Übersee – Historische und aktuelle Eindrücke zum Heiligen Jahr in der katholischen Kirche stehen im Mittelpunkt eines Rückblicks, der die jüngst geschlossene „Heilige Pforte“ im Petersdom in Rom mit dem Heiligen Jahr 1925 verbindet. Papst Leo XIV. hat am Dienstag, 6. Januar, im Petersdom in Rom die „Heilige Pforte“ wieder geschlossen, die sein Vorgänger Papst Franziskus am Dienstag, 24. Dezember 2024, mit drei Hammerschlägen geöffnet und damit ein Heiliges Jahr begonnen hatte.
In diesem vergangenen Jahr kamen nach kirchlichen Angaben an die 32 Millionen Menschen nach Rom, um diese besondere Pforte zu durchschreiten und einen persönlichen Weg der spirituellen Erneuerung einzuschlagen.
Aus alten Kirchenbüchern wird deutlich, wie tief die Tradition der Heiligen Jahre in der Kirchengeschichte verwurzelt ist. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte hatte Papst Bonifatius VIII. im Jahr 1300 ein Heiliges Jahr ausgerufen. Das nächste Heilige Jahr sollte ursprünglich erst wieder 100 Jahre später folgen. Papst Clemens VI. verkürzte jedoch im Jahr 1343 das Intervall auf 50 Jahre, Papst Paul II. legte 1470 den Abstand auf 25 Jahre fest. Diese Regelung gilt laut kirchlicher Überlieferung bis heute. Im Jahr 1925, also vor gut 100 Jahren, traf erneut ein Heiliges Jahr zu, zu dem Papst Pius XI. Pilger nach Rom einlud.
Aus der Pfarrei Übersee sind zu diesem Heiligen Jahr nur wenige persönliche Zeugnisse überliefert. Der Überseer Pfarrer Hugo Strasser hielt in seiner Pfarrchronik am Sylvestertag 1925 fest: „Es war das Jubiläumsjahr 1925. Von der ganzen Pfarrei Übersee haben nur zwei die Wallfahrt nach Rom gemacht: die alte Zeißlhäuslmutter und der Suffl (Zillner) von Baumgarten.“ Wie die beiden Überseer nach Rom kamen und was sie dort erlebten, ist in den Aufzeichnungen des Pfarrers nicht festgehalten; auch in den Familien der beiden Rompilger ist dazu nichts mehr überliefert. Die weiteren Zeilen Strassers vom Donnerstag, 31. Dezember 1925, sind von pfarrherrlicher Strenge geprägt. Er notierte zur geistlichen Bilanz des Jahres: „Jahresschlussfeier, von den Männern schwach, von den Frauen gut besucht… Möge Gott uns verzeihen, was wir Böses getan haben, und das wenige Gute in seiner Huld und Erbarmung gnädig aufnehmen“. Während der Pfarrer damit eine eher nüchterne und mahnende Sicht auf das Glaubensleben seiner Pfarrei festhielt, betont Papst Leo XIV. in der Gegenwart andere Akzente. Er spricht im Hinblick auf das zu Ende gegangene Heilige Jahr von einem Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung für die Menschheit.
Der Blick auf die Chronik und die aktuellen Äußerungen des Papstes macht deutlich, wie sich Wahrnehmung und Deutung des Heiligen Jahres im Lauf der Jahrhunderte gewandelt haben. „Tempora mutantur – wie sich doch die Zeiten geändert haben“, fasst Dr. Martin Metz diese Entwicklung zusammen.