In Lederhosen um die Welt

von Redaktion

Horst Winter aus Grassau bereist seit 60 Jahren die Welt. Nun hat der 75-jährige Inhaber des Chiemgauer Reisebüros ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben. Darin blickt er auf eine Lebensreise zurück, die ihn bis nach Australien und wieder zurück in die Heimat führte

Grassau – Horst Winter, ein Träumer und Geschäftsmann, folgt mit 75 Jahren noch immer dem Zauber der Welt. Seit 60 Jahren bereist er den Globus und verwirklicht den Kunden seines Reisebüros ihre Träume. Kürzlich hat er ein Buch geschrieben, das weit mehr als nur ums Reisen geht. Die Erkenntnis, dass ein Menschenleben zu kurz ist, um all die Schönheiten, Geheimnisse und Wunder unserer Erde wirklich zu begreifen, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Autobiografie. Unter dem Titel „Die Reise meines Lebens – Life is a journey“ blickt der 75-jährige Grassauer auf 232 Seiten und mit vielen Bildern auf sechs Jahrzehnte „On Tour“ zurück – auf ein Leben, das ihn vom Chiemgau bis nach Australien und wieder zurück geführt hat.

Vom Chiemgau
in die weite Welt

Seine Kindheit in den 1950er-Jahren in Grassau lehrte Winter früh, was Freiheit bedeutet und was sie kosten kann. Als Bub musste er wegen Schwarzfischens mit einer Haselnussrute einen Tag in der Grassauer Wache verbringen. „Jemand hatte uns verpfiffen“, erinnert er sich. Diese prägende Erfahrung in einer Zeit strenger Regeln weckte in ihm den stetig wachsenden Wunsch nach Ausbruch.

Mit 15 Jahren unternahm er seine erste große Reise, die für die damalige Zeit alles andere als selbstverständlich war. Gemeinsam mit seiner Mutter fuhr er zum Bahnhof Übersee, wo sie eine Fahrkarte nach Eckernförde an der Ostsee kaufte – zumindest dachte sie das. Tatsächlich war das Ticket nur bis Bernau gültig. Dort endete die Zugfahrt. Für den jungen Horst in Lederhose begann sie erst: Per Autostopp ging es kurzerhand weiter Richtung Norden.

Die Lederhose wurde bald zu seinem Markenzeichen. „Sie war die Lizenz für die freie Fahrt“, schreibt Winter. Per Anhalter erkundete er Europa, von Stockholm über London bis Paris. Dass es dabei nicht immer bequem zuging, verschweigt er nicht. Einmal strandete er nachts in Schweden an einer Kreuzung, ohne Unterkunft. Er legte sich an den Straßenrand. Doch auch hier half die Tracht: Ein Passant, damals schon Chiemgau-Urlauber, erkannte die Lederhose und bot ihm ein Zimmer an. Begegnungen wie diese prägten Horst Winter nachhaltig.

Mit 19 Jahren zog es Winter noch weiter hinaus: auf der „SS Australis“ von Bremerhaven nach Australien. Fünf Wochen dauerte die Seereise, ein Orkan brachte Schiff und Passagiere in ernste Gefahr. In Melbourne kaufte er sich einen VW-Bus, schlief darin und hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

„Oft kam ich mit dem Schrecken davon“, sagt er heute. „Aber am Ende ging es immer gut.“ Als er in Australien zum Kriegsdienst nach Vietnam eingezogen werden sollte, flüchtete Winter nach Neuseeland. „Drei Jahre war ich dann dort. Damals habe ich schon von einem eigenen Reisebüro geträumt“, sagt er und zeigt auf einen Zeitungsausschnitt aus 1971, der ihn in Lederhose und mit Hut zeigt. Unter dem Titel „Happy Bavarian Wanderer on visit“ berichtete damals eine neuseeländische Zeitung über Winters lange Reise und seinen Wunsch.

Trotz aller Abenteuer verlor Winter seine Heimat nie aus den Augen. Nach einer Banklehre, zahlreichen Reisen und Stationen in der Reisebranche erfüllte er sich seinen Lebenstraum: die Gründung des Chiemgauer Reisebüros. Seit 1979 bis heute berät er dort Kunden. „Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen“, lautet einer seiner Leitsätze. Privat fand der umtriebige Grassauer sein Glück ebenfalls unterwegs: 1983 lernte er seine Frau Carla auf einem Flug von Frankfurt nach New York kennen. Beide arbeiteten damals in Reisebüros, beide waren dienstlich unterwegs. Eine Begegnung, die Bleibendes geschaffen hat.

Das Paradies
liegt im Herzen

Was seine schönste Reise war? Winter zögert. In 60 Jahren habe er Tausende unternommen. Lange habe er nach dem Paradies gesucht, sagt er. „Heute weiß ich: Ich habe es gefunden – in meinem Herzen.“ Entscheidend seien die Menschen, die Begegnungen, das, was man mitnehme. Jede Reise habe ihren eigenen Zauber. Diesen Zauber will er mit Reiseangeboten und mit seinem Buch auch heute noch weitergeben. Er ist überzeugt: „Träume bleiben wichtig. Solange Neugier und Entdeckerlust in einem wohnen, bleibt man jung.“ Er selber lässt auch nicht locker. „Bis zum letzten Schnaufer“ wolle er Menschen entdecken. Denn, so der 75-Jährige lächelnd: „Das Leben ist einfach zu kurz, um Zeit zu verschwenden.“

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