Kosten zu hoch – Katek-Hochhaus bleibt

von Redaktion

Machbarkeitsstudie stellt Sanierung als gute Variante vor – Gut geeignet für kleine Firmen und Start-ups

Grassau – Vor fünf Jahren hat die Marktgemeinde das ehemalige Katek-Hochgebäude mit dem Areal der Sheddach-Hallen an der Bahnhofstraße erworben. Für eine qualifizierte Bauleitplanung war es der Gemeinde nun wichtig zu eruieren, wie der Bereich in Zukunft überplant werden soll. In einer Machbarkeitsstudie wurde die Wirtschaftlichkeit einer Sanierung im Vergleich zu einem Neubau untersucht. Da das Hochgebäude günstig geschnitten ist und wenige Schadstoffe aufweist, lässt sich eine Sanierung positiv darstellen.

Sanierung kostet
elf Millionen Euro

Um das gesamte Areal sinnvoll und zukunftsfähig entwickeln zu können, hat der Markt Grassau vor fünf Jahren das Gebäude mit den angrenzenden Hallen erworben. Bürgermeister Stefan Kattari informierte, dass sich in den vergangenen Jahren eine intensive Zwischennutzung des fünfstöckigen Gebäudes ergeben hat. Der Abbruch der Sheddach-Hallen ist bereits beschlossen. Eine Prüfung, ob das Hochgebäude erhalten werden kann, wurde, so Kattari, mehrfach gewünscht und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sollte das Hochgebäude nicht erhaltungswürdig sein, könnte in den Plänen ein Baufenster für einen Ersatzbau eingetragen werden. Planer der Firma H&K Ingenieur GmbH gaben hierzu Auskunft.

Das große Gebäude wurde untersucht, ausgemessen und auf eine Schadstoffbelastung hin geprüft. Eine Schadstoffbelastung ließ sich im Bereich des Daches und der Trennwände feststellen. Da die Schadstoffe gebunden sind und nicht austreten können, besteht nur bei einem Rückbau oder Abbruch Handlungsbedarf. Die Planer werteten den offenen und flexiblen Bau mit großen Flächen positiv. Das Haus könnte so umgebaut werden, dass in den beiden unteren Geschossen Werbeflächen bleiben und die oberen Geschosse zu Wohnungen umgestaltet werden, wobei diese über einen Mittelflur erreichbar wären. Das Gebäude könnte zudem durchgängig für Gewerbe umgebaut werden. Würden je Geschoss zwei Gewerbeeinheiten ausgebaut, müssten jedoch weitere Fluchttreppen eingeplant werden.

Bezüglich der Kosten informierte Planer Tim Krist, dass für einen Neubau mit gleicher Kubatur mit rund 15 Millionen Euro zu rechnen sei. Eine komplette Sanierung würde hingegen mit knapp elf Millionen Euro zu Buche schlagen. Beim Neubau werde auch der Abbruch einberechnet; bei der Sanierung sei ebenfalls ein Teilabbruch notwendig und in die Kalkulation einbezogen worden. Ein Vorteil eines Neubaus sei die Gestaltungsfreiheit, da Balkone gleich integriert werden könnten. Im Bestand müssten Balkone vorgesetzt werden. Als Vorteil der Sanierung nannte Krist, dass ein Teilbetrieb während der Baumaßnahmen möglich wäre und das Genehmigungsverfahren schneller und einfacher sei. Zudem wurde auf die Ressourcenschonung und den damit geringeren ökologischen Fußabdruck bei einer Sanierung hingewiesen.

Tim Krist betonte, dass man sich eine Sanierung nicht schönreden dürfe, diese jedoch wesentlich günstiger sei. Eingerechnet wurden ein neues Dach, die komplette Erneuerung von Versorgungsleitungen, neue Fenster, Türen und Außendämmung sowie Trennwände, sodass Neubau und Sanierung den gleichen Standard aufweisen würden. Nur so sei eine Gegenüberstellung der Kosten sinnvoll.

Dr. August Trimpl (CSU) sah die Summen als utopisch an. Ihm sei eine Einschätzung wichtig, ob einfache Reparaturen Sinn machen würden. Für Bürgermeister Kattari ist entscheidend, ob in den Bebauungsplan ein Baufenster mit der jetzigen Gestaltung oder ein freies Baufenster aufgenommen werde. Die Betonsub-stanz des Gebäudes gebe es her, erhalten zu werden. Allerdings stehe der Abbruch der Sheddach-Hallen an. Daher müssten Fernwärme und Strom neu zum Hochgebäude gelegt werden, da die Hauptversorgungsleitungen in den Hallen liegen. Diese Arbeiten, welche die Verlegung der Fernwärme- und Stromleitungen sowie die Schaffung eines Puffers und Trafohäuschens, Maurerarbeiten und die Schließung eines Wanddurchlasses umfassen, werden Kosten von 358.000 Euro verursachen. Das Gebäude, so Bürgermeister Kattari, erfülle sinnvolle Zwecke und biete günstige Gewerbeflächen, die von kleinen Firmen und Start-ups genutzt werden, sowie kulturelle und behördliche Nutzung. Bürgermeister Kattari sagte: „Das Gebäude kann in seiner jetzigen Funktion weiterlaufen.“

Franz Pletschacher (BP) betonte zudem: „Wir stehen nicht unter Zeitdruck.“ Er plädierte ebenfalls für den Fortbestand des Gebäudes. Olaf Gruß (SPD) brachte es auf den Punkt: „Die Kosten sind zu hoch, um in den nächsten 20 Jahren hier etwas zu machen.“ Somit bleibe nur der Erhalt mit der derzeit wertvollen Nutzung.

Richard Schreiner (SPD) sah es ebenfalls als vernünftig an, das Gebäude stehen zu lassen und die notwendigen Investitionen zu tätigen. Tom Göls (CSU) fügte an, dass bei einer Sanierung höhere Mieten verlangt werden müssten, um wirtschaftlich zu sein. Dies wäre wiederum für viele im Gebäude eine Belastung. Folglich sollte es so belassen bleiben.

Für aktuelle Mieter
ändert sich nichts

Schließlich stimmte das komplette Gremium für den Erhalt des Bestandsgebäudes. Ein Kostenansatz von 358.000 Euro für die Verlegung der Strom- und Fernwärmeleitung mit notwendigem Trafohäuschen und Baumeisterarbeiten wurde ebenso festgelegt. Für die vielen Mieter im Gebäude ändert sich mit diesem Beschluss nichts.

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