29 Vereine mit 70.000 Mitgliedern

von Redaktion

Traunsteiner Stadtverband feiert sein 75-jähriges Bestehen – Gemeinsam eine „starke Stimme“

Traunstein – Im Rahmen eines Jubiläumsabends im Kulturforum Klosterkirche hielt der Traunsteiner Stadtverband der Sportvereine Rückschau auf seine Anfänge und feierte sein 75-jähriges Bestehen. Rupert Berger war Oberbürgermeister, als der Verband 1950 im Rathaus ins Leben gerufen wurde. Es war damals ein loser Zusammenschluss aus 13 Vereinen, der das Ziel hatte, Termine gemeinsam abzustimmen und eine „starke Stimme für den Traunsteiner Sport zu sein“. Daraus wurde eine Organisation, der 29 Vereine mit zusammen rund 70.000 Mitgliedern. Hauptaufgabe ist es, den jährlichen städtischen Zuschuss von 60.000 Euro für die Vereinsarbeit, für Übungsleiterstunden und den Unterhalt von Sportstätten möglichst gerecht an die Vereine zu verteilen.

Größten Aufschwung
im Jahr 1973

Diese städtischen Zuschüsse weckten natürlich Begehrlichkeiten bei den Vereinen. In seinem Streifzug durch die Jahrzehnte schilderte Vorsitzender Stefan Namberger unter anderem das Auf und Ab der Zahl der Mitgliedsvereine mit dem Tiefpunkt von acht und dem Höchststand mit 32 Vereinen. Den größten Aufschwung gab es 1973, als die sechs Schützenvereine aus dem Stadtbereich, die beiden Motorsportclubs RTC und MSC sowie der Schachclub und die Sportgemeinschaft Chiemgau dazukamen. Es habe immer wieder Diskussionen gegeben, ob ein Verein berechtigt ist, Mitglied zu sein und damit von den städtischen Fördergeldern zu profitieren.

Mitte der 1970er-Jahre musste zum Beispiel der Schachclub beweisen, dass er „ein ernsthafter Sportverein und kein Skatclub“ ist. Diskussionen gab es auch um die Sportgemeinschaft Chiemgau. Es war ein Nudistenverein, dem Anhänger der Freikörperkultur angehörten. Auch der wollte mit Hinweis auf seine umfangreiche Jugendarbeit Nutznießer von städtischen Zuschüssen werden.

Die älteren unter unseren Lesern werden sich noch daran erinnern, dass bis in die 1970er-Jahre hinein die Noten für den Sportunterricht in den Schulzeugnissen noch nicht als solche bezeichnet wurden. Vielmehr nannte sich das Fach Leibeserziehung. Und so war der ursprüngliche Name bei der Gründung vor 75 Jahren Stadtverband für Leibesübungen. Noch 2000 verwendete Hans Helmberger in seiner lesenswerten Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Verbandes die längst antiquierte Bezeichnung, ehe man sie schließlich auch offiziell änderte.

Vorsitzender Stefan Namberger erinnerte in seiner Festansprache zuallererst an Hans Dierl, der die treibende Kraft für die Gründung des Verbandes war. Dierl war BLSV-Kreisvorsitzender und Vizepräsident des Bayerischen Landessportverbandes, 1972 Cheforganisator des Olympia-Fackellaufs von der Landesgrenze durch die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein bis nach Bernau.

Namberger nannte weitere Wegbegleiter, die den Stadtverband über Jahre und Jahrzehnte gestaltet und mit Leben erfüllt haben: Hermann Schröger, Hans Kösterke, Gertraud Falkinger, Christa Fuchs, Uwe Steinmetz und Helmut Köppl, der 1988 den Vorsitz übernahm. Als dessen Nachfolger steht Namberger seit 2004 selbst an der Spitze des Verbandes.

Wie rasant die Entwicklung von Beginn an war, belegte Namberger mit Zahlen. Aus der bescheidenen 1.000 D-Mark Förderung der Stadt im Gründungsjahr wurden zehn Jahre später 4.000 und im Jahr 1963 schon 7.000 Mark. Der Stadtrat erkannte, dass das Geld in die Jugendarbeit gut angelegt war, gewährte 1973 bereits 33.000 Mark und erhöhte die Summe immer wieder.

Heuer sind es 60.000 Euro mit zugesagten Erhöhungen in den kommenden beiden Jahren um jeweils 5.000 Euro. Rechnet man die 5.000 Euro dazu, die der Oberbürgermeister an diesem Abend als Jubiläumszuwendung der Stadt überreichte, dann stehen dem Stadtverband schon heuer die eigentlich erst für kommendes Jahr eingeplanten 65.000 Euro zur Verfügung.

Als einen absoluten Gewinn für die Stadt Traunstein bezeichnete Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer die Arbeit des Stadtverbandes der Sportvereine. Die rund 12.000 Sporttreibenden in der Stadt seien trotz aller Rivalität im Wettkampf eine große Familie. Augenzwinkernd bezeichnete er sich selbst als einen der sportlichsten Traunsteiner, sei er doch Mitglied in sieben Sportvereinen.

„Die Stadt Traunstein hat immer stark in den Sport investiert“, sagte Hümmer. Und man wisse, dass das Geld für die junge Generation hier gut angelegt sei. Er erwähnte unter anderem die neue Sporthalle in Kammer, das städtische Engagement bei der Turnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium und den bevorstehenden Schulhausneubau in Haslach – mit einer Turnhalle. Nun wolle man den weiteren Schwerpunkt auf ein breiteres Angebot im Schwimmsport richten und sich für das Hallenbad im St.-Josefs-Heim engagieren, damit es dem Traunsteiner Schwimmernachwuchs zur Verfügung stehe.

Stefan Namberger führte dann auf der Bühne der Klosterkirche ein Gespräch mit Denise Herrmann-Wick, die er als eine der besten deutschen Sportlerinnen der vergangenen Jahre vorstellte. Die aus Thüringen stammende und in Ruhpolding lebende ehemalige Biathlon-Weltmeisterin und Olympiasiegerin beantwortete seine Fragen, beginnend von ihren sportlichen Anfängen als Langläuferin, den Wechsel zum Biathlonsport bis hin zu ihrem heutigen Leben als Ehefrau und zweifache Mutter.

Langlaufen war
„etwas langweilig“

Wie sie vom Langlauf zum Biathlon kam, erklärte die Sportlerin damit, dass ihr das Langlaufen im Vergleich zum Biathlon „etwas langweilig vorgekommen“ sei. Beim Training in Ruhpolding sei sie so oft am Schießstand vorbeigelaufen, dass sie ihn irgendwann auch einmal ausprobieren und nutzen wollte. Befragt, ob es ein großer Schritt für sie gewesen sei, von Oberwiesenthal nach Ruhpolding zu wechseln, gestand sie, dass sie sich in Ruhpolding verliebt habe. Hier könne sie ihre Leidenschaft für aktive Bewegung in traumhafter Natur ausleben: „Ich fühle mich hier total aufgenommen.“

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