Mehr Geld für Tourismus

von Redaktion

Für die Saison 2026/27 stehen erstmals 1,1 Millionen Euro bereit

Region – Die „Tourismus-Million“ war seit dem Jahr 2009 eine feste Größe im Haushalt des Landkreises Traunstein. Dieser Betrag erhöht sich nach dem Willen des Kreistags mit Landrat Andreas Danzer in den kommenden zwei Jahren auf 1,1 Millionen Euro pro Jahr und zwischen 2028 und 2030 auf jeweils 1,2 Millionen Euro. Über diesen Fünf-Jahres-Zeitraum hinaus kann der Kreistag gemäß Gesellschaftervertrag mit der für den Bereich Fremdenverkehr zuständigen „Chiemgau GmbH“ keine Entscheidungen treffen. Der Kreistag befürwortete den höheren Zuschuss bei vier Gegenstimmen, unter anderem aus der ÖDP-Fraktion.

Wesentlicher
Wirtschaftsfaktor

Die aktuelle Finanzierungszusage endet mit Ablauf des Jahres 2025, informierte Landrat Andreas Danzer. Der Tourismus sei ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und insbesondere für die südlichen Gemeinden ein wichtiges Standbein. Nach Auskunft der Geschäftsführung der „Chiemgau GmbH“ blieb der Kreiszuschuss für den Tourismus ebenso wie der Anteil der Städte und Gemeinden aus den Übernachtungszahlen seit 16 Jahren unverändert. Die Kosten jedoch seien „um mindestens 50 Prozent“ gestiegen. Trotz aller Maßnahmen, die Effektivität zu steigern, etwa durch Synergieeffekte und Digitalisierung, sei „eine Anpassung der Einnahmesituation erwünscht“, zitierte der Landrat die Geschäftsführung. Vorgeschlagen und von der Gesellschafterversammlung beschlossen sei ein Plus von 20 Prozent beim Kreiszuschuss und bei den Beiträgen pro Übernachtung. Man habe sich in langen und intensiven Gesprächen verständigt, den Zuschuss des Landkreises in zwei Schritten zu steigern – unter der Voraussetzung, dass die Kommunen entsprechend reagieren. Der Landrat informierte, viele Städte und Gemeinden hätten bereits ein positives Signal übermittelt. Danzer weiter: „Wichtig ist, dass die bisher vorhandene Einigkeit zwischen Kommunen und Landkreis erhalten bleibt. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, werden wir auch weiterhin als eine der wichtigsten und bedeutendsten Tourismusregionen in Deutschland wahrgenommen.“

Geschäftsführer Franz Bauer erläuterte Fakten zur „starken Marke Chiemgau“ – mit einheitlichem Auftritt sowohl nach außen als nach innen, einer gesteigerten Wahrnehmung auf dem Markt und dem Aufbau einer Markenidentität. Die entwickelte Dachmarke finde sich inzwischen wieder in den Logos vieler Mitgliedsgemeinden und werde für Standort- und Tourismusmarketing genutzt. Bauer ging auf Landschaft, Lage, Lebensgefühl und Leistung als „prägende Faktoren“ ein. Man wolle sich per Tourismus-Monitoring messen lassen und erfahren, wo man besser werden könne. Bei der Markenbekanntheit sei der Chiemgau 2020 bundesweit bei 74 Prozent gelegen. Zum Vergleich: 2009 betrug er 59 Prozent. Bauer informierte, man wolle 2026 eine neue Studie zum Bekanntheitsgrad anfertigen lassen.

Die Bettenauslastung habe 2024 46 Prozent erreicht gegenüber 33 Prozent im Jahr 2010. Franz Bauer merkte an: „Ein Hotelier würde 46 Prozent als besorgniserregend bezeichnen. Für die hiesige Region ist das aber ein sehr guter Wert.“ Eine gute Steigerung sei auch im Bruttoumsatz durch den Tourismus erzielt worden – von 493 Millionen Euro noch 2014 auf 685 Millionen Euro im Jahr 2024.

Die Übernachtungszahlen hätten sich ebenfalls positiv entwickelt. Gegenüber dem Vorjahr seien von Januar bis September 2025 2,2 Prozent mehr Ankünfte registriert worden. Oberbayern habe nur ein Plus von 0,1 Prozent erreicht. Die Aufenthaltsdauer von 3,8 Tagen bedeute „den besten Wert in Oberbayern“. Auch für den September 2025 hatte der Geschäftsführer Zahlen dabei. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Ankünfte um 4,7 Prozent höher ausgefallen, in Oberbayern um 4,3 Prozent.

„Wir haben große Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung vor uns“, kündigte Franz Bauer an. Derzeit gebe es viele getrennte Systeme, die untereinander nicht kommunizieren könnten, zum Beispiel bei der Gästeanmeldung und der Ausgabe von Gästekarten. Im ÖPNV seien die Regelungen ebenfalls unterschiedlich. Ziel sei „ein digitaler Shop für alle Anwendungen“. Aus diesen Gründen wolle man eine „Digitalisierungsoffensive“ starten. Im Herbst 2025 sei zwischen Mitte August und Ende Oktober bereits eine Online-Kampagne erfolgt. Dabei habe man 8,6 Millionen Kontakte erreicht – bei einem Budgeteinsatz von lediglich 35.500 Euro. Bauer zeigte 30-Sekunden-Spots mit Bildern aus dem Chiemgau, etwa vom Tachinger See. Die Kampagne werde ausgewertet: „Wir kriegen ein Feedback zu den Buchungszahlen.“

Zehn weitere
Cravelbike-Touren

Weiter präsentierte Bauer „zehn neue Cravelbike-Touren“ im ganzen Landkreis ab Frühjahr 2026. Die Routen seien zwischen 45 und 86 Kilometer lang. Die „Tour 10“ namens „Grenzerfahrung“ erstrecke sich über 235 Kilometer. Start sei jeweils an Bahnhöfen. Das Angebot der Cravelbike-Touren habe vor allem im Raum München viele Anhänger, berichtete Bauer.

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