Schaurig-schönes Spektakel

von Redaktion

Dritter Traunsteiner Perchtenlauf mit zehn Gruppen aus Deutschland und Österreich

Traunstein – Beim dritten Traunsteiner Perchtenlauf im Stadtzentrum boten zehn Gruppen ein eindrucksvolles Spektakel. Es ist wohl diese Mischung aus wohligem Gruseln, Respekt und Faszination, die die Anziehungskraft der Perchtenläufe ausmacht. Die besondere Atmosphäre und Attraktion, wenn wilde, zähnefletschende und vielfach gehörnte Gestalten in Felle gehüllt mit ohrenbetäubendem Glocken- und Schellengeläut durch die kalte Winternacht ziehen, war auch auf dem Stadtplatz zu spüren. Organisiert von den Dobe Boch Deifen aus Waging am See, sorgten insgesamt zehn Gruppen aus dem südostbayerischen und salzburgisch-oberösterreichischen Grenzland sowie aus Tirol für ein besonderes Spektakel auf dem Christkindlmarkt.

Dämonen
und Unholde

In früheren Zeiten glaubte man, den bösen Geistern, Dämonen und Unholden, die speziell in den Raunächten um die Jahreswende ihr Unheil treiben, wirksam entgegentreten zu können, indem man sich in grauenvolle und furchterregende Masken hüllte und ihnen so entgegentrat. Die abschreckende Wirkung sollte die bösen Geister vertreiben und wieder Licht ins Land bringen. Ebenso sollte das Schlagen mit den Ruten böse Energien und Kräfte vertreiben. Umgekehrt sagte man den Besen der begleitenden Hexen sogar glücksbringende Kräfte nach, wenn sie einem über die Füße streiften.

Die Vielzahl neu gegründeter Passen und Perchtengruppen in den vergangenen Jahren deutet auf eine Renaissance und ein neues Interesse an dem alten Brauchtum hin. Gerade in Traunstein ließen sich dabei auch die unterschiedlichen Gestalten studieren, die im Gefolge der Frau Perchta und ihrer „Wilden Jagd“ einst durch die Lande zogen und Schrecken verbreiteten. Frau Perchta zeigte sich dabei als doppelgesichtige Sagengestalt sowohl als gütige Belohnerin als auch als furchterregende Bestraferin. Eher als furchteinflößende Unheilbringerin, die angeblich sogar die Kinder mit sich nimmt, trat die ziegengesichtige Habergoaß auf. Nicht weniger eindrucksvoll präsentierten sich beim Perchtenlauf über den Christkindlmarkt auch verschiedene Schiachperchten mit ihren zum Teil schon sehr alten, geschnitzten Holzmasken, Kraxenmandl und Waldmandl, eine Vielzahl von Hexen mit zum Teil im Dunkel glühenden Augen sowie Bären, Dachs und eine schweinsgesichtige Figur.

Vom Hofbräuhaus aus zogen die wilden Gestalten unter großem Hallo durch enge Zuschauergassen zur Bühne auf dem Christkindlmarkt, wo die einzelnen Gruppen vorgestellt wurden, und wieder zurück zum Hofbräuhaus. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit zu Schnappschüssen. Auch die Kinder hatten viel Spaß, wenngleich manche verschreckten „Minis“ mit ihren Eltern im Kaufhaus Unterforsthuber Zuflucht suchten. Im Unterschied zu anderen Orten, wo die Unholde durchaus auch einmal sehr schlagkräftig zulangen, lief der Perchtenlauf in Traunstein sehr friedlich ab.

Von Laufen bis
Wildschönau

Neben den Dobe Boch Deifen als Veranstalter waren folgende Gruppen mit dabei: die Abtsee Teufel aus Laufen, die Wörgötter Pass aus Bad Reichenhall, die Freilassinger Erzteufel, die Kienberg Pass, die Hex’nkessel Deifen aus Kirchanschöring, die Brauchtumsgruppe Davao Pass aus Oberndorf, D’Egglsberger Perchten aus Oberösterreich, die Narus Pass Wildschönau aus Tirol und die St. Kolomaner Perchten aus dem Salzburger Land.

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