„Intensive Debatte wie noch nie“

von Redaktion

Traunstein entscheidet sich für neue Grundschule und Feuerwehrstandort bei Wolkersdorf

Auf dem rot eingezeichneten Bereich könnten Schule und Feuerwehr neu gebaut werden. Foto Screenshot Google Maps

Traunstein – Soll östlich von Wolkersdorf eine neue Grundschule gebaut werden? Oder reicht eine Vergrößerung der Grundschule in Haslach? Diese Frage treibt den Traunsteiner Stadtrat schon das ganze Jahr um. Nun wurde eine Richtungsentscheidung getroffen: Ein Schulneubau bei Wolkersdorf soll kommen, und direkt daneben auch ein neues Gebäude für die dortige Feuerwehr. Über zwei Stunden beschäftigte man sich mit dem Thema. Stadtrat Karl Schulz (CSU) sprach zum Schluss von einer „intensiven Debatte wie noch nie“.

Schülerzahlen
steigen weiter

Dass etwas getan werden muss, bezweifelte spätestens nach dem Bericht von Clemens Gruber, dem Leiter des Staatlichen Schulamts, niemand mehr. Die drei Traunsteiner Grundschulen – Innenstadt, Haslach, Kammer – seien schon jetzt über den Kapazitäten. 721 Schüler beherbergen sie momentan – und in vier Jahren werden 836 prognostiziert. „Da sind aber nur Kinder eingerechnet, die jetzt schon geboren sind“, erklärt Gruber. Der Zuzug nach Traunstein oder der Nachwuchs der Neubaugebiete Staudenbichl oder Seiboldsdorf sei dabei noch nicht berücksichtigt. Insgesamt acht zusätzliche Klassenzimmer würden gebraucht.

Schulamtsleiter Gruber sprach sich klar für einen Neubau in Wolkersdorf aus – und gegen einen Ausbau in Haslach. Ein Bau im Bestand bedeute für Schüler und Lehrer Stress und Lärm.

„Ich habe das zweimal erlebt. Es ist ein Graus. Und es sorgt nicht für Chancengleichheit.“ Denn mit Klassenzimmern allein ist es nicht getan. Die Schulbauverordnung schreibt je nach Schülerzahl auch zusätzliche Räume vor. Ab dem kommenden Schuljahr gibt es außerdem einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, auch dadurch steigt der Platzbedarf.

Eine Machbarkeitsstudie, vorgestellt von Michael Mayer vom Architekturbüro „Begs“, verglich vier verschiedene Varianten. In Haslach könnte entweder die Turnhalle abgerissen und dort ein neues Schulgebäude gebaut werden. Die neue Turnhalle entstünde auf dem jetzigen Hartplatz. Geschätzte Kosten: 26,6 Millionen Euro – und damit die wohl teuerste Variante. Möglich wäre es in Haslach auch, über 2.000 Quadratmeter des Waldes neben der Schule abzuholzen, um den Platz für den Anbau zu nutzen. Dann müsste die geschützte Haselmaus umgesiedelt werden. Geschätzte Kosten: 20,7 Millionen Euro.

Bei den beiden Varianten in Wolkersdorf ginge es nur um die Anordnung von Schule im Westen und Feuerwehr im Osten des Grundstücks – oder umgekehrt. Nach der ersten Schätzung würde der Schulneubau mit Turnhalle dort 21,7 Millionen Euro kosten.

Auch in den Augen von Josef Scharnagl, Geschäftsführer von Traunsteins Wohnbaugesellschaft, wäre Wolkersdorf die bessere Wahl. Der Bau wäre dort leichter zu planen, außerdem gibt es an dem dortigen Standort mehr Gebiete, die langfristig im Flächennutzungsplan für Wohnbau vorgesehen sind. Mit dem Neubau in Wolkersdorf könne laut Scharnagl 2027 begonnen werden, womit zum Schuljahr 2029/30 alles fertig wäre.

Das Meinungsbild war im Stadtrat zuletzt noch eher unentschieden – doch durch die Studie veränderte sich die Lage bei manchem. „Ich war lange für den Standort Haslach. Aber es war wohl ein Trugschluss, dass dort günstiger gebaut werden kann“, sagte Sepp Kaiser (UW). Helga Mandl wog ab: „Als Grüne freue ich mich nicht, wenn auf die grüne Wiese gebaut wird. Aber noch weniger, wenn ein Waldstück abgeholzt wird.“ Auch für Konrad Baur (CSU) deutete nach der Präsentation der Fakten „alles in Richtung Wolkersdorf“. Die steigenden Schülerzahlen seien zudem ein Zeichen, dass man in den vergangenen Jahren alles richtig gemacht habe. Am weitesten holte Oberbürgermeister Christian Hümmer (CSU) aus: In kleineren Schulen und kleineren Einheiten würden Kinder besser lernen. Der Standort Kammer zeige das nach der Sanierung beispielhaft. Wichtig sei auch, die Grundschule in der Innenstadt zu entlasten – „dort herrschen die schwersten Bedingungen“. Und mit einem zusätzlichen Schulstandort in Wolkersdorf könnten außerdem die Wege verkürzt werden. Die Entscheidung für Wolkersdorf wurde mit großer Mehrheit getroffen: 26 zu 2. Nur die Stadträte der „Traunsteiner Liste“, Simon Steiner und Ulrike Hoernes, stimmten dagegen.

„Extreme
Verkehrsbelastung“

„In Geißing, Traunstorf und Wolkersdorf herrscht jetzt schon eine extreme Verkehrsbelastung. Die Anwohner dort wären die Hauptgeschädigten“, so Simon Steiner. Erst auf Antrag seiner Fraktion und der UW wurde die Vergleichsstudie überhaupt in Auftrag gegeben. Er sprach sich vehement für einen Ausbau der Haslacher Grundschule aus. Auf dem Parkplatz westlich des Gebäudes wäre dafür Platz, dann müssten auch keine Bäume gefällt werden. „Das bringen wir da unter, wenn man nur will.“ Steiner spekulierte, dass diese Variante auch die günstigste wäre. Außerdem gebe es in Haslach schon die Infrastruktur.

Artikel 8 von 11