Grassau – Ein einzelner Mann, ein leerer Kindergarten, ein großer Traum: Im September 1975 öffnete Hans-Josef Crump die Tür zu einem Raum, der zum Ausgangspunkt einer Erfolgsgeschichte werden sollte. Als erster Musikschullehrer stand er allein da und legte den Grundstein für das, was heute die Marktkapelle Grassau ausmacht: 50 aktive Musiker, die „Star Wars“ spielen und international Preise gewinnen.
Gewinner
internationaler Preise
1975 war ein doppeltes Gründungsjahr. Crump eröffnete nicht nur die kommunale Musikschule, sondern formte im selben Atemzug die Marktkapelle Grassau. „Ohne ihn wäre der hohe Stellenwert der Blasmusik in Grassau nicht in dieser Größenordnung vorhanden“, empfindet Tobias Gasteiger, Vorsitzender des Musik- und Gesangvereins Grassau. Was im ehemaligen Kindergarten begann, ist längst zur größten Musikschule im Landkreis Traunstein gewachsen. 1.150 Schüler lernen heute hier. Die meisten durchlaufen eine klare Linie: vom Kinderorchester in die Jugendkapelle und schließlich in die Marktkapelle. Das „Grassauer Modell“ ist eine Erfolgsformel aus Ausbildung und musikalischer Exzellenz.
1995 kam die Stabübergabe. Beim Stefani-Konzert übernahm Wolfgang Diem den Taktstock der Marktkapelle vom Lehrer seiner Jugendjahre Crump. An die „Angst vor der Herausforderung“ erinnert er sich noch heute. „Mein Vorgänger hatte die Messlatte sehr weit oben angesetzt.“ Der damals 31-jährige Diem führte die Kapelle zu internationalen Erfolgen, darunter „Gold mit Auszeichnung“ beim Musikfestival in Decin in Tschechien. Diem blickt stolz auf seine Zeit zurück: „Ein besonderer Klang zeichnet sich dadurch aus, dass er im Forte, aber auch im Piano eine gute Intonation hat.“ Aber es gab auch Rückschläge: Einmal verließen 17 junge Musikanten innerhalb von eineinhalb Jahren den Ort zum Studieren. Doch das Niveau blieb hoch.
Seit Oktober 2022 steht mit Stefan Fußeder ein Dirigent am Pult, der selbst aus Grassau stammt. „Es ist für mich eine große Ehre“, sagt der 44-Jährige. Seine Tochter Antonia, gerade 13 Jahre alt, spielt als jüngste Musikerin bereits in der Kapelle mit. Der Älteste ist 70 Jahre alt. Drei Generationen, verbunden durch die Musik.
Zum Jubiläumsjahr hat sich die Kapelle etwas Besonderes einfallen lassen. Karl Kamml, selbst Schlagzeuger in der Marktkapelle, hat ein Stück komponiert. „Bergwind“ heißt es. Es ist eine Uraufführung, die bei den Stefani-Konzerten am Freitag, 26. Dezember, und Samstag, 27. Dezember, erklingen wird. „Wir haben schöne Stücke aus den letzten 50 Jahren ausgewählt“, erklärt Tobias Gasteiger, der seit 2002 in der Kapelle spielt. Das Programm ist ambitioniert: Das Hauptwerk ist die „Star Wars Saga“. „Ein grandioses Werk, das uns viel abverlangt“, kündigt Dirigent Fußeder an. Dazu kommen viele Solostücke, bei denen die hervorragenden Musiker ihr Können beweisen.
Die Stefani-Konzerte im Hefter-Kultur-Saal sind traditionell ausverkauft. Jeden Donnerstag – außer in den Ferien – probt die Kapelle. Für die Weihnachtskonzerte gibt es Extraproben, Satzproben, einen ganzen Probentag. „Von September bis Dezember ist die Arbeit sehr intensiv“, empfindet Gasteiger.
Trotz aller Erfolge gibt es auch Lücken. „Ich persönlich würde mir sehr Oboe- und Fagott-Nachwuchs wünschen“, sagt Gasteiger. Dirigent Fußeder ergänzt: „Die Blechbläser sind bei uns recht stark in der Überzahl. Über Holzbläser-Nachwuchs würden wir uns sehr freuen.“ Hinter den Kulissen arbeiten etwa zehn aktive Musiker ehrenamtlich an Organisation, Technik und Logistik. „Bisher gibt es immer jemanden, der die Arbeiten übernimmt“, so Gasteiger. Das Miteinander stimmt. Wolfgang Diem hat dafür eine eigene Anekdote: „Nach dem zweiten Stefani-Konzert wurde das Café Diem geöffnet, in dem wir dann die Nacht zum Tag gemacht haben.“ Gemeinschaft also auch neben der Bühne.
Das Jubiläumsjahr 2025 war vollgepackt: mehrere Konzerte, ein Sommerprojekt mit der Tiroler Bundesmusikkapelle Schwoich. Den Abschluss bilden nun die Stefani-Konzerte unter dem Motto „50 Jahre Marktkapelle Grassau“. Und danach? „Genau da, wo sie jetzt ist“, antwortet Gasteiger auf die Frage, wo er die Marktkapelle 2035 sieht. Wolfgang Diem wünscht sich „Nachwuchs-Musiker, die Lust haben, in die Proben zu kommen und die Gemeinschaft zu genießen.“
„Musik bringt
Menschen zusammen“
Am Ende ist es eine Geschichte über mehr als nur Musik. Vom einzelnen Mann im leeren Kindergarten bis zum ausverkauften Kultursaal mit 50 Musikern, die „Star Wars“ spielen. „Musik verbindet“, so Tobias Gasteiger. „Musik bringt Menschen zusammen, ob in den Proben oder in den Konzerten, ob Musikanten oder Zuhörer.“ Das ist die Botschaft, die die Marktkapelle seit 50 Jahren lebt.