Gesucht: Bezahlbarer Wohnraum

von Redaktion

Diskussionsabend mit dem Oberbürgermeister über die angespannte Situation in Traunstein

Traunstein – Ein reger Austausch zur aktuellen Wohnungssituation hat jüngst in Traunstein stattgefunden. Mehr als 80 Bürger nahmen im Bräustüberl an der Veranstaltung teil, zu der der Verein „Henastoibande“ mit dem Seeoner Moderator Holger Eschenmüller eingeladen hatte. Marcel Seehuber, Stadt- und Kreisrat in Altötting sowie Vorstandsmitglied des „Sauriassl Syndikat“, hielt das Impulsreferat. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer, Josef Scharnagl von der Traunsteiner Wohnungsbaugesellschaft (WBG) und Sozialarbeiterin Manuela Sträter von der Wohnungsnotfallhilfe Anthojo in Traunstein trugen zu einem fundierten Erzähl- und Diskussionsabend bei.

Prozesse
anstoßen

Seehuber erklärte das „Sauriassl Syndikat“ als solidarisches Netzwerk aus gemeinschaftlichen und ökologischen Wohnprojekten in der Region um Altötting. „Grundsätzlich sieht sich das Sauriassl Syndikat dem genossenschaftlichen Grundgedanken verpflichtet und dient dazu, notwendige gesellschaftliche Transformationsprozesse – ausgehend vom Wohnen – umzusetzen“, so das Vorstandsmitglied des Syndikats. Über das gemeinschaftliche Wohnen hinaus gehe es um Klimaneutralität, den Aufbau regionaler Versorgungsstrukturen, neue Mobilität, Energieerzeugung, ressourcenschonendes Bauen, Quartiersentwicklung und soziale Gerechtigkeit.

Eschenmüller moderierte Themen wie Leerstand in der Marienstraße oder die Umnutzung von gewerblichen Flächen zu Wohneinheiten. Die Möglichkeiten bei Fremdeigentum seien sehr begrenzt, stellte Oberbürgermeister Hümmer fest. Von Zuhörern kam die Anregung, ein Leerstandskataster für Wohneinheiten zu fertigen, um Druck auf privates Eigentum zu erhöhen. Traunsteins Oberbürgermeister sieht dafür keine Umsetzungsmöglichkeit. Josef Scharnagl berichtete von hundert Wohneinheiten in drei Jahren, die durch die WBG erstellt wurden. Dieser Weg stimme optimistisch für eine bezahlbare Wohnraumsituation. Es herrsche ein Mangel an Sozialwohnungen, da die Anforderungen an einen Wohnberechtigungsschein in der Regel von zu vielen Bewerbern auf zu wenige Wohneinheiten erfüllt werden, erklärte Manuela Sträter.

„Viele unserer Klienten haben einen Wohnberechtigungsschein bei der Stadt Traunstein oder beim Landratsamt beantragt und auch erhalten, jedoch sind die Wartelisten für eine Sozialwohnung sehr lange. Nur selten bekommt jemand einen Wohnungsvorschlag. Wenn es sich um Familien mit mehreren Kindern handelt, ist die Situation nahezu aussichtslos“, sagte die Sozialpädagogin. Für Klienten, die Bürgergeldleistungen oder geringe Renten beziehen, ist es kaum möglich, sich in der Stadt Traunstein eine Wohnung zu leisten. Mehrfach wurden von den Zuhörern Ängste geäußert, dass es mit einem normalen Lohn aus dem Handwerk nicht mehr möglich sein wird, zukünftig noch in der Stadt zu wohnen. „Wer nicht erbt, wird verdrängt“, so ein Traunsteiner Handwerker in Rente.

Bürgermeister Hümmer sagte: „Traunstein steht beim Thema Wohnen vor bedeutenden Aufgaben. Die Bedürfnisse unserer Bevölkerung sind so unterschiedlich wie unsere Stadt selbst: Wir brauchen passenden Wohnraum für Familien, für ältere Menschen, für Alleinstehende – und wir brauchen Angebote, die auch für Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen erreichbar bleiben. Genau daran arbeiten wir mit Nachdruck. Unsere städtische Wohnungsbaugesellschaft ist dabei ein zentraler Partner.“ Diese schaffe seit 2022 verlässlich bezahlbaren Wohnraum, indem sie geförderte Mietwohnungen, moderne Reihenhäuser, generationengerechte und barrierefreie Wohnungen sowie gemeinschaftliche Wohnkonzepte realisiere. „Wir erleben zunehmend Situationen, in denen Menschen in zu großen oder nicht mehr passenden Wohnungen leben oder Mieter aufgrund steigender Lebenshaltungskosten in Schwierigkeiten geraten. Unser Ansatz ist klar: frühzeitig das Gespräch suchen, Unterstützungsangebote machen und faire Lösungen finden – etwa durch Ratenvereinbarungen. Ziel ist es, dass niemand unverschuldet seine Wohnung verliert.“

Kaum Leerstand
in der Stadt

Laut Zensus 2022 liegt die Leerstandsquote in Traunstein Stadt bei lediglich 3,9 Prozent – und damit unter dem bayernweiten Durchschnitt von 4,4 Prozent, dem Landkreis Traunstein mit 4,3 Prozent und vergleichbaren Städten wie Bad Reichenhall mit 4,3 Prozent. „Diese Zahlen zeigen, dass unsere Maßnahmen wirken: Wir nutzen den verfügbaren Wohnraum effizient und sorgen gleichzeitig dafür, dass neuer, bezahlbarer Wohnraum entsteht“, so Hümmer.

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