Siegsdorf – Es ist heuer wohl der letzte Krippenweg, den man in der Weihnachtszeit im Siegsdorfer Ortskern entlangbummeln kann. An 16 Stationen sind handwerklich hergestellte Schmuckstücke adventlicher und weihnachtlicher Volkskunst zu sehen. Initiatorin Rosi Bauer, die solche Krippenwege bereits in den vergangenen Jahren in Siegsdorf gestaltet hat, muss im Januar ihr Christkindlmuseum im Feil-Haus neben dem Naturkunde- und Mammutmuseum räumen. Noch hat sie keine neue Herberge gefunden für ihre rund 300 Christkindl, Dutzende von Krippen und für ihre anderen Objekte sakraler Volkskunst.
Ab Januar
wohl heimatlos
Der Krippenweg lockte in den vergangenen Jahren immer wieder viele Besucher an, die auch einen Abstecher in Rosi Bauers Himmelswerkstatt machten. Dieses kleine Museum unmittelbar neben dem Siegsdorfer Naturkunde- und Mammutmuseum ist auch heuer noch an den Adventswochenenden geöffnet.
Die 83-Jährige führt damit eine mehr als hundert Jahre alte Tradition fort: Siegsdorf war ein Zentrum des Kripperlbaus im Chiemgau. Der Lehrer Patrik Ibelherr hat diese Tradition im vorletzten Jahrhundert begründet. Kaspar Moosmüller, Peter Wohlschläger und Hubert Marchl, um nur einige zu nennen, zählten im vergangenen Jahrhundert zu bekannten Kripperlbauern im Dorf. Noch bis Heilige Drei Könige kann man die etwa 40 Krippenlandschaften in Rosi Bauers Museum besichtigen. Eine der ältesten darunter ist die von Johann Fernsebner 1930 für das Kloster Bad Adelholzen angefertigte Weihnachtskrippe.
Die Stationen des aktuellen Siegsdorfer Krippenwegs sind wieder sehr vielfältig gestaltet. Im Schaufenster des Pletschacher-Hauses beim Museum sind zum Beispiel unter anderem in Heimarbeit hergestellte Spanschachteln aus dem Berchtesgadener Land und ein handwerklich gefertigter Berchtesgadener Nussknacker zu sehen. Ein traditionell geschmückter Berchtesgadener Christbaum, eine alte Bergwerkskrippe, in mühevoller Heimarbeit gefertigte wunderschöne Spanschachteln und vier kleine Hochzeitskutschen gehören ebenfalls zu den Ausstellungsobjekten.
Im Elektrogeschäft Geisreiter hat Rosi Bauer eine große Erzgebirgsschau installiert. Sie besteht aus etwa 60 hölzernen, bis zu einem Meter hohen Nussknackerfiguren, welche die Sammlerin vorwiegend auf Flohmärkten gefunden hat. Bewundern kann man hier auch zwei Christbäume mit traditionellem Schmuck aus dem Erzgebirge, zehn Weihnachtspyramiden und etliche Räuchermännchen – die bunten Objekte bringen nicht nur Kinderaugen zum Leuchten. In den teilnehmenden Geschäften kann man überdies 20 Weihnachtskrippen bewundern. Begleitend zum Krippenweg hat der Siegsdorfer Gewerbeverein einen informativen Prospekt zusammengestellt, der den Besuchern die einzelnen Stationen des Weges anschaulich erläutert.
Rosi Bauer war auch in diesem Jahr in ihrer Himmelswerkstatt aktiv. Sie hat Fatschenkindl, Eing’richtl, Krippenfiguren und andere Objekte, die im Zusammenhang mit gelebtem christlichen Brauchtum stehen, hergestellt, repariert und restauriert. Viel Zeit verwendete sie aber auch darauf, Kontakte zu knüpfen, um vielleicht doch noch eine neue Bleibe für ihre Sammlung zu finden.
Geplatzte
Hoffnungen
„Es gab einige hoffnungsvolle Ansätze“, berichtet sie. „Leider haben sich aber bisher alle wieder zerschlagen“, bedauert Rosi Bauer. Auch die Gemeinde Siegsdorf, die Besitzerin des Hauses ist, in dem ihre Himmelswerkstatt untergebracht ist, konnte bisher niemanden finden, der den Siegsdorfer Christkindln eine neue Herberge verschaffen könnte. So wird Rosi Bauer wohl im kommenden Januar damit anfangen müssen, ihr Museum auszuräumen. Wohin? Das ist noch offen. Die Siegsdorfer Christkindl sind noch auf Herbergssuche.