Chiemgau/Prien – Es ist keine leichte Zeit für alle, die regelmäßig mit dem Zug zwischen Salzburg und München unterwegs sind – mal wieder. Bauarbeiten zwischen Bad Endorf und Rosenheim sorgen dafür, dass zwischen den beiden Bahnhöfen ein Schienenersatzverkehr (SEV) in Bussen fährt. Auf der Webseite der Bayerischen Regiobahn (BRB) heißt es dazu: „Wegen Schäden an der Fahrbahn bei Bad Endorf kommt es zu Verspätungen und evtl. zu Zugausfällen, auf der Linie: RE5 – München Hbf – Salzburg Hbf, in beide Richtungen.“ Als Zeitraum ist der Montag vergangener Woche bis zum 23. Januar genannt.
SEV mit
mühsamem Start
Rund 50 Menschen warteten an diesem ersten Montag auf den SEV am Rosenheimer Busbahnhof. Busse standen auch an der vorgesehenen Haltebucht 11 parat. Aber weder waren dazugehöriges Fahrpersonal noch Anzeigen auf den Bussen erkennbar. „Zu Beginn von Baumaßnahmen muss sich der SEV oft erst einmal einspielen. Wir beobachten die Lage sehr genau und steuern dann in Absprache mit den Busunternehmen nach, wenn wir Auffälligkeiten bemerken oder sich Fahrgäste bei uns melden“, schreibt Annette Luckner, Referentin Presse der BRB, auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Die BRB ist für den SEV zuständig. Einige Bahnreisende nutzten dann den Bus über Frasdorf nach Prien, um dort wieder in den RE5 nach Salzburg zu steigen.
Inzwischen scheint der SEV ziemlich reibungslos zu funktionieren, am Rosenheimer und Bad Endorfer Bahnhof warten zwei Busse auf die Fahrgäste. Ungewohnt sind die Busse dennoch, denn es sind Fahrzeuge aus Salzburg. Dazu Luckner: „Busse bestellen wir dort, wo wir sie bekommen. Und manchmal ist es gar nicht so einfach, genügend Busse und Fahrer für den SEV zu bekommen.“
Zuständig für die Bauarbeiten ist die DB InfraGo AG. Auf die Frage, welche Baumaßnahmen konkret umgesetzt werden, antwortet eine Sprecherin der Bahn:
„Wir führen aktuell auf den Strecken zwischen München und Rosenheim beziehungsweise Salzburg/Kufstein unterschiedliche Baumaßnahmen durch. Dazu zählen präventive Arbeiten wie die Inspektion der Oberleitung entlang weiter Teile der Strecke München – Rosenheim – Salzburg sowie die maschinelle Bearbeitung von Weichen und Schienen.“ Zwischen Grafing und Aßling sowie im Abschnitt Ostermünchen-Aßling werden Schienen auf eineinhalb bzw. zwei Kilometern Länge ausgetauscht.
Die Bahnsprecherin schreibt weiter: „Grundsätzlich ist unser Streckennetz zu alt, zu voll und zu störanfällig. Der damit einhergehende hohe Modernisierungsbedarf führt zu vielen Baumaßnahmen.“ Das betreffe auch die Strecken von München nach Rosenheim bzw. Salzburg/Kufstein. „Die DB InfraGO hat in den vergangenen Wochen und Monaten in die beiden Strecken München – Rosenheim – Salzburg (via Grafing) und Rosenheim – Kufstein investiert, um die Infrastruktur zu verbessern und die Strecken fit für die Umleiterverkehre der Generalsanierungen zwischen Nürnberg und Regensburg beziehungsweise Passau in diesem Jahr zu machen“, führt die Sprecherin der Bahn weiter aus. Ab 2027 werden die beiden Strecken München – Rosenheim sowie Rosenheim – Salzburg selbst einer Generalsanierung unterzogen.
Die Generalsanierung zwischen Nürnberg bis Regensburg beginnt am 6. Februar und soll bis 10. Juli 2026 beendet sein. Vom 14. Juni bis 12. Dezember ist dann der Abschnitt Obertraubling bis Passau an der Reihe. Die Großbaustelle wird „Auswirkungen auf den Zugverkehr zwischen München und Rosenheim beziehungsweise Salzburg haben“, bestätigt die Bahnsprecherin auf Nachfrage. Welche das konkret sind, steht auf der Website der Bayerischen Eisenbahngesellschaft: „Wegen des Umleiterverkehrs auf der Achse München – Rosenheim müssen ab 6. Februar 2026 die Verstärkerzüge des RE5 zur Hauptverkehrszeit zwischen München und Traunstein entfallen. Die Kapazität der Züge vor und nach diesen gestrichenen Fahrten wird erhöht.“
Auch durch die aktuelle Baustelle kann es teilweise zu Zugausfällen kommen. Dies geschehe dann, wenn sich Verspätungen aufschaukeln, wie die BRB schreibt. Dann müssten Züge ausfallen, „um wieder in den Takt zu kommen“. Durch die erste Schneewelle sei die BRB gut gekommen: „Die erste Winterphase ist insgesamt glimpflich verlaufen. Trotz einzelner Einschränkungen konnten wir einen Großteil der Verbindungen aufrechterhalten.“ Positiv bewertet wird seitens der BRB die enge Zusammenarbeit mit der „DB InfraGO AG“, Leitstelle und Fahrpersonal. „Auch unsere zusätzlichen Informationskanäle, etwa über Website, Whatsapp und Social Media wurden intensiv genutzt.“
Die BRB-Sprecherin betont: „Wichtig sind vor allem klare und frühe Abstimmungen zwischen allen Beteiligten, insbesondere die Infrastruktur betreffend. Frühe Information an die Fahrgäste ist ebenfalls wichtig.“ Und was können Fahrgäste selbst tun, um bei Chaos zu unterstützen? „Verständnis zeigen für Fahrpersonal im Zug. Diese geben ihr Bestes und es nützt nichts, wenn Fahrgäste ihren Ärger an ihnen auslassen.“
BRB und die Bahn sind zwei unterschiedliche Unternehmen, wie deutliche Kritik des BRB-Chefs vergangenen Herbst zeigte. Was würde sich die BRB von der Bahn wünschen? „Als Infrastrukturbetreiber trägt die „DB InfraGO AG“ eine zentrale Verantwortung für die Funktionsfähigkeit des Netzes. Aus unserer Sicht wären weitere Investitionen in eine robuste, winterfeste Infrastruktur, eine verbesserte Vegetationspflege sowie eine stabilere Betriebssteuerung wünschenswert. Es muss auch weiterhin in Winterdienste im Bahnsteigbereich investiert werden“, nennt die BRBSprecherin einige Punkte.
Und das Bahnfazit zum ersten Wintereinbruch? „Infrastrukturseitig konnten die Züge in Bayern trotz des Wintersturms Elli weitgehend stabil verkehren. Teilweise hatten wir mit Störungen an Weichen und Bahnübergängen zu kämpfen, die aber größtenteils schnell wieder behoben waren.“
Besonders anfällig seien die Weichen, bei denen bewegliche Teile einfrieren können. „Von den mehr als 10.000 Weichen in Bayern verfügen etwa 8.140 über eine Weichenheizung. Mehr als 1.520 Räumkräfte kommen in Spitzenzeiten an den Schienen und Weichen im Freistaat zum Einsatz“, schreibt die Bahn.
„Spurloks“ entfernen
den Schnee
Bis zu einer Schneehöhe von 40 Zentimetern kämen sogenannte „Spurloks“ zum Einsatz, „die über verschneite Gleise fahren und eine Spur durch den Schnee ziehen. Den schweren Loks nachfolgende, leichtere Züge können die Gleise so wieder ungehindert befahren.“ Bei größeren Schneehöhen und lang andauernden Schneefällen reiche das jedoch nicht mehr aus.
Bahn und Zugbetreiber zeigen sich bemüht, den Fahrgästen möglichst wenig Unannehmlichkeiten zu bereiten. Bei einem riesigen Infrastruktursystem, welches über Jahrzehnte kaputtgespart wurde, geht das nicht von einem aufs andere Jahr. Zugfahrgäste im Chiemgau benötigen weiterhin Geduld und Zeit.