Traunstein – Zu den rund 30 Besuchern zählte auch Bürgermeister Hans-Jörg Birner aus Kirchanschöring. Er betonte, dass er die Initiativen im Rahmen des Mietshäuser-Syndikats ausdrücklich begrüßt – „sowohl persönlich als auch in meiner Funktion als Bürgermeister“. Birner führte aus: „Gerade wir Kommunen stehen in der Verantwortung, dauerhaft bezahlbaren und sozialen Wohnraum zu schaffen. Das Modell des Mietshäuser-Syndikats leistet hierzu einen wirkungsvollen Beitrag: Es entzieht Wohnraum dauerhaft der Spekulation und stellt sicher, dass kostendeckende Mieten über Generationen hinweg Bestand haben.“
Vetorecht
gegen Verkauf
Durch die Selbstverwaltung und die genossenschaftlich organisierte Struktur mit Vetorecht gegen Verkauf oder Umwidmung würden langfristige Mietverhältnisse gesichert und „zugleich gemeinschaftliches Engagement sowie solidarische Nachbarschaft gefördert.“ Damit erfüllt dieses Modell nicht nur ein zentrales wohnungspolitisches Ziel, sondern entspricht auch dem klaren Auftrag der Bayerischen Verfassung. Birner zitierte daraus Artikel 106 Absatz 2: „Die Förderung des Baus billiger Volkswohnungen ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden.“
Solche Projekte unterstützen unmittelbar die kommunalen Bemühungen, eine lebenswerte, soziale und stabile Gemeinschaft für alle Generationen zu gestalten, betonte der Vorsitzende des Kreisverbands des Bayerischen Gemeindetags und Sprecher der Bürgermeister im Landkreis. Zugleich sprach sich Birner für den Aufbau einer Dachgenossenschaft auf Landkreisebene aus, unter der sich die Initiativen und Interessierten für gemeinschaftliches Wohnen aus den einzelnen Gemeinden vernetzen und bündeln können.
Dr. Martin Trautwein aus Übersee findet es wichtig, dass innovative Wohnprojekte mit genossenschaftlichem und generationenübergreifendem Ansatz in der Region mehr Aufmerksamkeit erhalten. Sein Wunsch: „Kommunen und private Anbieter sollen die wachsende Nachfrage nach solchen Wohnformen stärker wahrnehmen und die interessierten Gruppen bei der Vergabe von Flächen und Immobilien aktiv einbeziehen.“ Aktuell sucht er weitere engagierte Mitstreiter für Projekte in Übersee und Umgebung. Deshalb kam er zum Austausch, so Trautwein.
Gerhard Größ aus der Gemeinde Altenmarkt bewohnt bereits seit fünf Jahren das erste und einzige Syndikatsprojekt im Landkreis Traunstein. Dabei handelt es sich um die „Alte Schule“ von St. Wolfgang, die bis zur Gebietsreform in den 1970ern der Gemeinde Rabenden gehörte. Größ hat 2019 mit zehn Mitbewohnern den Verein „HOP“ (Haussyndikat in der Oberbayerischen Provinz) gegründet. „Der Verein ist über eine GmbH gemeinsam mit dem Mietshäuser Syndikat Dachverband Miteigentümer der ‚Alten Schule‘“, so Größ.
„Uns gibt es seit November 2019. Ich bin Gründungsmitglied der ‚Alten Schule‘ als Syndikatshaus und freue mich, dass sich in Traunstein endlich etwas rührt. Es gibt eine große Wohnungsnot in unserem Landkreis und gleichzeitig viel Leerstand. Ein Mietshäuser-Syndikat ist eine ideale Form, um Leerstand nutzbar zu machen oder alternative Wohnkonzepte umzusetzen. Dabei wird der Wohnraum dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen und so garantiert, dass alle Einnahmen in die Renovierung des Hauses gesteckt werden und nicht als Spekulationsgewinne abfließen. So wird dauerhafter günstiger Wohnraum geschaffen. So etwas aufzubauen, ist natürlich mit Einsatz verbunden, aber es lohnt sich.“
Julia Zacherl-König aus Siegsdorf ist schon länger auf der Suche nach einem inklusiven Mehrgenerationenhaus, in dem sie mit ihren beiden unterschiedlich behinderten Söhnen (23 und 32 Jahre alt) in getrennten Wohnungen zusammenleben kann. Von der „Lebenshilfe Traunstein“ wurde Zacherl-König bereits zugesagt, dass sie für neue Wohnprojekte mit ambulanter Unterstützung sehr offen sei.
Alle Teilnehmer stellten sich persönlich vor und schilderten ihre Vorstellungen von einem Leben in einem gemeinschaftlich organisierten Wohnprojekt – von Gedankenspielen bis hin zu bereits sehr klaren Planungen. Der Verein „Henastoibande“ initiierte das Vernetzungstreffen bewusst als Impuls, wie Moderatorin Rebecca Scharf bemerkte. „Es besteht von allen Beteiligten und Interessierten der Wunsch, ein überregionales Netzwerk bei den Entscheidungsträgern in den Kommunen sowie im Landkreis stärker über diese genossenschaftlichen Modelle gemeinschaftlichen und bezahlbaren Wohnens zu spannen. Ziel ist es, den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum auf eine breitere Basis zu stellen.“
Netzwerk
schaffen
Die Gruppe verständigte sich darauf, über einen Messenger-Dienst in Kontakt zu bleiben und den Austausch weiter zu vertiefen. Interessierte, die nicht anwesend sein konnten oder sich künftig beteiligen möchten, sind eingeladen, sich per E-Mail zu melden und ihre Kontaktdaten zu hinterlassen.