Zwei Engel für „Charly‘s Inn“
Viel Erfolg wünschten Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber und Sascha Klein vom Gewerbeverein (rechts) beiden neuen Wirten und Besitzern des „Charly's Inn“, Georg Wolf-Sebottendorf (links) und Florian Maier. Fotos Kirchner
Nach monatelanger Schließung feiert die über die Region hinaus bekannte Kneipe „Charly‘s Inn“ in Bernau Wiedereröffnung. Warum die Kneipe für die beiden neuen Besitzer genau wie für Jung und Alt mehr als ein Wohnzimmer ist.
Bernau – Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber zapfte ein Bierfass an, und viele Bernauer verdrückten die eine oder andere Träne: Mit der Wiedereröffnung des Kult-Lokals „Charly‘s Inn“ hat die Gemeinde endlich ihr „Wohnzimmer“ zurück. Zu verdanken ist das den beiden neuen Besitzern Georg Wolf-Sebottendorf und Florian Maier. Die Kindergartenfreunde aus Bernau, in Anlehnung an den berühmten Film „Drei Engel für Charlie“ scherzhaft die „Zwei Engel für Charly“ genannt, hatten die vergangenen Wochen genutzt, um die In-Kneipe aufzuhübschen. Obwohl sie im Hauptberuf eigentlich Immobilienunternehmer und Produktmanager in einer Software-Firma sind.
„Habe hier erstmals
meine Frau geküsst“
Vor 38 Jahren öffneten sich die Pforten von „Charly‘s Inn“ zum ersten Mal. Bis heute hat sich im Innenleben kaum etwas verändert, wie die beiden Teilzeit- Kneipiers bestätigen: „Wir haben die sanitären Anlagen saniert und die Wände angestrichen.“ Ansonsten haftet der Kneipe weiter der Charme eines echten Dorf-Treffpunkts an: dunkelbrauner Holz-Tresen, Barhocker, schummrige Beleuchtung und in der Ecke ein Darts-Spiel. Eine der wenigen echten Neuigkeiten ist freilich die neue Biersorte.
Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber und Gemeinderat Sascha Klein, zugleich Mitglied im Gewerbeverein, gratulierten den beiden neuen Wirten. Auch die zahlreichen Bernauer sowie viele Gäste von nah und fern zeigten sich mehr als glücklich, dass es wieder eine Kneipe mitten im Ort gibt. Noch dazu eine, an die viele Gäste unzählige schöne, traurige, lustige, aufregende und bier- und weinselige Erinnerungen verbinden. „Ich habe hier zum ersten Mal meine Frau geküsst“, erzählt Neu-Besitzer Florian Maier. Heute sind sie glücklich verheiratet und haben ein Kind. Auch andere Gäste können Geschichten erzählen, wer wann mit wem oder was man so alles am Tresen gehört hat.
Die vergangenen Jahre waren schwierig für das „Charly‘s Inn“: Erst gab der Wirt Michael Gellhorn nach 26 Jahren auf, dann strich Nachfolger Chris Rink die Segel. Danach stand die Kneipe einige Monate leer. Schnell waren sich Maier und Wolf-Sebottendorf einig: „Sollen wir sie pachten? Wir brauchen einen Treffpunkt – ohne das Charly’s geht’s nicht.“ Doch irgendwann hieß es dann: „Kaufen oder gar nichts.“ Also kauften sie dank des Kredits einer regionalen Bank und haben es bislang nicht bereut.
„Es ist wie ein Wohnzimmer“, sagte ein Gast am Tresen. „Schön, dass ihr nichts verändert habt.“ Auch die anderen zahlreichen Gäste des Eröffnungsabends äußerten sich ähnlich. Bei ihrer Begrüßung zur offiziellen Eröffnung bedankten sich die beiden Wirte bei allen, die sie bei ihren Plänen und beim Umbau unterstützt haben. „Den 40er packen wir und die nächsten 38 Jahre sicher auch“, prosteten Georg Wolf-Sebottendorf und Florian Maier den Gästen zu.
Die Türen sollen allen offenstehen. „Aber bitte gebt a g’scheids Trinkgeld.“ Die vier jungen Damen hinter der Theke an diesem Abend strahlten bei diesen Worten. Die beiden neuen Besitzer haben viele alte Mitarbeiter vom „Charly‘s Inn“ unter Vertrag genommen – schließlich haben sie einen anderen Hauptjob.
Ein Treffpunkt für
alle Generationen
Wer den Gesprächen der Gäste lauscht, ahnt, dass das „Charly‘s Inn“ sicher wieder der Treffpunkt für Bernauer und Gäste von außerhalb werden wird. „Nach den Gemeinderatssitzungen werden wir öfter zu euch kommen“, versprach Irene Biebl-Daiber als Stammgast seit ihren Jugendjahren und fügte hinzu: „Das Schöne hier ist: Hier gehen 70-Jährige, aber auch 18-Jährige rein und alle haben kein Problem miteinander.“ Einige Gemeinderatsmitglieder, die ebenfalls bei der Eröffnung dabei waren, nickten wohlwollend.
„Du kannst allein hierher kommen und triffst doch immer jemanden“, sagte ein anderer. „Dafür ist das Charly’s ja auch da“, antwortete Florian Maier. Jeden Tag ab 17 Uhr sind die Türen geöffnet. „Wir freuen uns auf euch.“ Die Zeit der Ungewissheit für den beliebtesten Treffpunkt der Einheimischen soll nun zu Ende sein. Wolf-Sebottendorf: „Ich habe auch zwei Söhne – das Ziel ist, dass meine Kinder und der Sohn von Flo das Charly‘s irgendwann übernehmen.“ Dann wären sie tatsächlich die „Drei Engel für Charly‘s Inn“.
Die Damen hinter der Theke hatten bei der Eröffnung alle Hände voll zu tun, aber für ein Foto standen sie gerne bereit.