Andachtsbilder als Impulse für mehr Besinnlichkeit

von Redaktion

Ausstellung im Stadtmuseum Traunstein zeigt hochwertige Klosterarbeiten aus der Privatsammlung von Helmut Abele

Traunstein – Die Möglichkeit, für einen Moment Abstand von der Alltagshektik zu gewinnen, innerlich zur Ruhe zu kommen und sich zu sammeln, bietet aktuell eine Ausstellung im Traunsteiner Stadtmuseum. Sie zeigt an den Adventswochenenden unter dem Titel „Bild gewordene Andacht“ zahlreiche Applikations- und Kulissenbilder aus der Privatsammlung des Traunsteiners Helmut Abele.

Die Applikations- und Kulissenbilder sind Klosterarbeiten und zählen zu den faszinierenden Ausdrucksformen vor allem weiblicher Kunst- und Frömmigkeitskultur im frühneuzeitlichen und biedermeierlichen Alpenraum. Sie entstanden in erster Linie in katholischen Frauenklöstern Süddeutschlands, Österreichs, der Schweiz und Norditaliens zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert und verbinden kontemplative Hingabe mit hochentwickeltem kunsthandwerklichem Können. Ihr Ursprung liegt in der barocken Frömmigkeit und der engen Verbindung von Handarbeit, Meditation und liturgischem Dienst. Die Werke dienten häufig der Andacht, der Reliquienverehrung, der Ausstattung von Altären oder der privaten Frömmigkeit.

Bei der Eröffnung stellte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer die Überlegung an, wie hoch heute die Aufmerksamkeitsspanne sei angesichts der Flut von Bildern aus den sozialen Medien. „Diese Werke hier zeugen von einem ganz anderen Zugang zu Kunst und Kultur“, sagte der Rathauschef. Der Weg, vor einer unbedacht-vorschnellen Antwort im Gespräch über die Haltung innerer Andacht tiefer auf Dinge und Zusammenhänge zu schauen, täte mitunter auch im politischen Geschäft gut. Hümmer bedankte sich beim Sammler für dieses „vorweihnachtliche Geschenk“ und bei Stefan Schuch für die geschmackvolle Präsentation.

Der Leiter des Stadtmuseums wies darauf hin, dass diese Art der Klosterarbeiten als filigrane Werke der Montage und Applikation in der Kunstwissenschaft lange zu Unrecht als bloße „Bastelarbeiten“ abgetan worden sei. Erst in jüngerer Zeit sei deren Wert als eigenständige Gattung der religiösen Volkskunst erkannt und gewürdigt worden. Die treffendsten Beschreibungen charakterisieren diese Objekte als „bildgewordene Andacht“ und ihren Herstellungsprozess als ein „Beten mit den Händen“. Diese poetischen Formeln seien mehr als nur Umschreibungen. Sie verweisen nach den Worten von Schuch auf die meditative und kontemplative Tiefe des Schaffensaktes selbst. Die unzähligen Stunden, die für die Anfertigung benötigt wurden, waren keine reine Handarbeit, sondern eine Form der Sammlung in Gott und der ständigen Vergegenwärtigung des Heiligen.

Die Ausstellung im Stadtmuseum ist noch geöffnet an den Wochenenden 13./14 und 20./21. Dezember jeweils von 11 bis 17 Uhr.eff

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