Seeon-Seebruck – Die Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Seeon-Seebruck-Truchtlaching hat kürzlich bei ihrem Stammtisch im Bürgertreff in Seeon die Ergebnisse ihrer Befragung zum Thema „Gemeinwohl – Was uns bewegt?“ vorgestellt. Bürgermeister Martin Bartlweber und mehrere Gemeinderäte waren der Einladung gefolgt, um sich angeregt auszutauschen. Vorsitzender Richard Gruber betonte nach einer kurzen Einführung zu den Begriffen „Gemeinwohl“ und „Demokratie“: „Wir wollen uns heute über ein nachhaltiges, umweltfreundliches und zukunftsfähiges Miteinander in unserer Gemeinde unterhalten und austauschen.“
Verbot von
Steingärten gefordert
Gruber präsentierte die sechs Punkte, die den Teilnehmern der Befragungsaktion besonders wichtig waren. An erster Stelle stand der „Naturschutz“ mit Forderungen wie weniger Bodenversiegelung, mehr Blühflächen, einem Verbot von Steingärten, der Begrenzung des Kiesabbaus, der Reduzierung von Lichtverschmutzung und der Moor-Renaturierung. Ein weiterer zentraler Punkt war die „Kommunikation“. Hierbei gehe es darum, den Austausch mit Landwirten fortzusetzen, sich stärker mit anderen Naturschutzorganisationen zu vernetzen, aktuelle Themen der BN-Stammtische direkt an Gemeinderäte und Bürgermeister weiterzuleiten und bei bürgerrelevanten Themen gegebenenfalls einen runden Tisch zu initiieren.
Als dritten Punkt nannte Gruber das „Wasser-Management“, dessen Bedeutung in Zeiten des Klimawandels zunehme. Gruber appellierte: „Wir müssen das Wasser in der Fläche halten, damit sich auch das Grundwasser regenerieren kann.“ Bezüglich der „Energiewende“ unterstrich er die Wichtigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien. Es sei notwendig, mehr regional erzeugte Energie zu nutzen und die Wärmewende vor Ort zu gestalten. Von großer Bedeutung für viele Beteiligte sei zudem „eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde“. Gruber führte hier den gewünschten Ausbau der Radnetze, des öffentlichen Nahverkehrs und des E-mobil-Carsharings an. Wünschenswert seien auch die Beteiligung der Gemeinde an der „Ökomodellregion Chiemgau“, die Schaffung einer „essbaren Gemeinde“ mit Streuobst, Beerensträuchern und Gemeinschaftsgärten sowie ein nachhaltiger und sanfter Tourismus.
Unter dem sechsten und letzten Punkt „Bauen & Wohnverdichtung“ gab Gruber zu bedenken, dass die Bürger bei einschneidenden Großprojekten wie dem Malerwinkel, dem Wohnturm in Seeon und der Seeoner Ortserweiterung unbedingt mitgenommen werden müssten. Der Fokus müsse auch hier stärker auf dem „Gemeinwohlprinzip“ liegen. Bei der Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten gelte es verstärkt, auf Bestandsbauten zu setzen, so Gruber mit Verweis auf das Nachhaltigkeitsprinzip.
Bürgermeister Martin Bartlweber, dem Gruber später die Auswertung und Zusammenfassung der Befragungsaktion überreichte, betonte, dass es „die ureigene Aufgabe einer Gemeinde ist, für das Gemeinwohl zu sorgen“. Dies sei jedoch oft nicht einfach umzusetzen, da jeder Bürger andere Bedürfnisse habe. Der Gemeinde wäre es sehr geholfen, wenn sich jeder ein wenig um das Gemeinwohl kümmern würde, so wie es viele Bürger vorbildlich in den Vereinen täten.
Bartlweber hob hervor, dass die Schaffung bezahlbaren Wohnraums entscheidend sei, um vor allem junge Leute in der Gemeinde zu halten. Auch die Vorschläge zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und von Car-Sharing-Projekten seien an sich „tolle Sachen“, scheiterten jedoch bei der Umsetzung oft an der Wirtschaftlichkeit. Abschließend bedankte sich das Gemeindeoberhaupt bei der BN-Ortsgruppe für deren ehrenamtliche Arbeit für die Bürger und für den konstruktiven Austausch, den er als den richtigen Weg bezeichnete.
Gemeinderat Sepp Daxenberger merkte an: „Reden ist das eine, es geht aber auch um die Umsetzung, jemand muss dahinterstehen und anschieben.“ Es gehe auch immer darum, bei der Problemlösungsfindung „auf einen Nenner zu kommen“. Bevor Gelder verteilt würden, müsse man stets bedenken, dass diese auch erst einmal erwirtschaftet werden müssten, so Daxenberger. Die örtliche Grünen-Sprecherin Hannah Hollinger betonte, man müsse in die Zukunft investieren, auch wenn es zunächst mehr koste, als es einbringe, denn „irgendwann trägt es sich dann“. Bei allen gemeindlichen Entscheidungen sei es wichtig, dass die Bürger gehört und mitgenommen werden.
Bürger hören
und mitnehmen
Heinz-Georg Plikat hob hervor: „Die Wasserversorgung muss in kommunaler Hand bleiben, denn nur dann bleiben die Gebühren relativ gering.“ Gemeinderätin Martha Gruber äußerte mit Blick auf die Einführung des beschlossenen Wasser-Cents, dass es hierzu noch viele offene Fragen gebe und es am Ende zu einer „gerechten Lösung“ kommen müsse.
Ein rundum positives Resümee zog zum Abschluss der BN-Ortsgruppensprecher Gruber und versicherte allen: „Wir arbeiten weiter und bleiben miteinander im Gespräch.“