Bernau – Skipper Severin Ohlert ist nach seinem aufregenden und manchmal auch gefährlichen Segel-Abenteuer auf dem Atlantik wieder heil im Chiemgau gelandet. „Ich bin nach einer kleinen Odyssee inklusive Kontakt mit der Homeland-Security wieder gut in der Heimat angekommen und habe viele spannende Eindrücke mitgebracht“, schreibt Ohlert auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Seine faszinierende Lebensstory, die ihn aus Bernau auf die Meere der Welt geführt hat, bewegte viele Leser. Sie löste aber auch eine große Diskussion in der Region aus, denn Ohlert konnte seine ehrenamtliche Funktion als gewählter Gemeinderat wegen seiner Reisen nur selten ausführen.
Fester Wohnsitz
in Traunstein
Sollte man seine „Träume leben“, wie Severin Ohlert erklärte, oder ist die politische Verantwortung des 2020 in der Heimat gewählten Gemeinderats der Grünen wichtiger? Zu dieser Frage gab es unterschiedliche Meinungen. „Gern kann in den Protokollen nachgelesen werden, dass ich in den ersten zwei Jahren fast durchgehend im Gemeinderat anwesend war“, hatte Ohlert erklärt: „Aufgrund meiner beruflichen Umorientierung ab 2023 vermindert.“ Seit diesem Zeitpunkt arbeitet der Mann hauptberuflich als Ausbilder und Kapitän im Segelbereich.
Warum er ab diesem Zeitpunkt nicht gleich durch einen der etwa 15 Nachfolge-Kandidaten von der Liste der Grünen in Bernau ersetzt wurde, blieb in der Auseinandersetzung offen. Doch jetzt wird das mit Verspätung geschehen, nachdem kurz vor der Weihnachtspause und nach der umfangreichen Berichterstattung über den Fall ein offizieller Antrag bei der Gemeinde eingereicht wurde.
„Ausschlaggebend war vor allem, dass ich meinen festen Wohnsitz nach Traunstein verlegt habe. In der neuen Situation hat sich dann jemand aus dem Ortsverband bereit erklärt, den Platz zu übernehmen“, berichtet Ohlert. Dieser Jemand ist der pensionierte Gymnasiallehrer Heribert Burdick, Vorstandssprecher der Grünen in Bernau. Die Vereidigung ist im nicht-öffentlichen Teil der nächsten Bernauer Gemeinderatssitzung am 22. Januar geplant.
„Severin Ohlert war bis vor Kurzem Gemeinderat für die Grünen in Bernau und hat dankenswerterweise als Umweltreferent viele Initiativen auf den Weg gebracht. Mit seinem Wegzug aus Bernau hat er auch planmäßig sein Mandat zurückgegeben“, sagt Sepp Genghammer, Beisitzer im Vorstand der Grünen des Ortes. Er findet, dass der Wirbel um die (Nicht)-Anwesenheit von Severin Ohlert bei den Gemeinderatssitzungen der vergangenen Zeit komplett übertrieben ist. Zudem müsse man mit Blick auf die immer schwieriger werdende Suche nach Menschen für Ehrenämter wie den Gemeinderat endlich auch in der Chiemsee-Gemeinde neue Wege gehen.
„Leider gibt es in Bernau trotz verschiedener Anregungen der Grünen immer noch keine hybriden Sitzungen, bei denen beruflich verhinderte Gemeinderatsmitglieder die Möglichkeit hätten, über Videoschaltung an der Sitzung teilzunehmen. Vielleicht kann das in der nächsten Legislaturperiode besser werden“, sagt Genghammer. Rechtlich sind hybride Gemeinderatssitzungen mit Bild-Ton-Übertragung und mobiler Teilnahme in Bayern möglich. In einigen Gemeinden wie dem nahen Prien gehören sie genauso wie im Kreistag im Berchtesgadener Land längst zu den möglichen Optionen. Bedingung dafür ist, dass der Gemeinderat das in seiner Geschäftsordnung erlaubt.
Darauf angesprochen erklärt Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber, dass sie die Idee grundsätzlich befürworte. Zum Beispiel auch für Mütter im Gemeinderat, die ihre Kinder noch ins Bett bringen müssten. Das Problem sei allerdings die tatsächliche Umsetzbarkeit in der Gemeinde nahe des Chiemsees. „Wir haben das schon mal in Corona-Zeiten probiert, aber es war wegen der schlechten Akustik in unserem Sitzungssaal nicht möglich, der Diskussion zu folgen“, sagt Biebl-Daiber der Chiemgau-Zeitung.
Um es dennoch möglich zu machen, sei die Anschaffung hochwertigerer Ausstattung nötig, die beispielsweise in Prien im Sitzungssaal vorhanden sei. Ein entsprechendes Angebot für Bernau hätte vor einigen Jahren allerdings Kosten von 16.000 Euro allein für Mikrofone ergeben. „Wir haben lange darüber debattiert, uns dann aber wegen der Kosten-Nutzen-Frage dagegen entschieden“, so Biebl-Daiber. Sie findet außerdem, dass persönliche Unterhaltungen im Gemeinderat viel ergebnisreicher als Videokonferenzen seien.
Moderne Technik
könnte helfen
Man wird also zumindest in absehbarer Zeit auch weiterhin nicht an Gemeinderatssitzungen in Bernau von einem Schiff auf dem Atlantik oder anderen Orten teilnehmen können. Severin Ohlert ist das egal: Er kandidiert bei der Kommunalwahl am 8. März nicht noch einmal für den Bernauer Gemeinderat.