Unterwössen – Die Pianistin Lei Meng gab einen Benefiz-Klavierabend in der Achentalhalle Unterwössen. Lei Meng, die 2017 an der Musikschule in Grassau zu unterrichten begann und inzwischen zur Professorin an der Universität Mozarteum in Salzburg berufen wurde, hält der Musikschule in Grassau die Treue. Der Kontakt zu Kindern an der „musikalischen Basis“ sei für sie und ihre Arbeit an der Universität sehr wertvoll und zudem schätze sie die kollegiale Atmosphäre in Grassau sehr. Durch die Verbindung der Pianistin zum Achental konnte das Publikum erneut ein Klavierrezital hören.
Lei Meng eröffnete den Abend mit den rasanten Kopfsätzen der frühen Sonate op. 10,3 und der Waldsteinsonate aus der mittleren Schaffensperiode Ludwig van Beethovens. Die Pianistin gestaltete die schnellen Wechsel zwischen zarten Stellen und emotionalen Ausbrüchen in Intensität und Timing perfekt. Dies zeigte sich als roter Faden durch alle Stücke im Programm: Lei Meng kann buchstäblich jeden Ton im Kleinen gestalten und dabei ebenso den großen Bogen spannen.
Dies bewies sie am beeindruckendsten mit den großen Werken des Abends: der Fantasie C-Dur von Robert Schumann und der Chaconne für Solovioline von Johann Sebastian Bach, die Ferruccio Busoni Ende des 19. Jahrhunderts für Klavier umschrieb. Lei Mengs Anschlag entlockte dem Klavier eine immense Vielzahl an Klangfarben. Dadurch verlieh sie vor allem der virtuosen Chaconne, die oft so dick aufgetragen interpretiert wird, eine luzide und feine Struktur. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Aria aus der Pastorella von Bach und das Allegretto c-Moll von Franz Schubert: Zwei Preziosen, mit deren Innigkeit die Künstlerin das Publikum bannte. Nach dem jeweils letzten Ton herrschte absolute Stille.
Das Konzert kann an einen lauen Frühlingsabend denken lassen, wenn Lei Meng Robert Schumanns Arabeske op. 18 spielt. Dies gelingt, wenn diese „Frühlingsfarben“ dem Instrument zu entlocken sind; in diesem Fall ist das der Bösendorfer-Flügel, der 2023 zur Gänze von der Karl und Erna Eigner-Stiftung finanziert wurde. Eben für diese Stiftung spielte Lei Meng dieses Benefizkonzert, wodurch sich ein Kreis schloss.
Musikschulleiter Wolfgang Diem nennt das Zusammenwirken aller „einen Glücksfall“, denn durch die Förderung der Stiftung und den Einsatz, den Künstler wie Lei Meng zeigen, profitieren Schüler der Musikschule ebenso wie die Bevölkerung des Achentals. Eine „blühende Kulturlandschaft“ sei das, sagt Diem, und er hat recht.
Gut 100 Leute gingen an diesem Abend gleichermaßen beeindruckt wie beseelt aus der Achentalhalle in eine Dezembernacht und dachten vielleicht schon ein wenig an ein blühendes Maiglöckchen.