Lebenswerk in Maß und Stil: Haute Couture aus Prien

von Redaktion

Maßschneidermeisterin Gerdi Westermeyr wird heute 90 Jahre alt

Prien – Elegant von Kopf bis Fuß: Das ist Maßschneidermeisterin Gerdi Westermeyr, die am heutigen Montag ihren 90. Geburtstag feiert. Vor über 65 Jahren gründete sie in Prien ihr eigenes Atelier. Bis heute ist sie noch immer ab und an in ihrem Atelier und Fachgeschäft in der Priener Jensenstraße anzutreffen. Ihr Gespür für Farben, der richtige Schnitt und Sitz, edle Materialien sowie die individuelle, stilsichere und persönliche Beratung beim Kleiderkauf beherrscht sie auch im stolzen Alter.

Gerdi Westermeyr, die im Jahr 1935 in München das Licht der Welt erblickte, lernte das Schneiderhandwerk bei einem bekannten Modesalon in München. Im Jahr 1958 legte sie ihre Meisterprüfung ab und gründete schließlich in Prien ihr eigenes Atelier und Fachgeschäft. Daneben bekleidete sie jahrzehntelang verschiedene Ehrenämter. Sie war unter anderem Obermeisterin der Damenschneider-Innung Rosenheim Stadt/Land und Ebersberg, Vorsitzende im Bundesverband des Maßschneiderhandwerks sowie Präsidentin des Deutschen Mode-Instituts. Zudem saß sie im Vorstand der Handwerkskammer für München und Oberbayern und als Vertreterin des Handwerks im Bayerischen Senat. Für ihr Engagement erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, den Bayerischen Verdienstorden und die Ehrenurkunde der Handwerkskammer für ihr „beeindruckendes Lebenswerk“, wie der damalige Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Laudator Bernd Lenze, betonte. Zahlreiche Fotos mit Prominenten zieren ihr Atelier, darunter Aufnahmen mit Politikern, Schauspielern und Priener Faschingsprinzen. Dazwischen hängt auch ein kleines Foto, das sie in einer wunderschönen Tracht zeigt. „Für bodenständige Tracht bin ich sehr aufgeschlossen“, sagte die Schneidermeisterin. Dies führte dazu, dass sie in den 90er-Jahren eine eigene Trachtenklasse an der Münchener Mode-Schule gründete.

Die Maßschneiderei versteht sie als ein Handwerk, das viel Liebe zum Detail verlangt. Ein Beispiel hierfür ist das roséfarbene Abendkleid mit Perlengehängen, bei dem „wir noch von Hand die Stiftperlen aufgefädelt und aufgenäht“ haben. Dieses Kleid hat sie dem Deutschen Modemuseum gestiftet und es ist dort noch heute zu bewundern.

Wichtiger als Mode und die Maßschneiderei ist ihr jedoch die Familie. Ihr Mann Oskar, der vor zehn Jahren verstarb, war ihr Ein und Alles. „Ich habe ihn beim Wandern mit dem Alpenverein kennengelernt“, erzählte sie. Gemeinsam waren sie bis ins hohe Alter in den Bergen unterwegs. Er war es auch, der sie bei allen Unternehmungen unterstützte und ihr den Rücken stärkte. Nun begleiten sie ihre zwei Kinder – Sohn Laurent ist Rechtsanwalt, Tochter Sabine führt mittlerweile den Familienbetrieb als Nachfolgerin – und vier Enkel. Nicht nur die Familie, sondern auch der große, treue Kundenstamm, der bei den beiden Damen Westermeyr ein- und ausgeht, gratuliert der Grande Dame der Maßschneiderkunst herzlich zum 90. Geburtstag. Elisabeth Kirchner

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