Kritik an Neubauplänen und drohende Klage

von Redaktion

100 Bürger erscheinen beim Dinner-Konzert im Landgasthof Mesnerwirt und informieren sich über Malerwinkel-Projekt

Gollenshausen – Auf Einladung der Initiativgruppe „Rettet den Malerwinkel“ (RdM) kamen mehr als 100 Bürger zum vorweihnachtlichen Dinner-Konzert mit den Seeoner Jazz-Reminders in den Landgasthof Mesnerwirt. Mit Unterstützung des Umweltschutzverbands Alztal und Umgebung e.V. (UVA) wurde mit musikalischen Einlagen über das Projekt Malerwinkel in der Gemeinde Seeon-Seebruck informiert. Der Saal des von der Gemeinde Gstadt schön renovierten Mesnerwirts war voll belegt. In seiner Moderation betonte Dirk Lupberger eingangs, dass es nicht um die Verhinderung einer sinnvollen Entwicklung des Hotel-Restaurants Malerwinkel geht. Scharfe Kritik besteht aber am bisherigen Planungskonzept, vor allem an der Größe, Ausrichtung und Ausgestaltung des Projekts.

Vor fünf Jahren wurde das immer gewinnbringend laufende Traditionshaus Malerwinkel von der Volks-/Raiffeisenbank Rosenheim erworben und anschließend stillgelegt. Es soll abgebrochen und durch einen vielfach größeren Neubau ersetzt werden. Abweichend vom gültigen Bebauungsplan entwickelte der Investor ein Projekt, das nach Beurteilung seiner Kritiker nicht nur dem Ramsar-, dem FFH- und dem SPA-Schutz zuwiderläuft, sondern auch mit dem Landesentwicklungsprogramm, dem Regionalplan und den Landschaftsschutz-Bestimmungen nicht vereinbar ist. Die Gegner des Projekts befürchten schwere Schäden an Natur und Landschaftsbild sowie negative Folgewirkungen für die Chiemsee-Gemeinden, die bisher auf einen behutsamen und nachhaltigen Tourismus setzen.

Dennoch will der Gemeinderat Seeon-Seebruck trotz Schutzbestimmungen das Projekt voranbringen. Er hat im Frühjahr 2025 einen auf das Vorhaben zugeschnittenen Bebauungsplan gebilligt und in einem zweiten Verfahrensschritt öffentlich ausgelegt. Die dabei eingegangenen Stellungnahmen mit Einwänden von Bürgern und Hinweisen der Fachstellen werden seither von der Gemeinde ausgewertet. Der von Bürgermeister Martin Bartlweber einst genannte Termin für die Fertigstellung bis Jahresende 2025 wird wohl nicht eingehalten.

UVA und RdM rechnen jedenfalls damit, dass die Verabschiedung des Projekts erst im Jahr 2026 erfolgt, dabei wieder alle Einwände und Vorschläge verworfen werden und das Projekt unverändert verabschiedet wird. Dann bleibt nur noch ein gerichtliches Verfahren möglich.

Marion Uber von der Initiativgruppe „Rettet den Malerwinkel“ und Reinhold Schopf als Vorsitzender des Umweltschutzverbands UVA zeigten auf, dass alle bisherigen Bemühungen um eine natur- und strukturschonende Konzeptänderung vergeblich waren. Als spenden- und klageberechtigter Umweltschutzverband bereitet sich der UVA auf ein Normenkontrollverfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof vor, sobald die Gemeinde den Bebauungsplan in Kraft setzt. Die Kosten für dieses Verfahren müssen durch Spenden an den UVA aufgebracht werden. Nach bisherigen Schätzungen fehlen noch etwa 20.000 Euro.

In mehreren Redebeiträgen aus dem Publikum wurde nicht nur das „überdimensionierte, schlecht durchdachte und falsch konzipierte Projekt“ kritisiert, sondern auch der Überzeugung Ausdruck verliehen, dass ausreichend Spenden für eine Klage zur Verhinderung des gegenwärtigen Planungskonzepts zusammenkommen.

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