Landkreis Traunstein – Politisch war es an der Spitze des Landratsamtes ein turbulentes Jahr 2025: Siegfried Walch (CSU) verabschiedete sich im Februar von seinem Posten als Landrat. Er gewann bei der Bundestagswahl das Direktmandat des Wahlkreises Traunstein-Berchtesgadener Land und bekam in Berlin die Funktion des innenpolitischen Sprechers der CSU-Landesgruppe. Bis ein neuer Landrat gefunden werden konnte, war wieder sein erfahrener Stellvertreter Sepp Konhäuser (SPD) an der Reihe.
Knallharte
Sachpolitik
„Mein besonderer Dank gilt Sepp Konhäuser, der in der Phase zwischen Ende März und Anfang Juli als gewählter Stellvertreter die Amtsgeschäfte geführt hat“, betonte auch Andreas Danzer (Freie Wähler) in seiner Jahresabschlussrede in der jüngsten Kreistagssitzung. Nach Walchs Wechsel in den Bundestag folgte zuerst ein intensiver Wahlkampf. Das Bewerberfeld um den Posten des Traunsteiner Landrats war groß wie nie: Gleich zehn Männer und eine Frau wollten an die Spitze des Landratsamtes, neun wurden zum ersten Wahlgang am 29. Juni zugelassen. Zuerst war noch CSU-Kandidat Martin Lackner vorn, doch in der Stichwahl zwei Wochen später konnte Danzer den Spieß umdrehen – und wie. Der Grabenstätter konnte seine Stimmenzahl mehr als verdoppeln und kam auf 54,6 Prozent. „Ein intensives Jahr liegt hinter uns“, zog der neue Landrat im Kreistag ein erstes Fazit. Man merkte seiner Rede an: Jetzt geht es um knallharte Sachpolitik. Das Jahr habe den Landkreis politisch und finanziell stärker gefordert, als man es gewohnt sei, so Andreas Danzer: „Viele Entwicklungen, die uns begleiten – etwa steigende Sozialausgaben und wachsende Anforderungen in der Jugendhilfe – betreffen alle Landkreise. Sie entstehen nicht durch lokales Fehlverhalten, sondern durch veränderte strukturelle Rahmenbedingungen.“ Und die gesetzlichen und finanziellen Rahmen seien eng.
Danzer versuchte in seiner Jahresabschlussrede, die Kommunen mit ins Boot zu holen. Keine Kreispolitik gegen sie, aber auch gegenseitiges Verständnis. Eins seiner im Wahlkampf ausgegebenen Ziele war schließlich, die Kreisumlage, die die Kommunen an den Landkreis zahlen, wieder auf 50 Punkte zu senken. Jetzt sprach Danzer von „anspruchsvollen Haushaltsberatungen“. Man stehe „gemeinsam in der Verantwortung“. Die Zukunft des Landkreises müsse „mit Augenmaß gestaltet werden“, die Bedürfnisse von Gemeinden und Bürgern habe man im Blick zu behalten. Heißt: Der Landkreis muss handlungsfähig bleiben und die Gemeinden müssen ihre Leistungen sichern können – und der kommende Haushalt soll beides verbinden.
„Manchmal erinnert mich unsere Arbeit an eine Seilschaft am Berg: Jeder geht seinen eigenen Schritt, aber verbunden sind wir alle. Und gerade dort, wo der Weg steiler wird, kommt es auf jeden Griff, jede Sicherung und jeden Kameraden an“, so Andreas Danzer. Sein Versprechen: weitere Investitionen in den kommenden Jahren. In die Schulen des Landkreises, in den Campus Chiemgau, in soziale Strukturen, Mobilität und die Infrastruktur der Zukunft. Danzer weiter: „Wir sind eine kommunale Familie, mit unterschiedlichen Blickwinkeln, aber mit einem gemeinsamen Ziel – den Menschen in unserer Heimat Verlässlichkeit, Sicherheit und Zukunftsperspektiven zu bieten.“
Danzer bleibt
bis 2032 Landrat
Den Kommunalwahlen am 8. März kommenden Jahres kann der neue Landrat bekanntermaßen entspannt entgegensehen. Danzer bleibt im Amt bis 2032. Neu gewählt wird hingegen der Kreistag. Bei den jüngsten Wahlen 2020 erreichte die CSU 39,3 Prozent und die Grünen 18,9 Prozent. Die Freien Wähler landeten bei 13,3 Prozent und die SPD bei 9,3 Prozent. Alle anderen Parteien verblieben unter fünf Prozent, jedoch gibt es bei den Kreistagswahlen keine Hürde wie im Bundestag. Entsprechend haben auch Bayernpartei, ÖDP, Die Linke, FDP, AfD und die Junge Liste Vertreter im Traunsteiner Kreistag. Auch die Wahl der Bürgermeister sowie der Gemeinde- und Stadträte steht am 8. März 2026 an.