließt Gebührenerhöhungen – Hohe Investitionskosten müssen ausgeglichen werden

Unterwössen – Ab dem 1. Januar müssen die Bürger in Unterwössen tiefer in die Tasche greifen: Der Gemeinderat hat in der jüngsten Sitzung unter Leitung von Zweitem Bürgermeister Johannes Weber Erhöhungen sowohl bei den Abwasser- als auch bei den Trinkwassergebühren beschlossen.

Letzte Anpassung
liegt vier Jahre zurück

Die Abwassergebühren erhöhen sich zum Jahreswechsel von derzeit 2,52 Euro auf 2,85 Euro pro Kubikmeter bei Anschluss an reine Schmutzwasserkanäle (Trennsystem), stellte Verwaltungsleiter Thomas Müllinger vor. Für Haushalte mit Mischsystem, bei dem Schmutz- und Regenwasser gemeinsam abgeleitet werden, steigt der Preis von 2,60 Euro auf 2,96 Euro pro Kubikmeter. Die letzte Anpassung lag bereits vier Jahre zurück – damals, im Jahr 2022, waren die Gebühren von 1,72 Euro auf 2,52 Euro gestiegen.

Die nun beschlossene Kalkulation gilt für einen Zeitraum von vier Jahren bis 2029 und basiert auf einem Gutachten des unabhängigen Volkswirts und Steuerberaters Alfred Plank aus Pfarrkirchen, der die Gemeinde seit 2005 in Gebührenfragen berät.

Ein Blick in die Gebührenkalkulation zeigt: Die Erhöhung ist nicht nur steigenden Kosten geschuldet. Zwischen 2021 und 2025 entstanden Fehlbeträge von insgesamt rund 228.000 Euro, weil die Gebühren die tatsächlichen Kosten nicht deckten. Die Bürger haben in den vergangenen Jahren faktisch zu wenig bezahlt. Nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Kostendeckungsprinzip müssen diese Unterdeckungen nun ausgeglichen werden – fair verteilt auf die nächsten vier Jahre mit jeweils etwa 57.000 Euro pro Jahr.

Hintergrund der Erhöhung sind die steigenden Kosten für Unterhalt und Sanierung des Kanalnetzes. Für die kommenden Jahre sind umfangreiche Sanierungsarbeiten eingeplant, darunter Kamerabefahrungen zur Zustandserfassung sowie anschließende Inliner-Sanierungen und Schachtreparaturen. Gemeinderätin Claudia Schweinöster (FDP/UWW) selbstkritisch: „Man hat das in den vergangenen Jahren vielleicht ein bisschen zu locker genommen.“

„Der Erhalt eines unsichtbaren, aber sehr wichtigen Kanalnetzes im Untergrund ist natürlich ganz wichtig“, betonten die Gemeinderäte mehrfach. Die Erhöhung um 33 Cent pro Kubikmeter sei „absolut moderat“, so zum Beispiel Walter Bauer (OWG). Auch die Inflation spiele eine Rolle: Die Personalkosten nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst seien zwischen 2009 und 2025 um 54 Prozent gestiegen.

Die Grundgebühr für den Kanalanschluss bleibt vorerst bei rund 50 Euro pro Jahr. In der Sitzung wurde jedoch bereits eine künftige Umstellung diskutiert: Die Grundgebühr könnte stärker erhöht und dafür die verbrauchsabhängige Gebühr moderater angepasst werden. Das würde vor allem Zweitwohnungsbesitzer stärker an den Fixkosten beteiligen, die kaum Wasser verbrauchen, aber dennoch die Infrastruktur nutzen.

Auch beim Trinkwasser wird es teurer: Die Verbrauchsgebühr steigt auf 2,50 Euro pro Kubikmeter, die Grundgebühr auf 130 Euro pro Wohneinheit.

Die Erhöhung ist direkt mit den massiven Investitionen ins Wasserwerk verknüpft. Nachdem die Gemeinde das Wasserwerk 2023 zu 100 Prozent übernommen hat, fließen nun rund 1,7 Millionen Euro in die Modernisierung der Wasserversorgung.

Das Herzstück der Investition ist der Neubau eines Hochbehälters für 1,4 Millionen Euro sowie eine Notfallleitung zur zweiten Quellfassung für weitere 100.000 Euro. Hinzu kommt eine staatliche Abgabe von zehn Cent pro Kubikmeter, der sogenannte Wassercent, der voraussichtlich ab 2026 an den Freistaat Bayern abzuführen ist. Diese Abgabe ist bereits in den neuen 2,50 Euro enthalten.

Eine wichtige Änderung gibt es bei der Grundgebühr: Diese wird künftig nicht mehr nach der Anzahl der Wasserzähler berechnet, sondern nach der Anzahl der Wohneinheiten. Das schafft mehr Gerechtigkeit, denn bisher hatten Eigentümer mit mehreren Wohnungen pro Wasserzähler einen Vorteil gegenüber Einzelhaushalten.

Umstellung auf
moderne Zähler

Parallel zur Gebührenumstellung modernisiert das Wasserwerk die technische Ausstattung. In den kommenden drei Jahren werden alle Wasserzähler auf moderne Ultraschallzähler mit Funkauslesung umgestellt.

Bei beiden Beschlüssen gab es im Gemeinderat keine Gegenstimmen. Beide Satzungsänderungen treten zum 1. Januar 2026 in Kraft. Die Bürger werden die neuen Gebühren erstmals mit ihren Jahresabrechnungen 2026 zu spüren bekommen.

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