Monika Reiter schneidert seit 50 Jahren

von Redaktion

Bernauer Obermeisterin (75) schneidert Robe des Märchenkönigs und Rennanzüge der Faschingsgilde

Bernau – Mit ihrem außergewöhnlichen Sondermodell „Weihnachtscouture“ setzt Monika Reiter, Obermeisterin der Maßschneiderinnung Stadt und Landkreis Rosenheim, ein kraftvolles Zeichen für Kreativität, Handwerkskunst und weihnachtliche Inspiration. Die kunstvolle Kreation in Bernau verbindet traditionelles Schneiderhandwerk mit saisonaler Eleganz.

Vielseitiges
Traditionshandwerk

Ein Kleid aus frischem Tannengrün, dekoriert mit goldenen Kugeln und vollendet durch eine leuchtend rote Schleife, formt eine festliche Silhouette, die Passanten sofort in den Bann zieht. Das Oberteil aus klassischem rotem Schottenkaro steht für die handwerkliche Präzision und die Liebe zum Detail, die das Maßschneiderhandwerk auszeichnet.

Noch immer ist es der 75-jährigen Obermeisterin ein wichtiges Anliegen, zu zeigen, wie vielseitig und modern das traditionelle Schneiderhandwerk heute sein kann und wie man den öffentlichen Raum, hier unter anderem ihren Hauseingang, durch kreative Gestaltung bereichern und inszenieren kann. Das Zunftzeichen bestätigt es: Modeatelier und Damenschneidermeisterin, Haute Couture und Trachten. Nächstes Jahr feiert sie fünfzig Jahre Meistertitel.

Schneider gibt es viele, sagt sie, aber ob die alle als Handwerker gemeldet sind, wagt sie zu bezweifeln. Der Meisterbetrieb in der Innung, das ist dann die Kür. „Vor dreißig Jahren waren wir noch vierzig Schneidermeister in Stadt und Landkreis, heute sind wir nur noch rund zwölf“, seufzt Monika Reiter. Obermeisterin ist sie seit über zehn Jahren. Mit dem Titel geht sie zwar nicht hausieren, aber die Zugehörigkeit zur Innung ist ihr wichtig. „Wir in der Maßschneiderinnung sind eine Gemeinschaft aus Maßschneiderinnen und Maßschneidern. Unser Fokus liegt auf Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung, anstatt auf Konkurrenzdenken. Gemeinsam streben wir danach, die Gemeinschaft und unser Handwerk zu fördern und in der Region sichtbar zu machen.“

Als Teil der Handwerksorganisation vertritt die Innung die Interessen ihrer Mitglieder, bietet eine Plattform für Austausch und stärkt die Sichtbarkeit der traditionsreichen Kunst des Maßschneiderns in der Region. Deshalb wirbt Reiter um weitere Mitglieder. Die Innung organisiert unter anderem Ausflüge, Messeauftritte und Veranstaltungen, bei denen ihre Mitglieder ihr Handwerk präsentieren und neue Kontakte knüpfen können, und unterstützt in fachlichen und unternehmerischen Belangen.

Sie wuchs in Freiburg im Breisgau auf, ließ sich in München zur Schneiderin und zur Directrice bei Italmoden Borelli ausbilden, machte dann ihren Meister und gründete vor knapp fünfzig Jahren ihren eigenen Betrieb. Mit dem zog sie der Liebe wegen nach Bernau und ist dort geblieben. Viele Frauen und Männer hat sie eingekleidet, seien es Brautkleider, Trachtenmode oder Anlasskleidung, wie es so schön auf Schneider-Deutsch heißt.

Ein besonderer Auftrag war, im Auftrag des Landratsamtes Rosenheim, anlässlich 125 Jahre König Ludwig II auf der Herreninsel im Jahr 2011, die Robe des Märchenkönigs nachzuschneidern. Im Schloss durfte sie dafür Aufzeichnungen machen, die Handschuhe wurden selbstverständlich bei Roeckl, dem königlichen Hoflieferanten zu München, bestellt, und die Knöpfe waren original gehämmert.

Ihre Stoffe bezieht sie in Augsburg, einem Studio, in dem man nur als Betrieb mit Termin einkaufen darf. „Da kauft die Mailänder Scala, das Nationaltheater ein, und ich!“ Spitzbübisch lächelt Monika Reiter. Ein bisschen Stolz klingt schon auch durch, aber bei über fünfzig Jahren eigener Maßschneiderei und Innungszugehörigkeit darf man das schon sein.

Seit über zwanzig Jahren hat sie noch ein weiteres Betätigungsfeld: Die Faschingsgilde Mangfalltal will und muss perfekt eingekleidet sein. Und das bedeutet bis auf wenige Wochen Urlaub im August viel, viel Arbeit, denn es gilt nicht nur die Kinder- und die große Garde einzukleiden, sondern auch das Kinder- und das Prinzenpaar. Jedes Jahr ein neues Motto, das sie, die Grande Dame der Schneiderkunst, umzusetzen weiß und für das sie tief in ihre Ideenkiste greift. Im vergangenen Jahr war das Motto „Racing Team“. Die Rennanzüge trugen sogar den Schriftzug Red Bull. Dafür hat sie bei Red Bull nachgefragt, ob sie das Logo verwenden dürfe. Sie durfte es.

Auch bei Bernaus
Jubiläum ist sie dabei

Monika Reiter legt großen Wert darauf, dass alle Materialien farblich abgestimmt sind und dass bis zum großen Auftritt beim Krönungsball alles passt, sitzt und jede Bewegung mitmacht. Der meiste Stoff geht für das Prinzessinnenkleid drauf: „Da schwingen locker bis zu neun Meter Stoff.“

Noch immer ist sie voller kreativer Ideen. Selbst für das 1.100-jährige Jubiläum Bernaus hat sie sich schon gemeinsam mit Künstlerin Dr. Corinna Brandl einiges überlegt. „Aber das ist noch top secret.“

Artikel 11 von 11