Sanierungskosten von gut 2,1 Millionen Euro

von Redaktion

Fachleute stellen im Gemeinderat Grabenstätt Ergebnisse der Kanalbefahrung vor

Grabenstätt – Die Gemeinde Grabenstätt hat als Betreiberin des öffentlichen Kanalnetzes für Schmutz- und Niederschlagswasser im Jahr 2023 eine Befahrung ihres Kanalsystems vornehmen lassen. Bei der Begutachtung von rund sieben Kilometern der ältesten Rohrleitungen im Gemeindegebiet, den zwischen 1960 und 1986 gebauten Mischwasserkanälen im Ort Grabenstätt, sei deutlich geworden, so Bürgermeister Gerhard Wirnshofer (BG), „dass circa 60 Prozent der Kanäle sanierungsbedürftig sind“. Dort, wo die Schäden besonders akut gewesen seien, habe man bereits im Jahr 2024 Sofortmaßnahmen umgesetzt. Dabei seien circa 450 Meter Kanäle saniert worden, wie der Rathauschef mitteilte.

60 Prozent
sanierungsbedürftig

Im Anschluss befasste man sich im Gemeinderat neben der Auswertung der Mischwasserkanalbefahrung zusätzlich mit der sehr aufwendigen Kanalnetzüberrechnung, um ein schlüssiges Kanalsanierungskonzept umsetzen zu können. Eine hydraulische Netzüberrechnung wurde der Gemeinde empfohlen, um punktuelle Schwachstellen in den Kanälen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit aufdecken und berücksichtigen zu können. Dazu wurde anhand des Kanalkatasters ein digitaler Zwilling des Kanalnetzes erstellt. Hierbei flossen auch die Eigentümerfragebögen ein, die ausgewertet und auf Plausibilität mit den örtlichen Gegebenheiten geprüft wurden. Christian Fellner und Andreas Nissl vom Ingenieurbüro Dippold & Gerold stellten den Räten im Detail die Auswertung der Kanalinspektion, den daraus entstehenden Sanierungsbedarf sowie die möglichen Techniken für die Behebung der Schäden vor. Grundsätzlich könne ihnen zufolge die Sanierung mittels sogenannter Inliner erfolgen. Dabei werde ein Glasfaserverbundschlauch eingezogen, der dann aufgeblasen und an die Innenwand der Kanalleitung gepresst werde. Durch UV-Licht erfolge anschließend die Aushärtung des Materials, betonten die Fachleute. Auch wenn diese Maßnahme eine geringfügige Verringerung des Kanalrohrquerschnitts zur Folge hätte, würde dies nach den vorgenommenen Berechnungen zu „keiner signifikanten Verschlechterung“ der hydraulischen Leistungsfähigkeit führen.

Das Gesamtnetz der Gemeinde umfasst 56,84 Kilometer Kanal und 17,10 Kilometer Hausanschlussleitungen. Bei der genannten Kanalbefahrung wurden zunächst 229 Haltungen (Kanalverbindungsstrecken zwischen zwei Schächten) mit einer Länge von 6,2 Kilometern des Hauptkanals und 268 Hausanschlüsse mit einer Gesamtlänge von knapp zwei Kilometern befahren.

Wie die Experten im Gremium ausführten, seien alle Haltungen nach sogenannten Zustandsklassen bewertet worden. Für den Hauptkanal ergäben sich in Bezug auf die Zustandsklassen 0 (Schäden mit kurzfristigem Handlungsbedarf) bis 3 (langfristiger Handlungsbedarf) Sanierungskosten in Höhe von insgesamt gut 2,1 Millionen Euro. Bei den Haltungen mit den Zustandsklassen 4 und 5 werde derzeit kein Sanierungsbedarf gesehen. Deren Befahrung sei jedoch in zehn Jahren erneut vorzunehmen.

„Hausaufgaben
bekommen“

Laut Bürgermeister Wirnshofer habe die Gemeinde jetzt „Hausaufgaben“ bekommen und müsse nun den Umfang und die zeitliche Umsetzung der Sanierung bestimmen. Keinen Aufschub erlaubten die Haltungen mit der Zustandsklasse 0. In erster Linie werde man sich hier auf den Hauptkanal konzentrieren, da hier im Vergleich zu den Hausanschlüssen „das größere Gefahrenpotenzial“ liege. Wirnshofer zufolge könnte die Ausschreibung bereits im Frühjahr erfolgen und dann im Sommer oder Herbst mit der Umsetzung begonnen werden. Die weiteren Sanierungsschritte würden sich in den folgenden Jahren anschließen.

Der Gemeinderat nahm den Sachverhalt zur Kenntnis und beauftragte die Verwaltung mit der Einleitung weiterer Planungsschritte.

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