Turbulentes Jahr für den Pfarrverband

von Redaktion

Die einen wollten ihren Pfarrer unbedingt behalten. Die anderen wollten ihn unbedingt loswerden. In Prien, Bernau, Bad Endorf und Umgebung wurden 2025 die Gräben in den katholischen Pfarrverbänden im westlichen Chiemgau immer tiefer. Eine Woche bevor es in Rom „habemus papam“ hieß, hieß es hier „habemus pastorem“.

Prien/Bernau/Bad Endorf – Versetzung des Pfarradministrators Gottfried Grengel von Prien zurück nach Österreich: Gegen diese Entscheidung der Erzdiözese München-Freising regte sich im Sommer 2024 schnell Widerstand in den Chiemgau-Gemeinden Prien, Bernau und Bad Endorf. Die meisten Gläubigen wollten ihren Pfarrer behalten – und riefen eine Unterschriftenaktion ins Leben. Gut 5.500 Unterschriften kamen zusammen.

Beschwerdebriefe
an die Diözese

Aber nicht alle Katholiken westlich des Chiemsees waren mit Grengels Arbeit einverstanden: Es gab auch einige Beschwerdebriefe an die Diözese. Amtsführung und Ansichten des Priesters, von der Erzdiözese Salzburg „ausgeliehen“, gingen einigen katholischen Gläubigen gegen den Strich. Die einen wollten Grengel unbedingt loswerden, aus verschiedenen Gründen. Einem Teil der Grengel-Gegner war der Pfarrer zu volkstümlich. Ein anderer Teil fand ihn politisch zu weit rechts angesiedelt. Hinzu kamen hinter vorgehaltener Hand geäußerte Mobbing-Vorwürfe.

Die anderen wollten ihn unbedingt halten und scheuten dafür weder Kosten noch Mühen. Das erlebte die OVB-Redaktion in Prien hautnah mit, als Jutta Schmitt plötzlich in der Geschäftsstelle des OVB stand und eine ganz spezielle „Todesanzeige“ im Namen der Christen in der Zeitung schalten wollte – für 1.200 Euro. Dem voraus ging ein beachtlicher Schriftverkehr, den Schmitt auf sich nahm – an verschiedene Zeitungen sowie an diverse Stellen der katholischen Kirche. Auf Antworten wartete Schmitt bis Ende April 2025 vergeblich. Bürgermeister Andreas Friedrich, schon damals befragt von der OVB-Redaktion, fand es „seltsam, was hier passiert“. Nicht nur bei ihm hinterließ die Entscheidung der Erzdiözese München-Freising zur Versetzung zurück nach Österreich Fragezeichen. Nicht nur der Bürgermeister bemängelte die „sehr unklare Kommunikation seitens des Ordinariats“.

Dr. Christoph Kappes vom München-Freisinger Ordinariat schrieb schließlich in einer Pressemitteilung, dass sich die beiden Diözesen München-Freising und Salzburg mit Pfarradministrator Gottfried Grengel darauf verständigt hätten, dass dieser für einen guten Übergang – bis zur Klärung der Nachfolge – Leiter der Pfarrverbände Westliches Chiemseeufer und Bad Endorf bleibt. Im Übrigen sei Grengel nur befristet vom 1. September 2021 bis 31. August 2024 für den Dienst in der Erzdiözese München und Freising von der Erzdiözese Salzburg freigestellt worden. Diese habe nun auf Bitte der Erzdiözese München und Freising und in Übereinstimmung mit Pfarradministrator Grengel zugestimmt, dass Grengel noch für die Übergangszeit bis zum Dienstantritt des künftigen Leiters im späten Frühjahr 2025 von der Tätigkeit im westlichen Chiemgau freigestellt wird.

Unruhe in
Kirchengemeinden

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden bedauerten, dass dieser Umstand vom Ordinariat München-Freising nicht von Anfang an offen kommuniziert worden sei, als man Grengel im November 2022 als Pfarradministrator eingesetzt habe: „Hier sehen wir ein Kommunikationsverschulden vonseiten des Ordinariats München, was letztlich auch zu der Unruhe in den Kirchengemeinden beigetragen hat.“ Im Januar 2025 war dann klar, dass ab 1. Mai Pfarrer Philipp Werner – zuvor Pfarrer in der Pfarrei Poing-St. Michael im Dekanat Ebersberg, davor unter anderem Kaplan in Aschau im Chiemgau – für die Pfarrverbände im westlichen Chiemgau mit ihren rund 14.000 Mitgliedern zuständig sein wird. Nicht nur der Pfarrer ist seitdem neu, auch die drei bisherigen Gemeindereferenten Cornelia Gaiser, Werner Hofmann und Ursula Stacheder gingen nach zehn und mehr Jahren. Werner, dem aus Poing der Ruf vorauseilte, gegenüber innovativen Ideen und Entwicklungen sehr aufgeschlossen zu sein, und sein Seelsorgeteam fanden im westlichen Chiemgau Pfarreien vor, durch die ein tiefer Riss ging.

Die Gräben
zugeschüttet

Und heute? Die Erzdiözese Salzburg hatte Grengel eine Pause verordnet. Am 1. September übernahm er die Gemeinde Wals, nur wenige Kilometer entfernt von seinem Heimatort Wonneberg im Rupertiwinkel. Philipp Werner war für die Redaktion telefonisch leider nicht zu erreichen. Der gebürtige Bonner hat es geschafft, so sagen gut vernetzte Priener, in seinen bisherigen acht Monaten in den Pfarrverbänden die Gräben zuzuschütten. Zumindest dringen keine Meinungsverschiedenheiten nach draußen.

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