Traunstein – Der Kreistag hat Dr. Peter Ramsauer und Siegfried Walch in den Kreis der Träger des „Goldenen Ehrenrings des Landkreises Traunstein“ aufgenommen. Landrat Andreas Danzer erinnerte an die bisherigen Träger dieser Auszeichnung: Altlandrat Josef Kiene, der frühere Staatsminister Dr. Dr. Ludwig Huber, der vormalige Kreisheimatpfleger Dr. Paul Toepfner, Altlandrat Leonhard Schmucker, Landtagspräsident a. D. Alois Glück, Altbürgermeister und Vizelandrat Ludwig Schwabl, Altlandrat Jakob Strobl, der verstorbene Papst Benedikt XVI. und Altlandrat Hermann Steinmaßl.
Rarität wird
seit 1969 verliehen
Diese seltene Auszeichnung existiert laut Danzer seit 1969. Sie wurde damals vom Kreistag für „Persönlichkeiten, die sich durch ihr Wirken um den Landkreis Traunstein hervorragend verdient gemacht haben und weit über ihre Amtszeit hinaus Vertrauen und Anerkennung genießen“ gestiftet. Von den bislang neun Geehrten, die teils schon verstorben sind, ließen sich die Altlandräte Jakob Strobl und Hermann Steinmaßl die Teilnahme an der musikalisch von den Geschwistern Hundmayer umrahmten Feierstunde im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes nicht nehmen.
Dr. Peter Ramsauer (71) zählte nach Worten von Landrat Andreas Danzer „über Jahrzehnte hinweg zu den prägenden politischen Stimmen des Landkreises“. Der Geehrte stehe für Verlässlichkeit, politische Erfahrung und Heimatverbundenheit. Dr. Ramsauer sei bereits mit 24 Jahren in den Stadtrat seiner Heimatstadt Traunstein gewählt worden. Diese Erfahrung habe er später so beschrieben: „Eigentlich ist es im Stadtrat doch wie überall.“ Dies zeige, wie sehr Ramsauer „der direkte Austausch mit den Menschen“ immer Kompass und Maßstab geblieben sei. Der Landrat betonte, von 1990 bis zur Konstituierung des neuen Bundestags im März 2025 habe Dr. Ramsauer ununterbrochen dem Bundestag als direkt gewählter Abgeordneter angehört und wichtige Aufgaben als Landesgruppenvorsitzender und Vorsitzender mehrerer Ausschüsse übernommen.
Von 2009 bis 2013 habe er als Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gewirkt und von Berlin aus zahlreiche Projekte im Landkreis Traunstein vorangebracht. Beispiele waren gemäß Danzer die Ortsumfahrung Obing, der Aubergtunnel in Altenmarkt, die Sicherung der Bundesleistungszentren in Inzell und Ruhpolding, die Eisschnelllaufhalle in Inzell und das Biathlonzentrum Ruhpolding. Der Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing sei ein Infrastrukturprojekt von großer wirtschaftlicher Relevanz für das Chemiedreieck gewesen.
Durch seine Unterstützung beim Flächenerwerb aus dem Bundeseisenbahnvermögen habe Dr. Ramsauer eine wesentliche Voraussetzung für den Campus Chiemgau in Traunstein erreicht. Zudem ist Dr. Peter Ramsauer seit über 40 Jahren Mitglied des Kreistags. Der Landrat hob heraus: „Diese außergewöhnliche Kontinuität beweist seine enge Verbundenheit mit der kommunalen Ebene und seinem Heimatlandkreis.“
Mit dem ebenfalls verliehenen Ehrentitel eines „Altlandrats“ fremdelte der frühere Landrat Siegfried Walch (41) ob seines Alters noch sichtlich. Darüber hinaus wurde er als elfter Mann seit 1969 Träger des Goldenen Ehrenrings. Eine Frau wurde damit noch nie ausgezeichnet.
Wie Landrat Andreas Danzer berichtete, stand Siegfried Walch von 2014 bis März 2025 als Landrat an der Spitze des Landkreises. Zuvor war er ab 2008 Mitglied des Kreistags. Mit dem Einzug in den Deutschen Bundestag habe er das Amt des Landrats niedergelegt und vertritt seither den Wahlkreis in Berlin.
100 Millionen Euro
in Schulen investiert
In seiner letzten Kreistagsrede habe Walch seine Grundhaltung so zusammengefasst: „Eine Heimat bewahren, in der die Menschen gut arbeiten, gut lernen, gut leben und gut alt werden können und in der sie sich sicher und zu Hause fühlen.“ Dieses Leitmotiv habe Walchs Amtszeit geprägt. Bildung sei ihm „immer ein besonderes Anliegen“ gewesen. Seit 2014 habe der Landkreis über 100 Millionen Euro in die Schulen investiert. Große Projekte wie die Sanierung des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums, der FOS/BOS und mehrere Neubauten zeugten davon. Weitere Maßnahmen mit einem Umfang von rund 300 Millionen Euro würden derzeit bei Sanierungen in Trostberg und Traunstein, mit dem Neubau der Berufsschule I und dem Zentralgebäude am Campus Chiemgau umgesetzt.
Seit 2022 ist Traunstein zudem offizieller Hochschulstandort. Aktiv vorangetrieben habe Siegfried Walch die umfassende Digitalisierung der Schulen. Dazu Danzer: „Bayernweit spricht man über das Traunsteiner Modell, das die Ausstattung aller Schüler sowie der Lehrkräfte mit entsprechenden Geräten vorsieht.“ Auch im sozialen und ökologischen Bereich seien zentrale Projekte realisiert und ambitionierte Ziele erreicht worden. Beispielhaft nannte der Landrat das Chiemsee-Hospiz in Bernau, das neue Kreisaltenheim Palling, die neue Kurzzeitpflege sowie die „sozialraumorientierte Jugendarbeit“, die Familien frühzeitig und nachhaltig unterstützt. Neben der Arbeit als Landrat habe sich Walch in zahlreichen Gremien überregional für die Kreisinteressen engagiert. Andreas Danzer konstatierte, auch wenn sich „Altlandrat“ für seinen so jungen Mann etwas komisch anhöre, sei der Titel kein Ausdruck für das Lebensalter, sondern für die Verdienste im Amt des Landrats. Beiden Geehrten übermittelte Danzer Dank für ihren „langjährigen Einsatz für unsere Heimat“.
„Respekt vor
anderen Meinungen“
47 Jahre in der Politik „unfallfrei, ohne Skandale und Rücktrittsforderungen“ überstanden zu haben – darüber freute sich Dr. Peter Ramsauer. Er dankte vielen langjährigen Wegbegleitern. Mit einigen habe er unverbrüchliche Freundschaften geschlossen. Er nehme den Goldenen Ehrenring mit großem Dank entgegen. Ohne den Rückhalt in seiner Familie wäre alles nicht möglich gewesen. Die Ehrung sei ihm auch Verpflichtung „zu helfen, wenn ich kann“.
Große Entscheidungen seien immer gemeinsam getroffen worden, meinte Siegfried Walch und äußerte „den Wunsch, dass das so bleibt“. In einer Demokratie sei die Freiheit des Diskurses wichtig, aber auch der „Respekt vor anderen Meinungen“. Demokratie bedeute nicht, zu fordern, sondern sich selbst einzubringen. Mit Staatssekretärin Bärbel Kofler vertrete er den Landkreis Traunstein in Berlin und pflege auch dort vertrauensvolle Zusammenarbeit, schloss Walch.