„Hab‘s mit Herzblut gemacht“

von Redaktion

Hobby zum Beruf gemacht: Hans Brandmair schließt nach 32 Jahren sein Siegsdorfer Sportgeschäft

Siegsdorf – Das Hobby zum Beruf gemacht: Ein Satz, der schon oft gefallen ist – aber auf Hans Brandmair trifft er ganz bestimmt zu. Er war Alpin-Skirennläufer und hatte es von 1987 bis 1994 ins Lehrteam des Deutschen Skilehrerverbandes geschafft. „Skilehrer war ich mit Leidenschaft“, sagt Brandmair im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Und dann, 1993, ergab sich die Möglichkeit, das Sportgeschäft von Franz Eckart in Siegsdorf zu übernehmen. So wurde das Hobby zum Beruf.

Ein Anlaufpunkt für Ski-
Clubs und Bergwachtler

Doch jetzt kündigt sich das Ende an. Im kommenden Frühjahr wird Hans Brandmair seinen Laden schließen. Die Gesundheit geht für den 64-Jährigen natürlich vor. „Und auch der Online-Handel macht es für die kleinen Geschäfte schwierig.“ Der Preisdruck sei enorm und kleine Läden wie sein „Ski- und Sporttreff“ am Siegsdorfer Kardinal-Faulhaber-Platz könnten nicht zu den Bedingungen einkaufen, wie sie für große Ketten gelten. Ja, der Service sei ein Alleinstellungsmerkmal – Wachseln, Kanten schleifen und nicht zuletzt das Fachsimpeln mit den Kunden – „aber das alleine reicht nicht.“

Trotzdem: Stammkundschaft war und ist überlebenswichtig, „und ich hatte sehr treue und gute Stammkunden, auch Freundschaften entwickelten sich“, schaut Brandmair zufrieden zurück. Auch ohne den Rückhalt des Mitarbeiter-Teams oder der Familie wäre es nicht gegangen. Für viele war der „Ski- und Sporttreff“ einfach ein Anlaufpunkt, erzählt der Siegsdorfer, egal ob für Bergwachtler oder Mitglieder der Ski-Abteilungen umliegender Vereine. Sie wussten: Mit Hans Brandmair haben sie einen Gleichgesinnten. Ski alpin, Langlauf, Tourenski und der Service für die „Brettl“ – darauf lag Brandmairs Fokus. Freilich, auch für die Sommersaison am Berg, den Radsport oder das Trailrunning wurde man im „Ski- und Sporttreff“ fündig.

Wie hat sich die Nachfrage über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte verändert? „Alpin-Ski wird immer gefahren“, sagt der Sportladeninhaber, auch wenn es einen Winter lang im Flachland mal eher aper ist. Mehr wetterabhängig sei die Nachfrage dagegen beim Langlauf. „Und der Schwerpunkt hat sich immer mehr auf die Skitouren verlagert.“ Vor allem in der Corona-Zeit hätten sich viele mit Tourenski eingedeckt. „Seitdem ist der Markt übersättigt, weil die Ausrüstung gebraucht wieder in Umlauf kommt.“ Übrigens: Snowboards gab‘s bei Hans Brandmair nie. „Ich wollte immer nur das verkaufen, wovon ich wirklich Ahnung habe.“

„Nur“ das Sportgeschäft wäre einem wie Hans Brandmair aber wahrscheinlich immer zu wenig gewesen. Zusammen mit der Ruhpoldinger Bergwacht führte er Lawinenlehrgänge durch, er organisierte Skitouren-Uphill-Rennen auf den Unternberg oder veranstaltete Filmvorträge für 300 Leute. Den Extremskibergsteiger Benedikt Böhm holte er zum Beispiel in den Siegsdorfer Festsaal oder den blinden Kletterer Andy Holzer. Und über zwei Jahrzehnte, bis 2019, tat sich Brandmair mit 50 Skibegeisterten zusammen. Dann ging es für drei Tage nach St. Moritz: „Für die Leute war das ein Höhepunkt.“

Abverkauf
läuft bereits

Seit 1. Dezember läuft der Abverkauf im „Ski- und Sporttreff“. Alles gibt es um 20 bis 50 Prozent günstiger. „Ich werde schon mit Wehmut zurückschauen, solche Momente kommen sicher“, sagt Brandmair: „Das sind ja alles meine Sportarten. Ich habe das Geschäft immer mit Herzblut gemacht.“ Sechs-Tage-Wochen waren für den 64-Jährigen normal. Künftig bleibt dem Siegsdorfer wieder mehr Zeit für die Familie – und um selbst auf die Ski zu steigen. Vor allem ein paar Touren hat er im Visier, etwa auf den Großvenediger: „Ich war immer schon ein leidenschaftlicher Skifahrer und werde es immer sein.“

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