Aufstand gegen die Bahn

von Redaktion

Übersee wehrt sich gegen den Abbau der Überdachung – Gemeinderat warnt vor „Corona-Hotspot“

Übersee – Die Gemeinde Übersee wehrt sich in einem offenen Brief an die Deutsche Bahn gegen die geplante fehlende Überdachung der Bahnsteige. Im Rahmen der Generalsanierung der Bahnlinie München-Salzburg soll die Überdachung des historischen Bahnhofs im Jahr 2027 zurückgebaut und durch Wetterschutzhäuschen ersetzt werden.

Räte gegen
Umbaupläne der Bahn

Der Gemeinderat von Übersee befasste sich in mehreren Sitzungen mit dem geplanten Umbau und votierte mehrfach einstimmig dagegen. Bürgermeister Herbert Strauch wurde wiederholt aufgefordert, Einspruch zu erheben. Obwohl Bürgermeister Herbert Strauch betonte, dass die Gemeinde außerhalb der Grundstücksgrenzen wenig Einfluss habe, da das Bauvorhaben von der DB geplant und bezahlt werde, will sich die Gemeinde damit nicht zufriedengeben. Die Gemeinde Übersee verfasste nun einen offenen Brief an die „DB InfraGO AG“, zu Händen von Stephan Uebe, Betreuer der Verkehrsstationen 2.3 Bahnhofmanagement München, Augsburg und Rosenheim.

In dem Brief, den alle anwesenden Gemeinderäte auf der Weihnachtsfeier Mitte Dezember unterschrieben, heißt es wörtlich: „Mit dieser Umplanung besteht kein Einverständnis.“ Die Begründung der Bahn, Übersee habe zu wenige Einstiegszahlen und die Vereinheitlichung der Bahnhöfe diene dem einfacheren Unterhalt, sei den Unterzeichnern bekannt. Weiter heißt es im Schreiben, dass die Überdachungen am Bahnhof, insbesondere die Pfeiler, in den vergangenen Jahren aufwendig und mit großem finanziellem Aufwand durch die Bahn saniert worden seien. Statt diese Pfeiler wieder mit einem ordnungsgemäßen Dach zu versehen, was an anderen Bahnhöfen durchaus üblich sei, sollen in Übersee nur wenige Wetterschutzhäuschen errichtet werden.

„Besonders bei schlechtem Wetter sollen sich in diesen Häuschen oftmals bis zu 100 und mehr Bahnkunden auf engstem Raum zusammenpferchen“, so das Schreiben. Bei Grippewellen oder Zeiten mit vielen Corona-Fällen würden diese Häuschen dann zum „Hotspot“ für weitere Fälle. Auch würden sich in den Sommermonaten diese der Sonne ungeschützt ausgesetzten Häuschen aufheizen und auch bei beginnenden Regenfällen nicht gleich nutzbar sein. „Das Argument, dass der Unterhalt dieser Häuschen einfacher ist, kann von unserer Seite nur verneint werden“, so der Gemeinderat. Vielmehr seien die Häuschen dem Vandalismus weit mehr direkt ausgesetzt, beispielsweise durch eingeschlagene Scheiben und Aufkleber. Dagegen sei ein Dach über dem Bahnsteig diesem Vandalismus nicht ausgesetzt. Da müsse schon jemand einen Pfeiler durchsägen, um an das Dach zu kommen.

Auch zähle das Argument „alle Bahnhöfe gleich“ nicht, denn es gebe auch nach der Sanierung an der Bahnstrecke München-Salzburg Bahnhöfe, die ein Dach haben werden. Der Landkreis Traunstein plane einen Anschluss an den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV). Die Erfahrung aus anderen Verkehrsverbundkommunen zeige, dass das Bahnfahren wegen der dann geltenden Preise attraktiver werde und somit auch mit steigenden Einstiegszahlen für Übersee zu rechnen sei.

100 Personen
in einem Häuschen

„Wir fordern deshalb, auch im Namen der vielen Bahnkunden auch für Übersee die Sanierung des Daches über den Bahnsteigen, statt der geplanten Wetterschutzhäuschen“, heißt es abschließend. Dieses Schreiben schickte die Gemeinde mit den Unterschriften der Gemeinderäte nicht nur an die Presse mit der Bitte um Verbreitung, sondern auch an die regionalen Land- und Bundestagsabgeordneten zur Kenntnis und mit der Bitte um Unterstützung der gemeindlichen Forderung.

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