Traunstein – Bisher konnte der „Zweckverband Heimat.Chiemgau“ mit Landrat Andreas Danzer an der Spitze beim Bau von Mietwohnungen Fördermittel über das „KommWFP“ einplanen, das Kommunale Wohnraumförderungsprogramm des Freistaats. Kürzlich ist diese Geldquelle versiegt, wodurch die weitere Entwicklung völlig offen ist. In der Verbandsversammlung informierte Geschäftsführer Lothar Wagner über eine Mitteilung der Regierung von Oberbayern aus dem Oktober. Darin heißt es: „Präzise Aussagen zur Ausgestaltung der künftigen Förderkulisse sind aktuell kaum möglich.“
„Präzise Aussagen sind
aktuell kaum möglich“
Der Verband befinde sich im stetigen Austausch mit der Regierung von Oberbayern. Ab dem Jahr 2026 soll es laut deren Auskunft ein Jahresbauprogramm geben, für das bis zu einem bestimmten Stichtag Bewerbungen abgegeben werden können. Die Umsetzung werde erstmals im Jahr 2027 starten. Der Verbandsgeschäftsführer merkte an, in der Praxis bedeute das: „Fertig durchgeplante Projekte müssen wir im Sommer 2026 einreichen. Irgendwann 2027 wird dann darüber entschieden, ob sie gefördert werden oder nicht. Das ist sehr unbefriedigend.“
Lothar Wagner berichtete zum Verbandszweck, dass der Landkreis Traunstein im Jahr 2018 mit seiner „Wohnungsbau GmbH“ den „Zweckverband Heimat. Chiemgau“ gegründet habe. Im Jahr 2021 sei dieser umgewandelt worden und bestehe seither aus 24 Gemeinden und Städten sowie dem Landkreis. Das Geschäftsmodell sei dem Bau und dem Vermieten von Wohnungen gewidmet. Zielgruppe seien Personen mit geringem bis mittlerem Einkommen. Sozialwohnungen schaffe man nicht. Bislang habe der Verband das „KommWFP“ genutzt und daraus zwischen 30 und 35 Prozent Zuschuss für Grundstück und Baukosten erhalten. Bei der weiteren Finanzierung seien 60 Prozent als Darlehen von der BayernLabo, dem Förderinstitut der Bayerischen Landesbank, gekommen. Den zehnprozentigen Eigenanteil habe der Verband über ein reguläres Bankdarlehen aufgebracht.
Nach Wagner ist das Projekt Karlsbader Straße 21 in Traunreut mit acht Wohnungen, die komplett vermietet sind, längst realisiert. Die Darlehenstilgung laufe. Im Frühjahr 2024 habe man mit der Vermietung von 48 Appartements zu je 35 Quadratmetern Fläche im Personalwohnheim Kaserne in Traunstein, Bauabschnitt I, begonnen. Bereits im Sommer 2024 seien alle Wohnungen belegt gewesen. Zahlreiche Interessenten stünden auf der Warteliste. Die Kliniken Südostbayern AG sehe „weiteres Potenzial für eine zusätzliche Wohneinheit“, betonte der Geschäftsführer. Für den ersten Bauabschnitt habe der Verband eine sehr hohe Förderquote von 44 Prozent erzielen können. Aus der Holzbauförderung stammten 33.500 Euro, aus der KommWFP-Förderung über 2,819 Millionen Euro und aus der BEG-Förderung – der Bundesförderung für effiziente Gebäude, die im Jahr 2023 eingestellt wurde – 1,82 Millionen Euro. Dies bedeute Fördermittel von mehr als 4,672 Millionen Euro. Die genehmigten Kosten für das Projekt bezifferte Wagner mit rund 10,995 Millionen Euro.
Tatsächlich sei der Ansatz mit Ist-Kosten von auf den Cent genau 10.616.033,25 Euro unterschritten worden. Die Maßnahme sei vollständig abgerechnet, Mieteinnahmen und Darlehenstilgungen seien im Fluss. Ein flexibles Darlehen von noch 1,4 Millionen Euro werde zum Jahresende umgewandelt in ein Annuitätendarlehen.
Im früheren Altenheim Palling sind Wagner zufolge seit dem Kauf Ende des Jahres 2023 und der gleichzeitigen Vermietung an den Freistaat Bayern Flüchtlinge untergebracht. Auch hier laufe alles normal. Der Verband musste im Jahr 2025 jedoch 168.000 Euro in die Instandhaltung der Wasserversorgungsanlage investieren.
Im Ausblick auf das Jahr 2026 nannte Lothar Wagner als zentrales Vorhaben die Planung des Bauabschnitts II im Kasernengelände in Traunstein. Notfalls müsse man auf Fördermittel aus dem „KommWFP“ verzichten. Vorgesehen sei der Bau in Modul-Holz-Ständerbauweise analog zu den „Campus Quarters“. Die Stadt Traunstein habe noch nicht über die Zahl der Stellplätze entschieden. Der Verband wolle einen Stellplatz pro Appartement. Möglicherweise müsse man auf eine Tiefgarage ausweichen, so Wagner. Im Investitionsplan und im Finanzplan für das Jahr 2026 stehen jeweils 6,5 Millionen Euro für den zweiten Bauabschnitt auf dem Kasernengelände. Die übrigen Zahlen bewegen sich ungefähr im Rahmen des Jahres 2025.
Die Verbandsversammlung verabschiedete auch den Haushalt für das Jahr 2026 ohne Diskussion und Gegenstimme. Der Wirtschaftsplan enthält im Erfolgsplan Erträge von knapp 1,303 Millionen Euro, Aufwendungen von etwas über 1,296 Millionen Euro und einen Saldo von 6.600 Euro. Im Vermögensplan sind Einnahmen und Ausgaben von jeweils nicht ganz 8,118 Millionen Euro festgesetzt. Der Gesamtbetrag der Kreditaufnahmen für Investitionen ist mit 2,68 Millionen Euro fixiert. Die Verpflichtungsermächtigungen im Vermögenshaushalt für die Jahre 2027 bis 2029 betragen 3,95 Millionen Euro.
Gemeinden zahlen
zehn Cent pro Bürger
In der Satzung für das Jahr 2026, die ab Januar in Kraft tritt, ist auch der Umlagebetrag für die Kommunen festgeschrieben. Das Umlage-Soll, also der nicht durch Einnahmen gedeckte Finanzbedarf, beläuft sich auf 150.000 Euro. Auf Basis der Einwohnerzahl zahlen die Gemeinden zehn Cent pro Bürger und maximal 25 Prozent des Umlage-Solls, der Landkreis wenigstens 75 Prozent. Langfristiges Ziel ist nach Lothar Wagner, ohne eine Umlage der Gemeinden und Städte auszukommen.