Museum Prien zeigt kostbare Andachtsbilder

von Redaktion

Die Ausstellung „Fein geschnitten“ startet am 26. Dezember und läuft bis Mitte Januar

Prien – Besondere Spitzenbilder stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Weihnachtsausstellung im Museum Prien, die unter dem Titel „Fein geschnitten“ gezeigt wird.

Die Schau präsentiert historische Pergamentschnitte der Volkskunst, die laut Museum zu den kostbarsten Formen kleiner Andachtsbilder zählen und vor allem in Frauenklöstern entstanden sind. Die Ausstellung ist ab Freitag, 26. Dezember, bis Sonntag, 11. Januar 2026, täglich von 13 bis 17 Uhr am Valdagnoplatz 2 zu sehen.

Die kleinen Andachtsbilder haben sich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Frauenklöstern entwickelt. Sie gingen aus dem Bedürfnis hervor, religiöse Darstellungen persönlich zu besitzen, beispielsweise als Schmuckeinlage im Gebetbuch, und sie mit sich zu tragen.

Zunächst wurden die Bildchen von Hand kleinformatig auf Pergament, Papier oder Stoff gemalt. Typische Motive waren das Jesuskind, die Passion Christi, die Gottesmutter Maria und verschiedene Heilige. Der persönlichen Volksfrömmigkeit entsprechend fanden sich auch einfache Zeichen wie Kreuze, Christus- und Marienmonogramme sowie Kopien bekannter Gnadenbilder.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden im flämischen Raum und in Städten wie Augsburg aufwendige Papierschnittbilder, die sogenannten Spitzenbilder. Diese eigenständige Kunstform wurde im profanen Kunstbereich entwickelt und mit hohen, teils dreistelligen Summen bezahlt. Über mehr als ein Jahrhundert galten Spitzenbilder als Luxusgegenstand, der vor allem im Klerus, beim Adel und in der gehobenen Bürgerschaft verbreitet war.

Um 1700 übernahmen auch Klöster diese Technik. Bis heute ist nach Angaben des Museums ungeklärt, in welchem Umfang solche Papierschnitte außerhalb der Klöster in Heimarbeit von Briefmalern gefertigt wurden und ob der Spitzenschnitt nicht ebenfalls in Männerorden praktiziert wurde. Kennzeichnend für die Andachtsbilder, die häufig an hochgestellte Persönlichkeiten verschenkt wurden, ist, dass sie mit Stichel und sehr feinen Klingen, möglicherweise auch mit Scheren, aus dem Pergament geschnitten wurden. Die genauen Arbeitstechniken gelten heute weitgehend als verloren.

Offen bleibt zudem, inwieweit bereits im 18. Jahrhundert Modeln für die Spitzenbilder verwendet wurden; ein solches, aus den erhaltenen Arbeiten anzunehmendes Model hat sich nicht erhalten. Selbst grundlegende Fragen, beispielsweise auf welchem Untergrund – möglicherweise hartem Leder – gearbeitet und geschnitten wurde, sind bislang nicht abschließend beantwortet.

Während sich die Herstellungsorte vieler sogenannter Klosterarbeiten heute bestimmten Konventen wie Reutberg bei Bad Tölz, Oberschönenfeld bei Augsburg oder St. Walburg in Eichstätt zuordnen lassen, konnten die Spitzenbilder bislang keinen konkreten Klöstern zugewiesen werden. Auch die Datierung erweist sich als schwierig, da überlieferte Formen im 18. Jahrhundert formal weitgehend beibehalten wurden. Mit der Auflösung zahlreicher Klöster um 1800 und der Möglichkeit, Spitzenbilder ab etwa 1840 mittels Stanzen maschinell zu produzieren, verschwand diese außergewöhnliche und wohl auch meditative Kunstpraxis weitgehend.

Heute zählen die Spitzenbilder nach Angaben des Museums zu den gefragten Objekten der Volkskunst. Die Ausstellung „Fein geschnitten“ im Museum Prien will diese seltene Kunstform als besondere Weihnachtsüberraschung einem breiten Publikum zugänglich machen.

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