Moor schützt Klima

von Redaktion

Inzeller Filzen erhält Wasser zurück – Maßnahme kostet 35.000 Euro

Inzell Das Thema Klima ist in aller Munde, und in Inzell, speziell in der Inzeller Filzen, wird dazu ein großer Beitrag geleistet. Moore speichern Kohlenstoff und Wasser. Um diese Funktion zu verbessern, wurden nun erneut vom Landratsamt Traunstein Maßnahmen zur Hochmoor-Wiedervernässung umgesetzt.

Unterwegs mit
dem Moormanager

Bei einem Vor-Ort-Termin informierten sich Traunsteins Landrat Andreas Danzer, Landtagsmitglied Martin Brunnhuber, Landtagsmitglied Konrad Baur, Inzells Bürgermeister Michael Lorenz, Jürgen Sandner, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Traunstein, Naturschutzreferent Wolfgang Selbertinger, Manfred Merkl von der Naturschutzbehörde und Holzlieferant Toni Maier über die Aktion.

Die Leitung hatte Moormanager Niko Thum von der Unteren Naturschutzbehörde, der über die Baumaßnahme informierte und vor Ort in der Filzen die genauen Details näherbrachte. Die Inzeller Filzen ist das größte und eines der ältesten Moore in den Chiemgauer Alpen und leistet einen großen Beitrag für die Umwelt. Die Moor- und Torfschichten speichern Kohlenstoff, was wichtig für den Klimaschutz ist, und sehr viel Wasser, was bei Starkregenereignissen durch den langsameren Abfluss enorm zum Hochwasserschutz beiträgt. Ein Quadratmeter Moor speichert zudem zwei- bis dreimal so viel Kohlenstoff wie ein Quadratmeter Regenwald. Darüber hinaus leben in der Inzeller Filzen viele spezialisierte und sehr seltene Tiere und Pflanzen.

Landrat Andreas Danzer wies zu Beginn auf die Bedeutung dieses Renaturierungsprojekts hin. „Wir geben dem Moor sein Wasser zurück und damit seine Fähigkeit, Klima zu schützen und seltenen Arten Lebensraum zu bieten. Die Inzeller Filzen ist für unseren Landkreis ökologisch von größter Bedeutung.“ Wenn alles wie geplant läuft, wird sich in naher Zukunft wieder ein natürlicher Wasserhaushalt einstellen, sodass das Moor weiter wachsen und damit seine Funktion erfüllen kann. „Der Schutz unserer Moore ist aktiver Klima-, Arten- und Heimatnaturschutz in einem“, hob Danzer klar hervor. Die zu renaturierende Fläche hatte das Landratsamt im vergangenen Jahr gekauft. Die Umbaumaßnahmen werden nun mit einer 90-prozentigen Förderung für die Maßnahme, inklusive Ankauf, vom Umweltministerium unterstützt.

Zunächst mussten die noch vorhandenen Bäume entfernt werden. Diese Gehölzarbeiten übernahm Landwirt Georg Kamml, genannt „Wallnerbauer“, dessen Wiese an die zu renaturierende Fläche angrenzt.

Anschließend konnte mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden. Insgesamt sind 42 Staueinrichtungen aus Holz vorgesehen, die das Wasser zurückhalten, ehe es verlangsamt in die Rote Traun einfließt. Die hölzernen Spundwände vom Sägewerk Maiermühle wurden von der Firma A.B.E Königsberger, einer Spezialfirma aus dem Ostallgäu, mit eigens dafür ausgelegten Baggern, die moortauglich mit breiteren Ketten und geringem Bodendruck sind, an fünf Tagen eingebaut und verkleidet.

Die Maßnahme kostet insgesamt 35.000 Euro. Dazu gehören die Entnahme der Gehölze, die Materialkosten für die Holzspundungen der Dämme und die Baggerarbeiten. Dies ist bereits das dritte Mal, dass seitens des Landschaftspflegeverbandes Wiedervernässungsmaßnahmen in der Inzeller Filzen durchgeführt wurden.

Im Jahr 2003 waren es 2,5 Hektar auf einem Grundstück der Gemeinde als Ausgleichsmaßnahme für die Erweiterung der Kläranlage und im Jahr 2015 auf circa 22 Hektar bei insgesamt 33 Grundstücken, davon 20 im Privatbesitz und 13 von der Gemeinde speziell dafür angekauft. Auch für die Zukunft besteht noch Potenzial auf verschiedenen Moorgrundstücken, die sich im Privatbesitz befinden. Für eventuelle Maßnahmen kann man sich beim Landschaftspflegeverband melden.

Moormanager Niko Thum erläuterte die Maßnahmen bei der Wanderung von der Lupe zur eigentlichen Baumaßnahme und brachte den Exkursionsteilnehmern die verschiedenen notwendigen Schritte vor Ort detailliert anhand von Schautafeln näher. Es gab eine genaue Besichtigung der hölzernen Spundwände, die zunächst in den Boden eingeschlagen und anschließend mit Moorboden bedeckt wurden, sodass die natürliche Ansicht weiterhin gegeben ist. Anhand von mitgebrachten Schautafeln zeigte Moormanager Thum die einzelnen Wasserrinnen, die nun aufgestaut wurden und so zu einem Wiederaufwachsen des Moores führen werden.

Hoher
Erholungswert

Inzells Bürgermeister Michael Lorenz hob den Erholungswert der Inzeller Filzen hervor. „Unser Moorerlebnispfad ist nicht nur bei Einheimischen sehr beliebt, sondern viele Gäste wandern oft mehrmals durch die Inzeller Filzen. Der Naturcharakter mit den dazu aufgestellten Schautafeln bietet einen hohen Erholungswert.“

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