Kontroverse Debatte über Erziehungspflicht für Hunde

von Redaktion

Keine Steuerbefreiung für Vierbeiner-Führerschein trotz Patt im Traunsteiner Stadtrat

Traunstein – Einen Hund zu halten, ist freilich jedem erlaubt. Der Hundeführerschein ist lediglich ein Nachweis darüber, dass der Hundehalter auch die Sachkunde dazu hat. Es gibt einen theoretischen und praktischen Teil, der bei Hundeschulen, Hundetrainern oder der Bayerischen Landestierärztekammer absolviert werden kann. Die CSU-Fraktion stellte im Traunsteiner Stadtrat jüngst einen Antrag: Wer einen solchen Hundeführerschein hat, sollte für zwei Jahre von der Hundesteuer befreit werden. Die Steuer liegt in Traunstein bei 100 Euro jährlich, der Zweithund kostet 120 Euro. „Mir ist das Miteinander von Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern ein besonderes Anliegen“, sagte Andrea Maier (CSU), die selber zwei Vierbeiner hat. Ein Hundeführerschein würde verantwortungsvolles Handeln fördern und Wissen vermitteln auch bei der Entscheidung für den passenden Hund: „Wenn ich mir als Couch-Potato einen lauffreudigen Husky anschaffe, wird das zu Problemen führen.“ Auch Fürstenfeldbruck oder München würden bereits diesen Anreiz setzen: Hundeführerschein gegen zeitweise Steuerbefreiung. Immer wieder käme es im Alltag zu gefährlichen Situationen, so Maier: Hunde, die frei herumlaufen, nicht reagieren und auch Artgenossen in Gefahr bringen. Hunde, die Radlern hinterherhetzen oder Jogger jagen. Und sie habe schon erlebt, dass Schulklassen am Wochinger Spitz ohne böse Absicht einen Hund umkreisen – „und dann schnappt er zu“. Mit dem Hundeführerschein würde die Sicherheit gestärkt. Die Idee sei kein erhobener Zeigefinger, sondern funktioniere nach dem Belohnungsprinzip, unterstrich Karl Schulz (CSU). Anders als in Niedersachsen, wo ein Hundeführerschein seit 2013 Pflicht ist. „Und vielleicht halten wir so Spontankäufer süßer Welpen ab und entlasten die Tierheime.“ Der Antrag stieß auf unterschiedliche Meinungen.

Für Ernst Haider (UW) war der Antrag „überflüssig“. Man rede immer von Deregulierung und dem Abbau von Bürokratie, „aber hier würden wir Bürokratie wieder einführen“. Hundehalter sollten von sich aus Verantwortung zeigen und die Tiere im Griff haben. Patrick Nepper (Grüne) fand den CSU-Vorstoß „kurios“ – so heiße es sonst immer, die Stadt habe zu wenig Geld. Die Mindereinnahmen für die Stadt lägen im mittleren vierstelligen Bereich, schätzt die Verwaltung. Nepper zweifelte: „Ich tue mir hier ganz schwer, das reale Problem der Traunsteiner zu sehen, das wir damit lösen.“

Auch, weil das Meinungsbild im Stadtrat so gespalten und knapp war, brauchte es drei Anläufe für das Ergebnis. Letztlich ging die Abstimmung mit 14 zu 14 Stimmen aus – und bei einem Unentschieden gilt ein Antrag automatisch als abgelehnt.

Es wird also keine dementsprechende zweijährige Steuerbefreiung in Traunstein geben, wenn man einen Hundeführerschein gemacht hat. xe

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