Vor Ort erzeugt, vor Ort verbraucht

von Redaktion

Bernau prüft Kooperation mit „Bayernwerk Regio“ – Unternehmen stellt sich im Rat vor

Bernau – In seiner Sitzung Mitte November hatte sich der Bernauer Gemeinderat mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Solarenergie Südbayern UG & Co KG auf einer nördlich der A8 gelegenen Fläche eine Agri-PV-Anlage betreiben darf. In der jüngsten Sitzung präsentierten Christina Barchmann und Thomas Oppelt von den Bayernwerken die „Bayernwerk Regio Energie GmbH“. „Unser regionaler Strommarkt bringt Stromverbraucher und -erzeuger nach dem Hofladen-Prinzip zusammen“, betonte Oppelt. Beiden garantiere man faire Preise und eine einfache Umsetzung.

Faire Preise und
einfache Umsetzung

Der angebotene Ökostrom komme zu 100 Prozent aus zertifizierten regionalen Photovoltaik-, Windkraft-, Wasserkraft- oder Biomasseanlagen. Nicht umsonst heiße es: „Vor Ort erzeugt, vor Ort verbraucht.“ Und sollte die Erzeugung vor Ort einmal nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken, sorge die „Bayernwerk Regio“ mit verlässlicher TÜV-zertifizierter Wasserkraft aus Bayern dafür, dass die Energieversorgung gesichert ist. Barchmann zeigte das Beispiel der Gemeinde Abensberg. Dort habe das Projekt Naturstrom Abensberg binnen weniger Jahre an Fahrt aufgenommen. So sei der 100 Prozent regenerative Naturstrom Abensberg mittlerweile im gesamten Landkreis Kelheim (mit Ausnahme der Stadt Kelheim) verfügbar.

Barchmann betonte, dass Kunden mit dem Bezug des Ökostroms die Region stärkten. Damit würden lokale Erzeuger und damit auch der Ausbau regenerativer Energieerzeugungsanlagen gefördert. Sie erläuterte noch die unterschiedlichen Tarifmodelle der Naturstrom Abensberg und die Beratungsmöglichkeiten: via Stadtwerke online oder in Papierform oder telefonische Umleitung zu den Bayernwerken. Über 17 Landkreise und 200 Kommunen seien „schon bayernweit dabei“, auch in Schleswig-Holstein sei die Bayernwerk Regio Energie mit am Start.

Sascha Klein (WMG) hakte bezüglich der Stromlieferung an Haushalte nach. Das erfolge in einem Drei-Stufen-Modell, via Kooperationsvertrag (die Gemeinde stellt dabei ihr Netzwerk zur Verfügung), einem Vertrag mit der „Bayernwerk Regio Energie“ und einem Stromtarif-Vertrag mit dem Verbraucher, sagte Barchmann. Sie betonte auch, dass die Endkunden vom Stromtarif profitierten und dass es einen großen Gestaltungsspielraum für die Kommune gebe.

Matthias Vieweger (CSU) fragte bezüglich der „Bürgerenergie Chiemgau eG“ (BEC) nach. Diese verkaufe ihren Strom nur an BEC-Mitglieder, erklärte Biebl-Daiber. Thomas Oppelt ergänzte, dass die BEC integrierbar sei. Man habe beispielsweise schon Kooperationen mit anderen Partnern geschlossen. Oppelt verwies auch auf die Regularien des deutschen Strommarktes. Es fehle der Spielraum für den Regionalmarkt, was schon das Beispiel Netzentgelte zeige.

Auf Nachfrage von Martin Pollinger (SPD) und Josef Genghammer (Grüne) erklärte Oppelt, dass die „Bayernwerk Regio Energie“ eigenständig sei und auch keine Anlagen baue. Des Weiteren gehe Strom, der nicht regional verbraucht werde, an die Strombörse oder an andere Kommunen.

„Verflixt
kompliziert“

Dr. Andreas Lang-Ostler (BL) führte das Beispiel Schönau und die Schwarzwald-Rebellen an: Da gehe doch auch Eigenständigkeit. Oppelt erwiderte, dass das Ganze „verflixt kompliziert“ sei. Im Regelfall habe ein großes Unternehmen gegenüber kleineren Anbietern Vorteile. Bernaus Bürgermeisterin Biebl-Daiber bedankte sich für die Präsentation und erklärte, dass der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung nicht-öffentlich über einen Kooperationsvertrag weiter beraten werde.

Artikel 1 von 11