Chiemsee – Es ist dieses Lächeln, das die Insulaner, viele seiner Chiemgauer Freunde sowie manche Insel- und Klostergäste vermissen werden. Wer Nicky begegnete, zufällig oder nicht, und auch nur kurz mit ihm ins Gespräch kam, der nahm für den Tag etwas Positives mit. Denn das zugewandt freundliche Strahlen des kleinen Mannes im farbigen Gewand öffnete jedes noch so bedrückte Herz. Wie gesagt, groß war er nicht, doch alles andere als unscheinbar!
Nicky Sitaram Sabnis, 1959 im indischen Kanpur geboren und in Goa als Sohn eines Arztes aufgewachsen, war mit 19 Jahren ausgebildeter Ayurveda-Koch und bald schon Manager in der Taj Mahal Hotelkette. Mit 39 Jahren hat er dann im Kloster Frauenwörth den Seminargästen auf Wunsch ayurvedische Küche serviert, außerdem ayurvedische Kochkurse angeboten und eine Reihe erfolgreicher Kochbücher veröffentlicht. Das war von ihm aber nie so geplant, sein Weg von Indien auf die Fraueninsel war vielmehr Teil einer Familientragödie, zugleich aber die Geschichte von märchenhaften Zufällen und viel Empathie zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen. „Ein Hindu auf der Fraueninsel“ oder „Ayurveda in der Klosterküche“, so und ähnlich lauteten die Schlagzeilen in den Medien, freundlich lächelnde Schlagzeilen – wenn so etwas möglich ist – und das hatte seinen Grund.
Nickys zweites Leben begann am schönsten Ort im Chiemgau, dort, wo der Dalai Lama einmal das „spirituelle Herz Bayerns“ verortet hat. Sein Erstaunen über die glücklichen Zufälle und den Dank dafür hat Nicky offen gezeigt und gelebt. Das gefiel den Insulanern und allen, die ihm sonstwo begegneten, spätestens wenn er bekannte: „Indien is mei Land, aber Bayern is mei Heimat“, flogen ihm die Herzen zu. Im Kloster gelang ihm das auch bei der als streng geltenden Schwester Scholastika, direkt nach dem Vorkochen für die ausgeschriebene Stelle als Koch passierte es. Skeptisch war die gebürtige Schottin – „Ich als Memsahib der Ex-Kolonialmacht und er als Inder, kann das gutgehen?“ –, doch dann „kidnappte“ sie ihn vom Fleck weg und er musste sofort anfangen. Das war der Beginn eines besonderen Arbeitsverhältnisses, zu dem Nicky mal gesagt hat: „Frau Scholastika? Sie ist mein Guru!“ Doch vor seinem Glück auf der Insel war Nicky ganz tief unten. Seine indische Ehefrau war über Nacht verschwunden, mit ihr die neugeborene Tochter Laxmi, die er und seine Familie in Indien lange Zeit vergeblich suchten.
In seiner Verzweiflung ließ er sich von einem Verwandten für dessen Münchner Restaurant anwerben, erkrankte schwer an Diabetes, war pleite, konnte kein Wort Deutsch und nur die Fürsorge seiner späteren Ehefrau Gabi, Sozialarbeiterin im Krankenhaus, bewahrte ihn vor dem Schlimmsten.
Gabi gab ihm neue Hoffnung und eine Bleibe und als es ihm wieder besser ging, machten sie einen Ausflug in den Chiemgau, auf die Fraueninsel. Dort hängt dann an der Klosterpforte dieser schicksalhafte Zettel mit dem Stellenangebot. 13 Jahre vor seiner letzten Indien-Reise fanden sich Vater und Tochter wieder, Laxmi war noch einmal Teil seines Lebens geworden. Nicky Sabnis starb bereits am 28. November 2025, betreut von seiner Familie und seiner Frau Gabi und wieder inmitten seiner Sprache und Kultur. „Botschafter der Fraueninsel nenne ich ihn dennoch, denn wie hat er mal gesagt: ,Auch Kochen ist Gottesdienst!‘ und neben den sechs Grundgewürzen des Ayurveda gab es für ihn noch eines: ,Das siebte Gewürz ist die Liebe, ohne die gelingt nichts!‘“ Das ist eine Botschaft, die sicher alle Insulaner und auch die Klosterschwestern unterschreiben. bov