Leidenschaftliches Plädoyer für das selbstständige Denken

von Redaktion

Gelungene Theateraufführung der Zwölfklässler der Freien Waldorfschule Chiemgau

Prien – „Carpe, Carpe diem!“, flüstert John Keating als neuer Lehrer an der Welton-Academy seinen Schülern zu. „Nutzt den Tag, Jungs. Macht was Außergewöhnliches aus eurem Leben.“ Mit angehaltenen Atem lauschen seine Schüler und das Publikum im voll besetzten König-Ludwig-Saal. „Der Club der toten Dichter“ hatte die 12b der Freien Waldorfschule Chiemgau für ihr Klassentheater gewählt, das das Thema der autoritären und damit vernichtenden Strukturen bearbeitet.

Die Handlung spielt im Jahr 1959 an einer der renommiertesten privaten Jungenschulen in den USA. Es scheint ein gewöhnliches Semester zu werden, auch wenn nicht alle Schüler ohne Sorgen auf die kommenden Wochen blicken. Zu schwer lastet der Erwartungsdruck aus dem Elternhaus auf den Schultern, verstärkt durch das rigide Regiment des Direktors Dr. Gale Nolan. Er ist die Verkörperung der vier Prinzipien seiner Schule: Tradition, Ehre, Disziplin, Exzellenz.

In seiner neuen Klasse stellt sich Keating charismatisch vor. Angelehnt an ein Gedicht über Abraham Lincoln ermuntert er die Schüler: „Sie können mich entweder als Mr. Keating ansprechen oder, wenn Sie ein bisschen mutiger sind, sagen Sie ‚Oh Käpt’n, mein Käpt’n!‘“ Getrimmt auf Leistung umuten die unorthodoxen Lehrmethoden den Jugendlichen zu Beginn seltsam an. Den verängstigten Todd entlockt der Lehrer Spontaneität. In einem alten Jahrbuch entdeckt die Klasse, dass Keating zu seiner Schulzeit dem Club der toten Dichter angehörte. Inspiriert von seinen Erzählungen, beschließen sie, den Club aufleben zu lassen. Neil übernimmt die Leitung der Treffen, in ihm lebt die Liebe zur Poesie und er träumt vom Theaterspiel.

Es war eine gekonnte Aufführung. Am Ende erhielten die Schüler viel Applaus.

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