„Normale Preise sind ganz wichtig“

von Redaktion

Insel-Bürgermeister Armin Krämmer kritisiert unzweckmäßige Bewirtschaftung des Gasthauses „Zur Linde“

Fraueninsel Das Gasthaus „Zur Linde“ auf der Fraueninsel ist seit Jahrhunderten eine Institution in der Chiemsee-Region und weit darüber hinaus. Nicht umsonst trägt es die Hausnummer 1. Die Nachricht über die Schließung schlug deshalb nicht nur auf dem kleinen Eiland im bayerischen Meer heftige Wellen. Vor allem beschäftigte viele Menschen die Frage, wie ein Gasthof auf einem der größten Touristen-Magneten in ganz Bayern wirtschaftlich scheitern kann.

Besucher
äußern Kritik

„Die Schifferl sind vom Frühjahr bis zum Herbst brechend voll, ebenso die Fraueninsel. An fehlenden Gästen auf der Insel liegt es definitiv nicht. Service, Qualität und Preis passten halt nicht zusammen. Da hilft auch kein schöner Garten“, schrieb ein User als Kommentar unter den Text zur Schließung. Ein anderer bestätigte diesen Eindruck: „Für die gelieferte Qualität zu teuer. Teile des häufig wechselnden Personals sprechen weder Deutsch noch Englisch.“ Das sind heftige Kritikpunkte an Betreiber Florian Ebner, der das Traditionshaus mit der wechselvollen Geschichte seit 2019 geführt hatte. Der Versuch einer Kontaktaufnahme scheiterte im Wirbel der laufenden Abwicklung, dafür äußerte sich Armin Krämmer zum Thema. Der Insel-Bürgermeister war beim Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung am Rande des Festakts für die Aufnahme der bayerischen Märchenschlösser inklusive Schloss Herrenchiemsee ins Unesco-Welterbe eigentlich in Feierstimmung. Doch beim Thema Linde auf der Fraueninsel trübten sich seine Gesichtszüge ein.

„Die Halbe Bier kostet 6,20 Euro, der Schweinsbraten um die 24 Euro – so kann es nicht weitergehen. Normale Preise sind ganz wichtig – auch Familien oder Normalsterbliche sollen sich das leisten können“, sagte Krämmer. Weitere Kritik am bisherigen Betreiber wollte der Insel-Bürgermeister nicht üben, lobte aber explizit dessen Vorgänger Sebastian Obermeier, der den Gasthof rund 30 Jahre mit großem Erfolg auf der Fraueninsel geführt hatte.

„Herr Obermeier war auch im Gemeinderat und hat sich konstruktiv eingebracht. Wir würden uns wieder einen solchen Wirt wünschen, der tolle gutbürgerliche Küche anbietet und auch abends für die Insulaner geöffnet hat“, so Krämmer. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die Bewerber für den Gasthof auf einer der berühmtesten Inseln Deutschlands stehen Schlange. Namen nennt Krämmer nicht, sagt aber: „Es gab noch gar keine offizielle Ausschreibung, aber ich habe schon mehrere Bewerbungen an die Schlösser- und Seenverwaltung weitergeleitet.“

Konstantin Buchner, der Chef der Schloss- und Gartenverwaltung auf der Herreninsel und daher für die im Eigentum des Freistaates Bayern befindliche Immobilie verantwortlich, verweist auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung auf die Pressestelle der Bayerischen Schlösserverwaltung in München. „Das Gasthaus ,zur Linde‘ soll voraussichtlich zum Jahresende 2025 an die Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee zurückgegeben werden. Sobald die Rückgabe erfolgt ist, wird die Bayerische Schlösserverwaltung ein Interessebekundungsverfahren zur Pächtergewinnung durchführen. Die Vorbereitungen laufen derzeit“, schreibt Florian Schröter von der Pressestelle der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Wiedereröffnung
kann Monate dauern

Und wie lange wird es dauern, bis der Gasthof „Zur Linde“ wieder öffnet? „Das wird alles nicht so einfach. Ich glaube nicht, dass das in zwei, drei Monaten über die Bühne geht“, sagt Krämmer gegenüber der Chiemgau-Zeitung. Zum Glück ist derzeit Nebensaison – es bleibt in jedem Fall spannend beim Drama um eines der berühmtesten Gasthäuser im Chiemgau.

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