Schäffler tanzen nach sieben Jahren wieder

von Redaktion

Prinzregent Luitpold erlaubt einst den Reigentanz – Gefeierter Auftritt in Gstadt

Gstadt – Am vergangenen Wochenende haben sich die Kolbermoorer Schäffler bei Kaiserwetter in Gstadt zum Tanz eingefunden. Nach sieben Jahren zeigten sie wieder ihren Reigentanz.

Als in München Anfang des 16. Jahrhunderts die Pest wütete und sich die Menschen aus Angst vor der „Schwarzen Seuche“ nicht mehr aus den Häusern wagten, war es die Zunft der Fassmacher und Schäffler, die versuchten, mit einem Reigentanz der Bevölkerung neuen Lebensmut zu vermitteln, so ist es den Annalen zu entnehmen. Im Jahr 1886 wurde der Schäfflertanz in Kolbermoor das erste Mal aufgeführt.

Neuer Lebensmut
für die Bürger

Der damalige Gemeindeschreiber Bohl, ein gebürtiger Münchner, hatte in der Sitzung der „Kolbermoorer Faschingsgesellschaft“ vorgeschlagen, statt der üblichen Haberfeldtreiben und Bauernhochzeiten einmal den Münchner Schäfflertanz aufzuführen. Man erwirkte vom damaligen Prinzregenten Luitpold aus Bayern ein königliches Dekret, das die Erlaubnis und Unterstützung der Schäffler zur Aufführung des Tanzes alle sieben Jahre beinhaltete. Um die tanzfreien Jahre zu überbrücken, wurde 1893 der „Dramatische Club Immergrün“ aus der Taufe gehoben. Dieser führte Theater, Schuhplatteln und Volkstänze auf. Aus ihm entstand in der Folge zur Heimat- und Brauchtumspflege der „Gebirgstrachten Erhaltungsverein Immergrün Kolbermoor“, wie Christian Staudinger, der Vorstandsvorsitzende, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung mitteilte.

Die „Kolbermoorer Schäffler“ sind mit ihrer markant rot-schwarzen, gelb beschürzten und grün behüteten Tracht angereist, um vor der Silhouette der Fraueninsel im Hintergrund ihren Reigentanz zu präsentieren. Nach Aussage der Vorstandschaft dürfen nur aktive Trachtler bei dieser Truppe mitmachen. Die Truppe besteht aus dem Schäfflermeister, 16 Tanzpaaren, einem Fähnrich, zwei Fassträgern und einem Kronenhalter sowie den Kaspern zur Unterhaltung des Publikums. Die dargebotenen Tanzelemente umfassen den Aufmarsch mit der Blaskapelle „am Wasn“ sowie die Tanzfiguren „Laube“, „Kreuz“, „Quadrille“ und „Krone“. Mit dem Fassklopfen zweier Schäffler wird das Handwerk des Reifenauftreibens nachempfunden, dazu wird changiert. Höhepunkt der Aufführung ist das Kreisen von zwei eisernen Fassreifen durch den Schäfflermeister über dessen Kopf, in deren Innenseite jeweils ein Stamperl Schnaps steht, ohne dabei einen Tropfen zu verschütten. Hierbei muss die Gravitation ausgetrickst werden.

Kasperln springen
durch die Reihen

Während der Aufführung springen Kasperln durch die Besucherreihen und freuen sich über Spenden für die Darbietung. Ein Fasskasperl schwingt den Reifen ebenfalls und ehrt den Tanzgeber, Zuschauer oder lokale Prominenz mit lustigen und spöttischen Versen sowie einem dreifachen „Pfiffkas-Hoch“.

Mit dem Abmarsch endete die Veranstaltung, während die Protagonisten mit viel Applaus von den zahlreichen Besuchern verabschiedet wurden.

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